Comics wurden lange Zeit als stumpfes, kindisches Medium betrachtet. Es gibt jedoch faszinierende Werke mit Tiefgang. Pointer stellt dir sechs vor (Foto: Lena Rose auf Unsplash) Comics wurden lange Zeit als stumpfes, kindisches Medium betrachtet. Es gibt jedoch faszinierende Werke mit Tiefgang. Pointer stellt dir sechs vor (Foto: Lena Rose auf Unsplash)
Buch-Tipps

6 richtig gute Comics und Graphic Novels

Graphic Novels oder Comics können weitaus mehr sein als lustige Taschenbücher. Viele haben mehr Tiefgang, als die klischeebehaftete Vorstellung lautmalerischer Wörter wie "Kabumm" und "Pow" vermuten lassen. Pointer stellt dir sechs solcher Bücher vor. In unserer Auswahl findest du nicht ganz leichte Kost über die Shoah, Fantastisches über die Entführung eines kosmischen Wesens und Spannendes über den Serienmörder Jack the Ripper.

Art Spiegelman - "Maus"

Mit "Maus" hat Art Spiegelman dem Medium Comic zu gänzlich neuem Ansehen verholfen. Er verarbeitet in zwei Bänden die Geschichte seines Vaters Wladek, einem Überlebenden des Holocaust. Spiegelman schafft es, das Grauen des Nationalsozialismus auf Papier zu bringen. Er bedient sich dabei der Methodik von Fabeln und stellt die verschiedenen Gruppen als Tiere dar. Juden sind Mäuse, die Deutschen sind Katzen, Polen sind Schweine und Amerikaner Hunde. Mit diesem Mittel reagiert der Autor auch auf die in der NS-Propaganda verwendeten Tiermetaphern von "jüdischem Ungeziefer". Für seinen Comic erhielt Spiegelman im Jahr 1992 den Pulitzer-Preis - ein Novum für einen Comic. "Maus. Die Geschichte eines Überlebenden" gilt bis heute als einer der besten Comics oder Graphic Novels aller Zeiten.
 


Alan Moore und Eddie Campbell - "From Hell"

"From Hell" erzählt die Geschichte der Jagd auf den Serienmörder Jack the Ripper, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts in London mindestens fünf Frauen das Leben nahm und nie gefasst wurde. Über seine Identität werden noch heute Spekulationen angestellt. Autor Moore und Zeichner Campbell haben ihren Comic auf der umstrittenen Theorie von Stephen Knight aufgebaut, nach der Jack the Ripper die Morde im Auftrag der Krone durchführte. Die Zeichnungen sind in Schwarz-Weiß gehalten und verzichten auf Lautmalereien und Erklärungskästchen. Moore selbst sagte über das Werk, er habe keine Geschichte über Jack the Ripper, sondern vielmehr über unsere Besessenheit mit Jack the Ripper geschrieben. Das Buch wurde mit Johnny Depp verfilmt. Wem das Werk gefällt, der könnte auch Freude an den anderen, ebenfalls verfilmten Top-Comics von Moore haben: "Watchmen" und "V wie Vendetta" stammen ebenfalls aus der Feder des talentierten Comic-Autors.
 



Garth Ennis - "Preacher"

Jesse Custer ist Prediger in einem texanischen Kaff namens Anville. Dort übernahm er die kleine Kirche seines Vaters. Gemeinsam mit seiner Freundin Tulip und dem irischen Vampir Cassidy macht sich Custer auf die Suche nach Gott, denn dieser hat den Himmel verlassen und ist nun irgendwo auf der Erde. Die Comic-Reihe geht definitiv nicht sonderlich respektvoll mit den Ansichten der christlichen Kirchen um. Manch einer würde sie gar als blasphemisch bezeichnen. Wer damit kein Problem hat, bekommt eine bitterböse Satire mit rabenschwarzem Humor. Von 2016 bis 2019 wurde die Geschichte auch in einer unter anderem von Seth Rogen produzierten TV-Serie erzählt.
 



Neil Gaiman - "Sandman"

Dream ist neben Destiny, Death, Destruction, Desire, Despair und Delirium einer der sieben Ewigen, die mit dem Universum entstanden sind. Im Gegensatz zu Göttern brauchen die Ewigen keine Menschen, die an sie glauben, um zu existieren. Anfang des 20. Jahrhunderts wird Dream durch einen englischen Okkultisten gefangen. Die Fantasy Story wird dabei bisweilen verworren und arbeitet mit zahlreichen Rückblenden und Nebenschauplätzen. Der Autor verliert dabei aber zu keiner Zeit den Überblick und erzählt eine packende Geschichte über die Notwendigkeit von Veränderung. Die Geschichte ist auf zehn Sammelbände und fünf Begleitbände aufgeteilt und wird auf über 2000 wunderschön gestalteten Seiten erzählt. Eine gewisse Lese-Ausdauer ist also nötig. Die lohnt sich jedoch.
 


Gabriel Bá und Fábio Moon - "Daytripper"

Die brasilianischen Brüder Gabriel Bá und Fábio Moon haben mit "Daytripper" in echtes Meisterwerk geschaffen. Die einzelnen Geschichten folgen jeweils Bras de Olivias Dominguez. Jedes Kapitel setzt an einem anderen Punkt seines Lebens an und jedes endet mit seinem Tod. Dessen ungeachtet, wird im nächsten Kapitel wieder das Leben dieses Mannes erzählt. So entsteht eine wunderschön gezeichnete und erzählte Geschichte über Glück, Liebe, Kummer und Einsamkeit - kurzum: über das Leben.
 


Marjane Satrapi - "Persepolis"

Marjane Satrapi wurde 1969 im Iran geboren. Sie nutzt wie Art Spiegelman den Comic als Medium für eine biographische Erzählung. Sie hat sich auch stilistisch am Pulitzer-Preis-Träger orientiert. Sie hält ihr Werk über eine Kindheit im Iran der islamischen Revolution und im Exil in einfachen, aber dadurch nicht minder eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Zeichnungen. Die Autorin spricht selbst von einer Autofiktion, denn nicht alles habe sich genau so zugetragen. Das tut dem Wert ihres Werkes keinen Abbruch. In zwei Bänden - "Eine Kindheit im Iran" und "Jugendjahre" - erzählt Satrapi ihre Geschichte als Tochter in einer linksliberalen Intellektuellenfamilie während der islamischen Revolution. Zunehmend werden ihr die Unterschiede zwischen privatem und öffentlichem Leben und damit einhergehend Themen um Religion, Gender und Klasse bewusst.
 

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Der Autor: Hauke Koop
Der Autor: Hauke Koop

Der Autor: Hauke Koop

In Lüneburg geboren und aufgewachsen, zog es Hauke für die Ausbildung nach Hamburg. Im Anschluss begann er in der Hansestadt ein Studium der Politikwissenschaft. Der Cineast und Serienjunkie fährt gerne lange Strecken mit dem Fahrrad und findet Radrennen auch im Fernsehen spannend. Für Pointer schreibt er unter anderem über Filme, Musik und aktuelle (Uni-) Themen.