Elisabeth Wiedemann im Interview

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published: 17.08.2004

Elisabeth Wiedemann im Interview (Foto: Public Address) Elisabeth Wiedemann im Interview (Foto: Public Address)

Die 78-jährige Tänzerin und Schauspielerin Elisabeth Wiedemann war Else Tetzlaff in der Kult-Serie „Ein Herz und eine Seele" mit „Ekel Alfred". Im Interview spricht sie über ihr Berufsethos und die aktuelle Zusammenarbeit mit Michael Schanze für das Theaterstück „Miss Berlin", das noch bis zum 12. September im Winterhuder Fährhaus in Hamburg zu sehen ist.
Außerdem gibt sie Auskunft über den Alltag mit ihrem Mann, dem Buchhändler Werner Mengedoth, ihrem früheren Ehemann Richard Lauffen und ihre Einstellung zum Tod.

Warum haben Sie die Rolle als Marys Tante in dem Stück „Miss Berlin“ angenommen?
Elisabeth Wiedemann: „Ich habe eine ähnliche Vergangenheit, weil ich ja ursprünglich Tänzerin war und schon mit 14 Jahren in so einem Varieteetheater aufgetreten bin, zum Beispiel mit der Evelyn Künnecke, die damals ein Gesangsstar war und wunderbar steppen konnte. Das war im Krieg, in Berlin, da war ich ungefähr 13 Jahre alt. Wir waren eine Tanzgruppe und wenn die Künnecke sang (singt): ‚Blutrote Rosen...’ und wir hörten das in der Garderobe, hieß es für uns ‚runter auf die Bühne’, weil wir die nächste Nummer waren. Und die Rolle erinnert natürlich an das Leben, das wir damals hatten. Die Rolle hat ja die gleiche Vergangenheit – Mary sagt, sie war früher am Revuetheater tätig, und nun ist sie natürlich alt und eine Tante.“(lacht)

Max wird von Michael Schanze gespielt – wie war die Zusammenarbeit?
„Sehr gut. Ich habe große Hochachtung vor Michael Schanze. Er ist ja Entertainer und Musiker, und es war für ihn gar nicht so leicht, in den Schauspielberuf einzusteigen. Aber er hat das mit einer tollen Gabe getan. Wir haben das Stück ja zunächst in Berlin gespielt, und ich sehe jetzt einen großen Fortschritt. Vor eineinhalb Jahren in Berlin war er noch sehr viel unsicherer, und jetzt hat er die Sache im Griff und macht das sehr gut. Außerdem ist er außerordentlich kollegial und freundschaftlich. Bei uns ist immer sehr gute Stimmung.“

Michael Schanze musste ja ein wenig Kritik einstecken. Was ist Ihr Rat an ihn?
„Er kann insofern wenig machen, als er nicht der Regisseur ist. Ich finde, es gibt Längen im Stück, die man hätte kürzen können. Ich habe zum Beispiel von Berlin gelernt, dass mein letzter Auftritt zu langatmig war. Deshalb habe ich persönlich aus meinem letzten Auftritt Sätze rausgenommen. Ich habe das Herrn Wölffer vorgeschlagen, und der hat Gott sei Dank zugestimmt. Bei den anderen habe ich mich natürlich nicht eingemischt, aber ich hätte dem Regisseur geraten, dass er vielleicht in der ersten Stunde noch Striche macht. Das ist, meiner Ansicht nach, versäumt worden. Und da kann Michael Schanze wenig tun. Er ist ja das Opfer, und er macht das, was man ihm sagt, da er ja sonst keine Erfahrung hat. Ich würde ihm raten, das nächste Mal besser aufzupassen.“ (lacht)

Für Katrin Wrobel ist es das erste Mal auf der Bühne – was haben Sie ihr mitgeben können?
„Das ist problematisch. Sie ist natürlich authentisch. Als Miss Germany kennt sie ja schon den ganzen Zoff, den sie da durchmachen musste, und das hat mit dem Theater an sich wenig zu tun. Das ist etwas ganz Fremdes. Sie kommt völlig neu in diesen Beruf, und dieser Beruf ist ganz anders, als man sich das vorstellt: Wir spielen, als ob wir seien - wir sind nicht, sondern wir tun nur so. Wir müssen nicht unbedingt eine Miss Germany sein, um eine zu spielen. Das ist eine Frage der Fantasie und der Begabung, wie man so etwas präsentiert. Und da gibt sie sich alle Mühe und sie ist ja auch ganz gut trainiert und beraten worden, und das ist nicht einfach. Sie muss sehen, dass sie auf diesem Wege weitermarschiert, wenn sie das möchte. Ich weiß ja nicht, ob sie das möchte.“

Einem großen Publikum wurden Sie durch „Ein Herz und eine Seele“ bekannt...
„Das würde ich ablehnen. Ich habe 1966 die goldene Kamera bekommen, und zehn Jahre später kam dann ‚Ein Herz und eine Seele’. Ich war keine unbekannte Schauspielerin, als ich ‚Ein Herz und eine Seele’ drehte. Das war eine von sehr vielen Rollen. Ich habe 1944 als Tänzerin angefangen, bin 1947 in Düsseldorf Schauspielerin geworden und bin bis 1975 einen ziemlichen Weg marschiert. Dann habe ich diese Rolle bekommen, die sehr gut und wirkungsvoll war und dem Publikum gefallen hat.“

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit der Zeit?
„Das war eine gute Rolle. Die Serie hat den Leuten gefallen, weil sie lustig war und weil es dem Leben entsprach, das die Leute teilweise selber geführt haben. Die Frau spielte damals noch nicht die Rolle, die sie heute spielt - sie war noch untergebuttert. Heute sind ja die Frauen viel selbstständiger und lassen sich nicht mehr alles verbieten. Das war eine interessante Aufgabe.“

Sie wurden ja in der Serie als „dusselige Kuh“ bezeichnet. Kam es im Privatleben manchmal zu ähnlichen Situationen?
„Nein. Wir spielen ja, als ob wir seien. Das hat mit dem Privatleben aber auch gar nichts zu tun. Das ist genauso, wenn ich eine Gräfin oder eine Nutte spiele. Oder wenn ich eine Mörderin spiele - dafür muss ich nicht jemanden umgebracht haben. Das Schöne an dem Schauspielerberuf ist die Fantasie. Ich kann mir etwas ausdenken, so wie Kinder, die sich beim Fasching verkleiden. Wir versuchen, ein anderes Wesen zu sein als wir von Natur aus sind. Das ist das Reizvolle an dem Beruf.“

Kann das Publikum das immer auseinanderhalten?
„Natürlich nicht. Wenn man eine Rolle wie die Else Tetzlaff spielt, denken die Leute immer, man müsste auch im Leben blöd sein. Aber ich denke, das habe ich jetzt entschieden korrigiert.“

Würde eine solche Serie heute noch erfolgreich sein?
„Sie würde den Erfolg haben, wenn sie die Autoren hätte. Unser Problem in Deutschland ist ja der Mangel an Autoren. Und Herrn Menge - der ein hervorragender Autor ist - ist später nicht mehr viel in der Art eingefallen. Ich habe auch in ‚Das Millionenspiel‘ von ihm gespielt, was vor ‚Ein Herz und eine Seele’ war. Dann hat er noch mal ‚Motzki’ gemacht und ‚Das Lied zum Sonntag’, was beides nicht von Erfolg gekrönt gewesen ist. Daran sieht man, wie schwer es ist. Und andere Autoren sind in Deutschland auf dem Gebiet nicht erfolgreich, weil wir in Deutschland so hochtrabend geistlich sind. Die Unterhaltung spielt bei uns eine untergeordnete Rolle. Der deutsche Mensch ist ernst und wesentlich, und er lacht nicht so gern wie die Engländer, Franzosen oder Amerikaner. Deswegen spielen wir hauptsächlich angloamerikanische Stücke. ‚Miss Berlin’ ist mal ein deutsches Stück. Andere Stücke gibt es bei uns kaum. Ob es besonders gut ist so, kann ich nicht sagen.“

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