Konflikte konstruktiv meistern

"So hab´ ich das doch nicht gemeint!"

published: 09.09.2009

Richtig zu kritisieren ist ebenso wenig leicht wie angemessen auf Kritik zu reagieren (Foto: shutterstock.com/Bernd Leitner Fotodesign) Richtig zu kritisieren ist ebenso wenig leicht wie angemessen auf Kritik zu reagieren (Foto: shutterstock.com/Bernd Leitner Fotodesign)

Der Appell meint das, was der Sender mit seiner Bemerkung erreichen will, nämlich dass Frau Hinze zukünftig stärkeren Kaffee kochen soll. Ob Nadja und Frau Hinze sich richtig verstehen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. So spielen zum einen nebensprachliche Signale wie Tonfall und Lautstärke eine große Rolle, aber auch Mimik und Gestik des Sprechenden sind wichtig. Gerade wenn diese Signale und der Sachinhalt auseinandergehen, kann es zu Missverständnissen kommen.page]Weiterhin nehmen die Kommunikationsparteien eine Unterhaltung durch einen psychologischen und gesellschaftlichen Filter wahr. Das bedeutet, dass Frau Hinze Nadjas Äußerung abhängig von ihrer persönlichen Erfahrungen mit Nadja und der Rolle, die sie ihr zuschreibt, interpretiert.

Geht auch sie von einem mütterlich-töchterlichen Verhältnis aus, wird sie Nadjas Kommentar vielleicht als verletzende Reduktion ihrer Person auf die Funktion einer Sekretärin verstehen. Begreift sie sich eher als qualifizierte Arbeitskraft, könnte sie die Rückmeldung als indirekte Maßregel empfinden.

Wie kritisiert man sein Gegenüber?

Oft entzünden sich also Auseinandersetzungen an der Art, wie man miteinander kommuniziert und nicht an den harten Fakten. Um solche unnötigen Konflikte zu verhindern und konstruktiv mit einem Problem umzugehen, hier einige Vorschläge, wie man sinnvoll kritisieren kann.

Janina und Kerstin sind gute Freundinnen. Einmal pro Woche verabreden sie sich, um miteinander essen zu gehen. Normalerweise wechseln sich die beiden mit dem Bezahlen ab, sodass das Verhältnis auf Dauer ausgewogen bleibt. In den letzten Wochen hat Janina nun einige Male hintereinander die Rechnung beglichen, da Kerstin immer im richtigen Moment auf die Toilette verschwand oder telefonieren ging. Janina ist etwas verwirrt und ziemlich wütend auf die Freundin, weil sie sie mit den Kosten einfach im Regen stehen lässt. Für das nächste Treffen hat sie sich vorgenommen, das Thema anzusprechen.

Am betreffenden Abend findet Janina nicht sofort den Mut und schiebt das Gespräch bis zum letzten Moment vor sich her. Erst als der Kellner die Rechnung bringt und Kerstin wieder Anstalten macht, einfach zu verschwinden, platzt sie heraus: "Nie bezahlst Du. Ständig haust Du ab und lässt mich auf den Kosten sitzen. Du kamst mir ja schon immer etwas geizig vor, aber jetzt habe ich überhaupt keine Lust mehr, Dich hier durchzufüttern. Das ist ganz schön egoistisch, einfach davon auszugehen, dass ich alles bezahle. Du hast Dich eben noch nie für deine Umwelt interessiert!"

Janina ist verständlicherweise sauer, aber vielleicht will sie die Freundin doch nicht auf Dauer verlieren. Mit ihrer so geäußerten Kritik lässt sie Kerstin wenig Gelegenheit, das Gesicht zu wahren, und gefährdet die Freundschaft.

Es ist wichtig, dem Gegenüber trotz des Ärgers Akzeptanz zu vermitteln, ihm also zu signalisieren, dass man - abgesehen vom aktuellen Problem - mit seiner Person im Großen und Ganzen einverstanden ist. Janina hätte zum Beispiel erwähnen können, wie wichtig ihr die gemeinsamen Abende sind und dass sie die Gespräche mit der Freundin genießt. Um der Unterhaltung die Chance auf einen positiven Verlauf zu geben, hätte Janina das leidige Thema ruhig früher ansprechen sollen.

Da Janina sich schon seit geraumer Zeit über Kerstins Verhalten ärgert, hat sich bei ihr viel Wut angestaut. Ihre Bemerkungen richten sich jetzt vor allem gegen Kerstins Person und nicht mehr gegen ihr Verhalten. Die Vorwürfe, sie sei geizig und egoistisch, entspringen ihrem Ärger und sind nicht konstruktiv. Gleichzeitig verallgemeinert Janina ihre Aussagen durch Ausdrücke wie "ständig" und "immer", was jeder Grundlage entbehrt.

Um Kerstin zu ermöglichen, auf die Kritik einzugehen und tatsächlich etwas zu ändern, sollte Janina sich lieber auf realistische, zeitnahe Beispiele beschränken und Gebiete ansprechen, die Kerstin auch wirklich ändern kann.

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