WG-Spezial

Der Wohngemeinschafts-Knigge

published: 28.09.2005

"Du hast meine Milch geklaut!" - Streitereien aus nichtigem Anlass (Foto: shutterstock.com/wavebrakmedia) "Du hast meine Milch geklaut!" - Streitereien aus nichtigem Anlass (Foto: shutterstock.com/wavebrakmedia)

Streit in der WG? Wenn ihr die sieben goldenen Regeln für ein friedliches Zusammenleben beachtet, ist Schluss mit den Streitereien.

Regel 1: privat ist privat
Immer die Intimsphäre des anderen respektieren.
Der Privatraum ist der Privatraum ist der Privatraum und darf von anderen nicht ohne weiteres betreten werden. Wenn ihr es euch ersparen wollt, mit uncoolen Türaushängen („NICHT BETRETEN“, „GESCHLOSSEN“) zu leben – es gibt eine einfache Lösung. Offene Tür bedeutet: Willkommen. Geschlossene Tür bedeutet: kein Eintritt. Jedenfalls nicht, ohne vorher anzuklopfen und auf ein Signal zu warten.

Regel 2: Dein ist mein? Nein!
Das Phänomen der wundersamen Verdunstung gibt es wohl in nahezu allen Wohngemeinschaften. Du willst dir am Nachmittag einen Milchkaffee machen, öffnest den Kühlschrank, greifst zur morgens gekauften Milchpackung – und alles, was in den Kaffeebecher rinnt, sind ein paar müde Tropfen. Adieu, Milchkaffee! Vermeidet solche Ärgernisse, indem ihr von vornherein festlegt, ob die Milch, der Joghurt, die Butter etc. Gemeinschaftseigentum sind oder nicht. Gehört die Milch allen, musst du akzeptieren, dass sie leer ist, bevor du etwas davon hattest. Ist das nicht der Fall, ist sie für die anderen unantastbar. Privateigentum ist tabu, das gilt auch für die Milch im Kühlschrank. Einfacher Tipp zur Stressvorbeugung: Filzstift auf den Kühlschrank legen und die eigenen Sachen mit euren Initialen markieren. Wenn man sich - in „Notsituationen“ - doch mal bei den anderen bedienen musste, sollte es selbstverständlich sein, sobald wie möglich in den Supermarkt zu rennen und Ersatz zu beschaffen. Sollte! Ist aber nicht immer...

Regel 3: Verleihnix und Schnorrviel
Das Thema Ausleihen ist ein ständiger Gefahrenherd für friedliche Wohngemeinschaften. Natürlich ist es eigentlich kein Thema, wenn man sich die neue CD, das neue Buch, den neuen Fünf-Euroschein vom Mitbewohner leiht. Leider ist es manchen Menschen offenbar beim besten Willen unmöglich, geliehene Sachen wieder zurückzubringen. Ein harmloses Problem? Nicht immer. Eine Diskussion um die Frage, ob Thorsten Katja eigentlich die zehn Euro zurückgegeben hat, kann durchaus den sozialen Frieden der Gemeinschaft stören. Die Regel Verliehen wird nur in Ausnahmefällen ist daher friedenstiftend.

Regel 4: Sitzen oder stehen?
„Bei uns wird im Sitzen gepinkelt!“ – Es gibt keine Statistik darüber, auf wie vielen WG-Toiletten Zettel mit diesem Spruch hängen, für gewöhnlich genau auf Augenhöhe des versuchten Stehpinklers. Das Problem bei Hygienestandards ist die enorme Bandbreite ihrer Beurteilung durch die WG-Bewohner. Ein Badezimmer, dass der eine nur mit Atemschutzmaske und aufgefrischter Tetanusimpfung betreten würde, erscheint dem anderen steril wie ein Operationssaal. Wichtig ist, dass man sich auf einen ausreichend eng gefassten Hygienestandard einigt. Der sollte sich eher am Pedanten als am Staubliebhaber orientieren. Dann klappt’s auch mit der Regel: Jeder hinterlässt ein sauberes Bad. Und um die noch offene Frage zu beantworten: Sitzen selbstverständlich!

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