Buch-Tipp

"1000 Tage die die Welt bewegten"

published: 29.07.2008

"1000 Tage die die Welt bewegten. Legendäre Taten, spannende Geschichten undverschollene Momente" von Lothar Berndorff und Tobias Friedrich (Moewig)"1000 Tage die die Welt bewegten. Legendäre Taten, spannende Geschichten undverschollene Momente" von Lothar Berndorff und Tobias Friedrich (Moewig)

Es müsste genau genommen nicht "1000", sondern "998 Tage die die Welt bewegten" heißen, das neue Buch von Lothar Berndorff und Tobias Friedrich. Denn mit der Öffnung der "Siegmund (sic!) Freud Collection" im Januar 2060 und dem Ableben einer Schildkröte Ende Dezember 2028 liegen zwei Termine in der Zukunft und wollen so gar nicht zum eigentlichen Titel des Werkes passen.

Die übrigen 998 Termine stimmen dagegen sehr wohl mit dem Konzept von "1000 Tage die die Welt bewegten. Legendäre Taten, spannende Geschichten undverschollene Momente" überein. Die Autoren haben sie in insgesamt 25 Kapitel geordnet, die mal mit "Tage der" oder "Tage des" beginnen. Und so geht es angefangen mit den "Tagen des Planeten" auf einen über 800-seitigen Parforceritt durch die Geschichte, der erst mit den "Tagen der Empörung" und den "Tagen des Scheiterns" sein Ende findet.

Ob all diese Geschichten die Welt tatsächlich "in Atem hielten", wie Karsten Zang großspurig im Vorwort behauptet, mag durchaus bezweifelt werden. Es ist schließlich eine äußerst seltsame Auswahl an Ereignissen, die die Autoren getroffen haben. So könnte man durchaus dagegen argumentieren, dass das zur Schau gestellte Nichtwissen von "Big Brother"-Teilnehmer Zlatko Trpkovski im Jahr 2000 einen Eintrag in die "1000 Tage die die Welt bewegten" verdient hätte.

Berndorff und Friedrich sind offenbar anderer Meinung, haben sie doch mit Kapitel 25 extra einen Platz reserviert für "Menschen, die die Welt nicht bewegten". Zlatko Trpkovski ist nicht dabei, auch nicht O.J. Simpson. Dafür aber Cäsarmörder Brutus, der bedeutendste kaiserliche Feldherr des 30-jährigen Krieges Albrecht von Wallenstein und der südamerikanische Freiheitskämpfer Simón Bolívar, nach dessen Name mit Bolivien sogar ein ganzer Staat benannt ist.

An Berndorffs und Friedrichs Buch fällt auf, dass die Anzahl der "Tage, die die Welt bewegten" mit Annäherung an heute immer größer wird. So könnte man schnell den Eindruck gewinnen, die für die Welt wichtigsten Geschehnisse hätten sich fast ausnahmslos in den vergangenen 350 Jahren ereignet - ein Großteil derer sogar erst im 20. Jahrhundert.

Kann man den Autoren zugute halten, sie hätten ausschließlich gesicherte Quellen zu Rate gezogen und aus diesem Grunde auf das ein oder andere Ereignis verzichtet? Eher nicht, wie Berndorff und Friedrich gleich zu Beginn des Buches selbst zeigen. Dass sie nämlich den Beginn der Menschheit mit Berufung auf spätmittelalterliche Quellen auf den 20. März 3961 v. Chr. datieren, erscheint doch sehr skurril. "1000 Tage die die Welt bewegten" ist eben kein Buch für humorfreie Historiker.

Unschön ist aber doch der ein oder andere Fehler im Buch. Dass sich z.B. Si(e)gmund Freund ohne "e" schreibt, hätte sogar im Eldorado allen Halbwissens, Wikipedia.de, in Erfahrung gebracht werden können. Die Unterstellung aber, die einige Seiten später dem Philosophen Herbert Marcuse gemacht wird, dieser habe "demagogisch zur Weltrevolution" aufgerufen, ist nicht nur irreführend, sondern kaum tragbar.

Es ist, insgesamt betrachtet, kein schlechtes Buch. Interessant ist es allemal, in all diesen kleinen Geschichten zu stöbern. Wobei Berndorff und Friedrich aber wohl besser beraten gewesen wären, ein Buch nicht mit 1000 zum Teil fehlerhaften, sondern eines mit 100 gut recherchierten Ereignissen, die Welt bewegten, zu verfassen.

[Jan Häder]

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