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Dominique Horwitz im Interview

„Kleine Theaterstücke“

published: 29.12.2000

Dominique Horwitz im Interview  (Foto: Public Address) Dominique Horwitz im Interview (Foto: Public Address)

Dominique Horwitz singt wieder Jacques Brel. Diesmal sogar auf CD. Spätestens seit sein “Jacques-Brel-Abend” 1997 in den Hamburger Kammerspielen auf große Resonanz stieß, kennt man den zunächst als Schauspieler bekannt gewordenen Deutschfranzosen auch als glanzvollen Chansoninterpreten. “Ne Me Quitte Pas” oder “Mathilde” - von Horwitz vorgetragen, lassen diese Lieder den unvergessenen belgischen Altmeister für die Dauer der Darbietung wieder auferstehen. Mit einem überarbeiteten Brel-Programm und “The Best of Dreigroschenoper” im Repertoire tritt Horwitz ab Anfang des Jahres wieder auf deutschen Bühnen auf. Und wer zwar für Frankreich-Flair, nicht aber Theater-Ambiente schwärmt, kann “Dominique Horwitz singt Jacques Brel” jetzt auch zu Croissants und Milchkaffee auf der Heimanlage spielen.

Was ist eigentlich ein Chanson?
Dominique Horwitz. "'Chanson' ist einfach die französische Übersetzung von ´Lied´. Ein Chanson kann viele Gesichter haben: Es kann vollkommen poetisch sein, ebenso gut aber theatralisch oder volkstümlich."

Dominique Horwitz (Foto: Public Address)Dominique Horwitz (Foto: Public Address)


Im deutschen Sprachgebrauch würde man ein Chanson zwischen Kunstlied und Schlager, Kunstlied und Gassenhauer ansiedeln…
"Einige der berühmtesten Chansons sind in der Tat richtige Gassenhauer. Und das ist Kunst - wie Opermelodien, die in Italien auf der Straße gesungen werden."

Was ist das Besondere an den Chansons von Jacques Brel?
"Seine Chansons sind kleine Theaterstücke. Wenn man sie singt, dreht sich alles um die Situation der Figur. Die Darstellung auf der Bühne muss deshalb Gesang und Schauspiel miteinander verbinden."

Fühlen sie sich mehr als Schauspieler oder als Sänger?
"Ich würde sagen, ich bin ein Schauspieler, der singt. Ich bin nun einmal seit 24 Jahren Schauspieler. Mein selbstverständnis ist da ganz eindeutig."

"Dominique Horwitz singt Jacques Brel" gibt es jetzt auch als CD: Lässt sich die Live-Atmosphäre eines Abends im Theater auf einen Tonträger pressen?
"Natürlich lässt sich der Theaterbesuch nicht durch eine
CD ersetzen. Trotzdem vermittelt sich etwas von diesem Live-Erlebnis. Denn auch da gilt: Das eigentliche Theaterereignis findet im Kopf des Zuhörers statt. Egal was auf der Bühne passiert, der Hauptakteur ist immer der Zuschauer oder Zuhörer."

Welchen Einfluss hat ihre Sprechausbildung als Schauspieler auf ihre Artikulation, wenn sie Brel singen?
"So etwas gehört schlicht und einfach zum Handwerk. Es
ist immer förderlich, wenn die Zuschauer den Text verstehen."

Schwierigkeiten beim Textverständnis könnten sich auch aus der Sprache ergeben. Sie singen Brel im Original: auf Französisch...
"Das tut dem allgemeinen Verständnis aber keinen Abbruch. Ich gebe bei den Konzerten immer so etwas wie eine Einführung. Zu jedem Lied gibt es eine kleine Conférence. Meine Erfahrung ist die, dass 95 Prozent der Zuschauer kein Französisch sprechen. Trotzdem verstehen alle den Abend."

Gab es nie die Überlegung, auf eine deutsche Übersetzung zurückzugreifen?
"Niemals. Französisch ist meine Muttersprache. Außerdem
ist unser Angang ein konventioneller: Ich will so nah am Original sein wie nur möglich. Und zwar nicht, weil mir nichts anderes einfällt, sondern weil ich finde, wenn man halbwegs in Brels Nähe kommt, dann ist das schon sehr gut. Mehr geht sowieso nicht."

Stellen sie sich auf der Bühne vor, sie seien Brel?

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