Ich+Ich im Interview

Ohne Altersgrenze

published: 14.04.2005

Ich+Ich (Foto: Public Address) Ich+Ich (Foto: Public Address)


Annette Humpe: „Ja, ich bin melancholischer, das war schon als Kind so. Ich bin Erstgeborene. Die Erstgeborenen müssen sofort Verantwortung übernehmen, sind viel mehr auf Leistung orientiert. Die Eltern kriegen das erste Kind und sind gebannt: Wie entwickelt es sich? Wann geht es aufs Töpfchen? Wann kann es was? Beim zweiten sind sie dann relaxter. Deshalb sind die Zweitgeborenen wesentlich entspannter als die Erstgeborenen.“

Gibt es Überlegungen, mal wieder etwas gemeinsam zu machen?
Annette Humpe: „In zehn Jahren vielleicht.“

Die Texte kommen alle von Annette, nicht wahr? Konntest du, Adel, immer sofort nachfühlen, um was es da ging?
Adel Tawil: „Ich habe meine eigenen Interpretationen. Bei `Du erinnerst mich an Liebe` war es ein bisschen schwierig. Trotzdem hat mich das Lied berührt. Ich finde, dass es keine Altersgrenzen hat.“

Würdet ihr beiden beim Eurovision Song Contest mitmachen?
Annette Humpe: „Nein.“

Ich+Ich (Foto: Public Address)Ich+Ich (Foto: Public Address)

Schon gefragt worden?
Annette Humpe: „Ja, schon vor Jahren. Ich bin zu lange im Geschäft, um da noch mal reinzuschnuppern. Ich müsste auch eine ganz andere Nummer schreiben. Ich würde nicht selber teilnehmen, sondern das für einen jungen Sänger oder Sängerin machen, wenn er oder sie es sich schon immer gewünscht hätte, daran teilzunehmen. Es gibt ja Leute, die Eurovision gucken, seit sie keine Windeln mehr haben. Solche Leute sollen das machen.“

Von Annettes musikalischem Background weiß man viel. Wie sieht denn dein künstlerischer Hintergrund aus, Adel?
Adel Tawil: „Als Kind war ich totaler Michael-Jackson-Fan. Dann kam der HipHop, Arrested Development, Public Enemy und so. Im Moment höre ich Eminem.“

Mit welchen Gefühlen siehst du denn, wie sich Eminem über dein früheres Idol Michael Jackson lustig macht?
Adel Tawil: „Michael Jackson hat sich selber ins Aus geschossen. Was die Vorwürfe gegen ihn betrifft, bin ich extrem unsicher. Das trifft mich auch persönlich. Zu Eminem: Er macht sich ja nicht nur über Michael lustig. Er macht sich über alle lustig. Wer in der Öffentlichkeit steht, muss damit leben können. Das Schlimme ist, dass man die Ahnung hat, dass an den Vorwürfen möglicherweise etwas dran ist. Aber man darf nicht vorverurteilen: Michael ist noch nicht schuldig gesprochen worden. Vielleicht hätte Eminem warten müssen.“

Diskutiert wird zurzeit eine Radioquote für deutschsprachige Musik. Wie ist eure Meinung dazu?
Annette Humpe: „Das finde ich richtig. Ich war früher dagegen, habe aber jetzt meine Meinung geändert. In Europa gefällt mir die französische Popmusik bei Weitem am Besten. Sie ist am Vielfältigsten, am Innovativsten. Man merkt, dass sie durch die dortige Quote einen ganz großen Raum hat, sich zu entwickeln. Im Gegensatz zu Deutschland.“

Adel, wie siehst du das?
Adel Tawil: „Ich würde eine Quote langsam einführen und abwarten. Die Jugendlichen in Frankreich verehren die alten Chanson-Sänger. In Deutschland gibt es diese Tradition überhaupt nicht. Egal wo du bist, in Spanien, in Frankreich, auch in den arabischen Ländern ist es so, dass Kids moderne Musik hören, aber auch die alten Sachen super finden. Und hier ist es so, dass die Kids nur die moderne Musik kennen, die aus Amerika oder aus England kommt. Die deutsche Musik gibt’s nicht - nur Schlager und Volksmusik und damit können sich die Kids überhaupt nicht identifizieren.“

Welche deutschsprachigen Künstler findet ihr gut?
Annette Humpe: „ Ich bin ein großer Wolfsheim-Fan. Peter Heppner ist mit der größte Sänger nach Rio, aber Rio ist ja tot. Rio war für mich unerreichbar, der deutsche John Lennon. Jetzt wäre das für mich Heppner. Er hat etwas in der Stimme, das mich wahnsinnig berührt.“
Adel Tawil: „Ich verstehe nicht, warum auf Wolfsheim-Alben immer nur zwei Songs auf Deutsch sind, wenn überhaupt. Ich finde ihn so big auf deutsch und könnte ihm stundenlang zuhören.“

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Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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