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Buch-Tipp

„Der Marlowe-Code“ von Leslie Silbert

published: 25.01.2005

Leslie Silbert (Foto: Public Address) Leslie Silbert (Foto: Public Address)

Er ist eine der schillernsten Figuren der britischen Literaturgeschichte – Christopher Marlowe. Der elisabethanische Dramatiker schuf Werke wie "Dr. Faustus" und "Blutbad von Paris", die zur Pflichtlektüre jedes Anglistik-Studenten gehören. Marlowe führte das Theater aus dem Mittelalter heraus und es war sein machtvoller Blankvers, der dem Zeitgenossen Shakespeare erst den Weg ebnete. Marlowe steht auch in dem Ruf, als Spion für den Hof tätig gewesen zu sein. Sein Leben endete im Alter von 29 Jahren am 20. Mai 1593 bei einer Wirtshausschlägerei durch einen Dolchstoß über dem rechten Auge.

Die amerikanische Autorin Leslie Silbert hat Christopher Marlowe als Protagonist für den historisch verorteten Teil ihres Thrillers "Der Marlowe-Code" erkoren. Silberts Marlowe spioniert unerschrocken und heroisch für Königin und Vaterland, ist gar nicht wirklich homosexuell und beschäftigt sich wenig mit dem Schreiben – dem literarischen zumindest. Dem Verfassen verschlüsselter Geheimdienst-Nachrichten darf sich der Spion ausführlich hingeben. Detektivin Kate Morgan braucht schließlich etwas zum Dechiffrieren.

Kate Morgan ist die andere Hauptperson des Buches. Sie lebt in der Jetztzeit, ist weiblich, jung, clever und sexy. Die Renaissance-Spezialistin und verdeckte Ermittlerin für den Geheimdienst fühlt sich in Bibliotheken ebenso zu Hause wie in der Kampfkunst. Als der attraktive Geschäftsmann Cidro Medina sie engagiert, ist das der Anfang eines Flirts, aber auch der Startschuss für Überfälle und Anschläge. Ein von Medina zu Rate gezogener Oxford-Historiker wird tot aufgefunden. Noch ahnt Kate nicht, dass auch ihr Vater, ein US-Senator, etwas vor ihr zu verbergen hat...

Wetten, dass dieser Roman in Nullkommanichts verfilmt wird? Er hat alles, was sich ein Hollywood-Produzent wünscht: rasante Handlung, Spione und Terroristen, Detektive und Agenten, fotogene Locations in den Metropolen der Welt sowie eine Menge schöner und kluger Menschen. An manchen Stellen macht es Leslie Silbert den Drehbuchschreibern allzu leicht und verfasst eher Filmszenen als Literaturpassagen. Will man das geschriebene Wort genießen, stört das. Und auch die unreflektierte Sicht auf die US-amerikanische Regierung und den CIA befremdet etwas.

Die Handlungsstränge und Wendungen in Silberts Roman sind entgegen den Aussagen der Autorin weniger von Marlowes Werken als von den Gepflogenheiten des Genres beeinflusst. Bestes Beispiel: Der spionierende Literat Marlowe überlebt die Wirtshausschlägerei und den Dolchstoß ins Auge. Das Happy End geht eben über alles. Schade: Silberts Geschichten sind spannend genug konstruiert und geschrieben, dass sie solche Strohfeuer und Ablenkungsmanöver nicht nötig haben.

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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