Die Comic-Welt trauert

Donald-Duck-Übersetzerin gestorben

published: 26.04.2005

Carl Barks zusammen mit Dr. Erika Fuchs ( Foto: Ehapa Verlag) Carl Barks zusammen mit Dr. Erika Fuchs ( Foto: Ehapa Verlag)

Dr. Erika Fuchs starb am 22. April 2005 im hohen Alter von 98 Jahren in München. Die erste Chefredakteurin des "Micky Maus"-Magazins und langjährige Barks-Übersetzerin stammt aus Mecklenburg, wo sie am 7. Dezember 1906 als Erika Petri zur Welt kam.

Schon als junges Mädchen zeichnete sie sich durch Beharrlichkeit und Durchsetzungsvermögen aus. So schaffte sie es, als einziges Mädchen ins städtische Knabengymnasium von Belgard an der Passante (Hinterpommern) aufgenommen zu werden. Das Privileg hatte die rebellische junge Dame der Schulbehörde mit Hilfe der Sozialdemokraten abgerungen, die in einer stürmisch verlaufenden Stadtratssitzung für ihre Aufnahme stimmten.

Nach ihrem Abitur studierte sie von 1926 bis 1931 Kunstgeschichte, Archäologie und Geschichte an den Universitäten von Lausanne, London und München. Ihren Abschluss machte sie magna cum laude mit ihrer Dissertation "Johann Michael Feichtmeyr - Ein Beitrag zur Geschichte des Rokoko". 1932 heiratete sie Günter Fuchs, einen Diplomingenieur und Erfinder. Ihn neckte sie gerne mit dem Satz "Dem Ingeniör ist nichts zu schwör", den sie, als Übersetzerin Dr. Erika Fuchs, später berühmt machen sollte.

Sie zog mit Ihrem Mann in dessen Heimatort Schwarzenbach an der Saale (Oberfranken), von wo aus sie nach dem Zweiten Weltkrieg begann, als freie Mitarbeiterin für die deutsche Ausgabe von "Reader's Digest" zu arbeiten. Eine dreiköpfige Abteilung beschäftigte sich dort gerade mit den Vorbereitungen zur ersten deutschen Ausgabe der "Micky Maus". Diese Abteilung sollte später das Gründungsteam des Ehapa-Verlags werden.

Man bot Dr. Erika Fuchs die Übersetzung an. "Ich hatte noch nie zuvor ein Comic-Heft in der Hand gehabt", erzählt Dr. Erika Fuchs, "und bot mir Bedenkzeit aus. Es war mein Mann, der mich letztendlich ermutigte, das Projekt zu übernehmen. Er war der Meinung, dass in kürzester Zeit sehr viele Kinder diese Comics lesen würden und dass daher eine sorgfältige Übersetzung und eine gute Sprache besonders wichtig seien." So wurde Dr. Erika Fuchs die erste Chefredakteurin der "Micky Maus".

Es ist nicht zuletzt der gelungenen Sprachartistik von Frau Dr. Fuchs zu verdanken, dass die "Micky Maus" so rasch in Deutschland heimisch wurde. Mit witzigen, geistreichen Dialogen deutschte sie die Geschichten nicht nur ein, sondern gab Ihnen eine zugleich intelligente und gehobene Sprachebene mit auf den Weg.

[PA]

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