Studie der Universität Bonn

Gewaltspiele stumpfen Gefühle ab

published: 17.10.2011

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Führen Gewaltspiele auch im realen Leben zu aggressivem Verhalten? Psychologen, Epileptologen und Neurologen der Universität Bonn haben nun die Wirkung von Ballerspielbildern und anderen emotional aufgeladenen Fotos auf die Gehirnaktivität von ausgiebigen Nutzern untersucht. "Sie zeigen im Vergleich zu Ego-Shooter-Abstinenten deutliche Unterschiede in der Emotionsregulation", berichtet Erstautor Dr. Christian Montag vom Institut für Psychologie der Universität Bonn. Bei Ego-Shooter-Spielen schlüpft der Spieler in die Rolle eines Schützen, der in einer kriegsähnlichen Situation mit verschiedenen Waffen Gegner bekämpft.

Bilder per Videobrille

Die 21 Probanden im Alter von 20 bis 30 Jahren spielten im Schnitt etwa 15 Stunden Ego-Shooter pro Woche. Während der Untersuchung bekamen sie über eine Videobrille einen standardisierten Katalog von Fotos zu sehen, die zuverlässig Emotionen im menschlichen Gehirn auslösen. Die Wissenschaftler registrierten dabei in einem der Hirnscanner des Life & Brain-Zentrums der Universität Bonn die Aktivitäten im Gehirn.

Realität und Fiktion

Unter den Bildern waren Fotos, wie sie auch in den Gewalt-Spielen vorkommen, aber auch Aufnahmen von Unfall- und Katastrophenopfern. „Mit dieser Mischung von Bildern hatten wir die Möglichkeit, die Testpersonen zum einen in die ihnen bekannte fiktive Ego-Shooter-Welt zu versetzen und zum anderen Emotionen durch reales Bildmaterial auszulösen“, sagt Dr. Montag. Diesen Fotokatalog bekamen auch die 19 Kontrollpersonen zu sehen, die keine Erfahrung mit Gewalt-Videospielen hatten.

"Ego-Shooter reagieren nicht so stark auf das reale, negative Bildmaterial, weil sie durch ihre täglichen Computeraktivitäten daran gewöhnt sind", schließt Montag daraus. "Man könnte auch sagen, dass sie abgestumpfter sind als die Kontrollgruppe." Die Ergebnisse der Studie erschienen im Fachjournal "Biological Psychology".

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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

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