Giovanni im Interview

"Ziemlich dicke Luft"

published: 24.07.2006

Wird er sich solo behaupten können? - Giovanni Zarrella  (Foto: Public Address) Wird er sich solo behaupten können? - Giovanni Zarrella (Foto: Public Address)

"Ich bin nicht behandelt worden, aber ich habe gemerkt, dass es gut gewesen wäre, wenn ich mir hätte helfen lassen. Es war sogar schon so, dass ich nicht alleine sein konnte. Wenn ich alleine war, war es ganz schlimm. Ich habe dann angefangen, die Minibar leer zu machen und war total schlecht drauf. Ich habe mir dann alles schwarz gemalt, was da war. Ich hab plötzlich angefangen, das so zu sehen, wie es die Leute mir sagten. Ich hab dann gedacht, dass es ja sein könnte, dass ich das wirklich nicht verdient habe, was hier gerade passiert. Dass wir den Preis nicht verdient haben und dass es den anderen Bands gegenüber total unfair ist, dass wir ein Casting-Act sind. Aber dann hat sich das zum Glück irgendwann wieder stabilisiert. Als ich gemerkt habe, dass wir genau so hart arbeiten wie die anderen, aber in zehnfacher Geschwindigkeit. Das ist der einzige Grund, warum es für uns so schnell ging. Das war echt eine schwere Zeit. Ich hab es mir mit vielen Freunden damals verscherzt, weil ich keinem mehr getraut habe. Ich bin extrem misstrauisch geworden und habe mich nur auf mich selbst verlassen. Ich habe mich nicht getraut, alleine an eine Tankstelle zu gehen, weil irgendwelche Idioten immer dumme Sprüche bringen mussten. Wir konnten nicht alleine in den Club gehen. Wir waren ein paar Mal im Club, der Sha und ich, da ist der Sha einmal auf das Übelste verprügelt worden. Und am Ende stand dann in der Zeitung, dass er der Übeltäter war, wobei das Ganze ziemlich unfair ausgelegt ist, wenn acht oder neun Leute auf dich losgehen. Ich hatte Angst, mich zu bewegen. Ich hatte Angst, alleine zu sein woanders, ich wollte gerne alleine sein, wenn ich im Hotel war, dann hatte ich aber wieder Depressionen, dann hätte ich gern jemanden zum Reden gehabt. Wenn ich raus ging, wollte ich Leute bei mir haben, weil ich Angst hatte, dass jemand mir etwas Böses will. Du kommst von einer Extremsituation in die andere, das ist wirklich hart gewesen. Es fangen auch Sachen an, dass du sieben oder fünf Mal pro Woche irgendein Mädel bei dir hast, die dir vom Herzen her nicht viel bedeutet, einfach nur, damit du nicht allein bist. Das ist alles. Einfach, damit du jemanden hast, dem du erzählen kannst, wie schlecht es dir geht und der dir für ein paar Stunden ein bisschen Liebe gibt. Ich hatte auch Bindungsängste. Also, es war eine wunderschöne Zeit, was wir alles so erlebt haben im künstlerischen Sinne, also im musikalischen Sinne. Aber was ich damals kopfmäßig und seelisch mitgemacht habe, das war schon eine richtige Gehirnwäsche."

• Wie kam es, dass sich das verändert hat?
"Das hat sich dann stabilisiert, nach zwei, zweieinhalb Jahren, als dann die Aufmerksamkeit ein bisschen runter ging und wir eine normale Band unter vielen waren. Da habe ich ein bisschen Weitblick dafür bekommen und gemerkt, dass ich so nicht weitermachen kann. Ich kann nicht drei Tage die Woche besoffen ins Bett fallen, und am nächsten Morgen um fünf muss ich aufstehen und zur Arbeit gehen. Ich sah scheiße aus, bei manchen Konzerten war ich nicht topfit, weil ich die Nacht vorher voll durchgemacht hatte. Meine Mutter hat geheult, weil sie gemerkt hat, was mit mir los ist. Wenn schon mein kleiner Bruder mit 13 Jahren damals zu mir kommt und sagt: ´Giovanni, was machst du denn? Du siehst scheiße aus.` Oh, das hat mir mein Herz gebrochen. Und dann habe ich gesagt, dass es reicht. Mein kleiner Bruder ist auch so etwas wie mein Heiligtum, an den lasse ich nichts rankommen. Als der damals davon angefangen hat, und ich bin überzeugt von selbst und nicht von meinen Eltern, dass ich komisch bin, dass ich am Telefon anders bin, da habe ich mir dann schon meine Gedanken gemacht. Ich war in Beziehungen und habe die Freundin direkt nach einem Tag mit einer anderen betrogen. Dann fragte ich mich schon, was mit mir los ist. Ich kannte mich nicht mehr. Ich bin normalerweise eine total treue Seele, und auf einmal fing ich an, Dinge zu machen, die ich nicht wollte. Dann habe ich gemerkt, dass es nicht mehr ging und habe die Finger von dem ganzen Scheiß gelassen, und irgendwann hat sich das normalisiert. Dann habe ich mich wieder auf das Wesentliche konzentriert. Und darüber bin ich, weil ich sonst vielleicht in ein extrem großes Loch gefallen wäre, als wir gesagt haben, dass mit Bro´Sis erst mal Sendepause ist. Aber das ist zum Glück nicht passiert. Im August war es vorbei mit der Band, im September habe ich geheiratet. Ich hatte schon ein Highlight in meinem Leben mit dieser Hochzeit, das mir über viele Depressionen, viele Schmerzen und viel Wut hinweg geholfen hat. Das war eine unglaublich schöne Zeit um die Hochzeit herum, und das hat mir geholfen, alles leichter zu verarbeiten."

Giovanni Zarrella (Foto: Public Address)Giovanni Zarrella (Foto: Public Address)

• Was ist denn an der Beziehung zu Deiner Frau so anders, dass Du sagst, sie wird ein Leben lang halten?
"Ich kenne Jana Ina schon seit 2001, sie war damals bei der ´Guinness Show` und assistierte dem Beckmann. Da habe ich sie kennen gelernt und dachte mir gleich: ´Hey, hübsches Mädel`. Dann habe ich sie danach noch ein paar Mal getroffen, aber es ist nie etwas entstanden. 2004 waren wir beim Red Nose Day, da haben wir die ganze Nacht zusammen getanzt, so vier, fünf Stunden. Da habe ich schon gemerkt, dass ich die Frau nicht einfach nur ins Bett kriegen will. Ich habe gespürt, dass da etwas Besonderes ist. Und es hat sich wirklich bestätigt, Tag für Tag. Ich habe mich heute Morgen von ihr getrennt und bin froh, heute Abend wieder zu Hause zu sein, weil ich sie den Tag über schon vermisse. Ich glaube, es gibt diesen einen Menschen, bestimmt auch drei oder vier, auf der Welt, vielleicht auch zehn oder fünfzehn, es gibt ja soundsoviele Bewohner auf der Erde, aber es gibt nur ein paar Menschen, die perfekt zu einem passen. Einen davon habe ich jetzt zum Glück gefunden. Die Jana Ina passt gut zu mir, sehr gut. Wir haben dieselben Wünsche, Träume und Ziele, sind ähnlich gestrickt, was Familie angeht, sie respektiert meine Familie sehr, ich respektiere ihre Familie sehr. In den letzten eineinhalb Jahren habe ich jetzt sehr gutes Portugiesisch gelernt, damit ich mit ihrer Familie reden kann. Und ich habe gemerkt, dass mir das jetzt wichtig ist. Ich habe mit meiner Frau ein Zuhause, der dumme kleine Köter, der rumrennt, der ist mir mittlerweile echt wichtig geworden. Ich will, dass es dem gut geht, dem Kleinen. Der soll seine Löcher machen im Garten, ich mache die dann wieder zu, ist kein Problem. Ich habe jetzt wirklich gemerkt, was das Wesentliche ist. Mein großes Vorbild ist mein Vater. Ich sehe, dass der im Leben einiges richtig gemacht hat und bin verdammt stolz, so einen Dad zu haben wie meinen."

• Wenn ihr für das nächste Jahr eine Familie plant, scheint das ja auch eine ganz feste Sache zu sein.

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