Sprechstunde

Feuchte Hände

published: 13.07.2012

Dr. Karin Anderson ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie und hat eine Zusatzausbildung für psychotherapeutische Medizin (Foto: Public Address)Dr. Karin Anderson ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie und hat eine Zusatzausbildung für psychotherapeutische Medizin (Foto: Public Address)

Ein Hilferuf erreichte Dr. Karin Anderson über unser Help-Forum. Eine Scoolz-Userin kämpft damit, dass ihre Hände ständig stark schwitzen. Deswegen vermeidet sie im Alltag weitgehend den Körperkontakt mit anderen Menschen. Die Expertin der Techniker Krankenkasse klärt die Hilfesuchende über dieses medizinische Phänomen auf und gibt nützliche Tipps, wie sie gegen ihre extreme Handfeuchtigkeit vorgehen kann.

Dr. Karin Anderson lebt im US-Bundesstaat Maine. Sie ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie und hat eine Zusatzausbildung für psychotherapeutische Medizin. Als Forenexpertin für Scoolz und die Techniker Krankenkasse berät sie unsere User kostenlos. Wenn du unserer Expertin ein Problem schildern möchtest oder eine Frage stellen willst, tue dies jederzeit gerne in den Foren Gefühlssachen oder Help.

Die Scoolz-Userin fragt:

"Hallo liebe Frau Anderson,
ich habe ein Problem! Ich habe ständig feuchte Hande und deswegen immer Angst vor Körperkontakt, sogar mit meinen Freundinnen. Ich hatte das sehr extrem vor circa ein, zwei Jahren. Dann hat das ein bisschen nachgelassen, aber nie richtig aufgehört. Jetzt hat es wieder angefangen.

Ich gehe in einen Schauspiel-Kurs an meiner Schule und da muss man sehr viel mit Berührungen machen. Das finde ich so unangenehm! Darum fängt es auch an, mir keinen Spaß mehr zu machen. Aber was auch noch schlimm ist: Wenn ich Hand in Hand mit meinem Freund laufen will, geht das nicht, weil ich dann denke, der ekelt sich. Auch wenn Leute mit mir einklatschen wollen, sag ich immer 'nee' oder mach das so, dass ich nie treffe.

Das hört sich vielleicht echt albern an, aber es ist für mich schlimm. Meine Mutter sagt, je weniger ich darüber nachdenke, desto weniger feucht sind die Hände, aber ich denke ständig daran und weiß nicht, wie das in Zukunft sein wird.
Liebe Grüße und danke"

Dr. Karin Anderson antwortet:

"Hallo,
ich kann gut verstehen, dass Dir Deine ständig schwitzenden Hände sehr unangenehm sind. Leider hat Deine Mutter nicht Recht, denn Deine Hyperhidrose ist vermutlich weder durch Ablenkung noch durch Willenskraft beeinflussbar. Haben noch andere Familienmitglieder mit übermäßiger Schweißproduktion zu kämpfen? Oft kommt diese Störung nämlich familiär gehäuft vor.

Was ist Hyperhidrose?

Eine übermäßige, krankhafte Schweißproduktion wird Hyperhidrose genannt. Bei diesem Krankheitsbild produzieren die Schweißdrüsen zuviel Schweiß. Schwitzen ist eine natürliche Körperfunktion, die der Steuerung des Wärmehaushalts dient. Wird es einem Menschen zu warm, wird die Schweißproduktion der Schweißdrüsen gesteigert und durch das Verdunsten der Schweißflüssigkeit Kühlung erzeugt.
Leidet ein Mensch an Hyperhidrose, wird ständig übermäßig Schweiß produziert - besonders an den Handflächen, den Achselhöhlen, den Füßen und der Stirn, obwohl eine Kühlung des Körpers gar nicht nötig wäre. Hyperhidrose stellt für Betroffene ein großes Leiden dar. Die Krankheit belastet nicht nur die Psyche, sondern beeinträchtig auch den sozialen Umgang mit anderen Menschen.

Zwar gibt es verschiedene Erkrankungen, bei denen starkes Schwitzen eines der Symptome ist, wie etwa Schilddrüsenüberfunktion oder ein hoher Blutdruck. Wenn aber nur die Hände ständig feucht sind, ist das eher unwahrscheinlich. An Händen wie auch an Füßen ist die Zahl der Schweißdrüsen besonders hoch - etwa 400 Drüsen pro Quadratzentimeter!

Der von diesen Drüsen erzeugte Schweiß ist zwar, anders als der unter den Achselhöhlen und im Schambereich, geruchlos, weil er nur aus Wasser und Salz besteht, aber das macht die Sache nur ein wenig besser. Ich würde Dir empfehlen, es erst einmal mit einem leichteren Geschütz zu probieren. Sprüh oder reib Dir die Handflächen mit einem Aluminiumchlorid-haltigen Deodorant ein. Ja, das kann man auch für schwitzende Hände nehmen. Wenn das den Schweißfluss nicht bremst, kann Dir der Arzt eine 20-prozentige Aluminiumchlorid-Lösung verordnen. Diese Lösung musst Du vor dem Schlafengehen auf die Handflächen auftragen, die Hände dann erst mit Plastikfolie wie für Lebensmittel einwickeln und danach Handschuhe drüberziehen.

Morgens wird die Lösung dann jeweils wieder abgespült. Du musst sie solange anwenden, bis Deine Hände trockener werden. Danach brauchst Du die Aluminiumchlorid-Lösung nur noch ein- bis zweimal pro Woche auftragen. Es gibt auch Elektrogeräte, die einen milden elektrischen Strom durch ein Wasserbad schicken, in dem Du Deine Hände zehn bis 20 Minuten lang einweichen musst.

Diese Geräte sind nicht für Schwangere oder Leute mit Schrittmachern oder Metallimplantaten geeignet. Versuch es erstmal mit dem Aluminiumchlorid-haltigen Deodorant. Wenn das nicht hilft, musst Du zum Arzt gehen und ein weiteres Vorgehen mit ihm besprechen.
LG, Dr. Karin Anderson"

[TK]

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