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Buchprojekt

"Tausend Tode schreiben"

published: 07.11.2015

Das Buchprojekt "Tausend Tode schreiben" von Christiane Frohmann bringt Menschen nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Schreiben (Foto: LoloStock/Shutterstock.com) Das Buchprojekt "Tausend Tode schreiben" von Christiane Frohmann bringt Menschen nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Schreiben (Foto: LoloStock/Shutterstock.com)

Es gibt Themen, über die spricht man gerne. Und es gibt den Tod. Ein Thema, das man lieber irgendwie ganz galant umgeht. Wer will sich schon damit auseinandersetzen, was passiert, wenn unser Herz irgendwann nicht mehr schlägt? Und trotzdem gibt es immer wieder Menschen, die diese Komfortzone verlassen. Gut so. Eine von ihnen ist Powerfrau Christiane Frohmann. Mit ihrem eigenen Verlag hat sie das großartige E-Book-Projekt "Tausend Tode schreiben" gestartet. Inhalt: 1000 subjektive Geschichten von 1000 verschiedenen Autoren zum Thema Tod. Das Besondere: Jeder kann mitmachen.

Diese Möglichkeit hat auch Carolina, 24 und Soziologie-Studentin aus Hamburg, genutzt. Ihre Geschichte erscheint in der aktuellen Ausgabe des E-Books. Wir haben sie getroffen um über Gefühle, Spaß am Schreiben, aber auch den Tod zu sprechen. Wie ihr das Projekt gefallen hat und was sie allen zukünftigen Geschichtenschreibern rät, liest du hier.


Wie hast du von "1000 Tode schreiben" erfahren?
Carolina: "Tatsächlich über die Uni. Im letzten Semester hab ich an einem Literaturseminar über Kurzgeschichten teilgenommen. Die Dozentin hat uns dann im August, obwohl das Seminar schon längst vorbei war, den Aufruf von Christiane Frohmann zur Einsendung von Geschichten per Mail weitergeleitet."

Wie ging es dann weiter?
"Laptop an und recherchieren. Ich hab erstmal alle möglichen Infos über das Projekt gesammelt, da ich vorher noch nichts davon gehört hatte. Über die offizielle Website konnte ich schon einiges erfahren. Wirklich interessant waren dann aber die Infos auf den Social-Media-Plattformen – vor allem Twitter hat mir einen echt guten Einblick in das Projekt gegeben, da es dort sogar den eigenen Hashtag #1000Tode gibt. Insgesamt musste alles super schnell gehen, denn nachdem ich die Mail der Dozentin gelesen hatte, waren es nur noch zehn Tage bis zum Einsendeschluss."

Warum hast du mitgemacht? Was hat dich überzeugt?
"Ich hatte gar nicht viel Zeit zum Überlegen und hab einfach gemacht. Ich hatte sofort eine Idee, über was ich schreiben will. Außerdem fand ich das Projekt super interessant und wollte ein Teil davon werden. Ich bewundere es, dass Frau Frohmann das alles alleine stemmt, wow! Hinzu kommt, dass ich bereits Journalismus studiert habe und nebenbei in einer Redaktion arbeite. Ich interessiere mich also für alles, was mit dem gedrucktem Wort zu tun hat. Das Buchprojekt war für mich eine Möglichkeit, das erste Mal nicht journalistisch zu schreiben, sondern literarisch. Etwas freier und künstlerischer zu sein. Außerdem fand ich es spannend, nur begrenzten Platz zu haben - 'höchstens zwei Seiten' lautete die Vorgabe. Es ging mir um das 'Auf-den-Punkt-Bringen', das mich gereizt und herausgefordert hat."


Worum geht es in deiner Geschichte?
"Es geht darum, wie es sich anfühlt, wenn etwas ganz Schlimmes passiert - dieses an sich unbeschreibliche Gefühl von Leere und Ratlosigkeit. Ich habe versucht, in Worte zu fassen, wie es mir ging, als meine Oma vor ein paar Jahren starb. Denn es war irgendwie verrückt - als ich von ihrem Tod erfuhr, habe ich einfach nichts empfunden. Nur Leere. Zu der Zeit studierte ich in Tübingen. Es war ein Samstag, als die Nachricht kam, am Montag sollte ich einen Vortrag halten. Mein Kopf war komplett leer. Ich habe mich gefragt: 'Kann ich jetzt überhaupt ein Referat halten? Ist das okay?'. Ja, wie geht das Leben jetzt weiter – erstmal frühstücken? Es war das erste Mal in einem Leben, dass ein naher Verwandter von mir gestorben ist und ich wusste einfach nicht, wie man sich verhält. Vor allem war da dieses unbestimmte Gefühl von Nichts. Ich musste nicht weinen. All das habe ich versucht, in meiner Kurzgeschichte auszudrücken."

Rückblickend: Wie war es, über den Tod zu schreiben?
"Es klingt komisch, aber: Es war nicht schwer. Für mich jedenfalls. Ich hatte keine Gefühls- oder Schreibblockade. Dazu hat sicherlich beigetragen, dass ich zu meiner Oma kein enges Verhältnis hatte. Wir standen uns nicht nahe. Aber klar, trotzdem ist es ein spezielles Thema. Ein sehr persönliches vor allem – vielleicht hab ich deswegen auch meiner Familie nicht erzählt, dass ich an diesem Projekt teilnehme. Meiner älteren Schwester hab ich es vor zwei Wochen erzählt – meiner Mama sogar erst vorgestern. Sie finden es gut, dass ich das gemacht habe. Sie wollen den Text jetzt natürlich lesen. Doch irgendwie hab ich mich bisher noch nicht überwunden, ihnen meine Geschichte zu mailen. Ich hab etwas Angst, wie sie reagieren. Sonst rede ich echt über alles meiner Familie, aber das ist irgendwie merkwürdig."


Denkst du heute anders über den Tod als vor dem Projekt?
"Nicht anders, nein. Im Gegenteil: Ich habe jetzt zum ersten Mal so richtig über den Tod nachgedacht. Das passiert, glaube ich, erst dann, wenn man persönlich mit einem Verlust konfrontiert wird. Ich dachte mir: 'Man kann doch nicht auf einmal einfach weg sein. Für immer.' Das sind Gedanken, die man schon mal hatte, die aber auf einmal realer werden. Und ich begann, mich zu fragen, was passiert, wenn jemand stirbt, der mir wirklich sehr nahe steht. Meine Mama. Oder mein Papa. Ja, man fängt an, sich ernsthaft mit dem Sterben auseinanderzusetzen."

Welche Tipps oder Ratschläge hast du für alle, die jetzt überlegen, selbst eine Geschichte zu schreiben?
"Einfach machen! Hauptsache ist, dass man authentisch ist. Man muss sich mit dem Thema 'Tod' auseinandersetzen – auf welche Weise, ist jedem selbst überlassen. Nur Halbherzigkeit ist fehl am Platz. Man muss nicht unbedingt einen schweren Schicksalsschlag verarbeiten wollen. Dieses Buchprojekt ist eine einzigartige Möglichkeit, etwas auszuprobieren. Und ganz ehrlich: Was ist das Schlimmste, was passieren kann? Klar, die Geschichte wird eventuell nicht veröffentlicht – aber das ist auch gar nicht das, worauf es ankommt.

Zum Schluss noch ein kleiner Rat: Wer eine Geschichte einreicht und länger kein Feedback von Frau Frohmann bekommt, keine Sorge. Bei mir hat das über einen Monat gedauert. Es gibt einfach so viele aufgeschlossene Leute, die mitmachen wollen – das ist viel Arbeit. Aber auch ein tolles Zeichen."


Du möchtest Carolinas und viele weitere, lustige aber auch bewegende Geschichten über den Tod lesen? Das E-Book gibt's z.B. hier zum Download.

Die Autorin: Jana Schütt

Die Autorin: Jana Schütt

1993 geboren. Aufgewachsen in einem Dorf in Niedersachen zwischen Kühen und katastrophalen Busverbindungen – gelandet in der zweitgrößten Stadt Deutschlands. Dann ging es für Jana erstmal ab in die Werbung, als Texterin arbeiten. Inzwischen ist sie an der Uni Hamburg, um etwas über Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften zu lernen. Die Pointer-Autorin mag kein Gemüse, Kartoffelchips findet sie aber voll okay. Größter Traum: Niklas Luhmann auf einen Pfefferminztee treffen.

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