Otto Waalkes im Interview

Es darf angefasst werden

published: 02.01.2001

Otto Waalkes im Interview (Foto: Public Address) Otto Waalkes im Interview (Foto: Public Address)

Bereits seit den Siebzigern gehört Otto zu den Stars der deutschen Comedy. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert – Otto ist Kult. Egal ob auf der Bühne, im Fernsehen oder Kino: Wo die hektische Quasselstrippe auftaucht, gibt es für jede Altersklasse etwas zu lachen. So war es nur eine Frage der Zeit, bis der frisch verheiratete Stand-Up-Comedian wieder etwas Neues von sich hören lassen würde. Im Frühjahr ist es so weit. Unter dem Motto “Only Otto” geht der Blödelbarde als Alleinunterhalter auf Tournee. Von März bis April wird er sein Publikum in 22 deutschen Städten mit Wortwitz und Körperkomik frisch, frech, friesisch, frei unterhalten - und es darf auch angefasst werden...

Ob du Filme drehst oder ein Bühnenprogramm spielst, bei dir sieht alles ganz einfach aus. Es soll aber sehr schwer sein, witzig zu sein...
“Auf der kommenden Tournee halte ich jeden Abend einen Zwei-Stunden-Monolog. Das ist natürlich viel Text, der lange vorbereitet sein will. Das ist wirklich nicht so einfach. Und das in meinem Alter!”

Wieso trittst du von 22 Abenden nur vier Mal in den neuen Bundesländern auf?
“Das musst du mich nicht fragen. Ich bin doch kein Konzertmanager. Ich nehme an, dass die guten Hallen so kurzfristig nicht zu bekommen waren. Die Tournee findet ja schon im März statt.”

Wie kam dir denn der Gedanke, so kurzfristig wieder auf Tournee zu gehen?
“Ich bin am Strand spazieren gegangen und habe darüber nachgedacht, wie viel ich eigentlich gemacht habe: Film, Serie, Fernsehgeschichten und was-weiß-ich. Ich hatte Lust, mich von diesem ganzen technischen Zwang wieder zu lösen.”

Wie wird dein Programm aussehen?
“Die Entscheidung ist erst letzte Woche gefallen, deswegen habe ich noch gar keine konkreten Vorstellungen von dem Programm. Ich werde natürlich Video-Elemente mit einbinden und direkten Kontakt mit dem Publikum herstellen.”

Otto zum Anfassen?
“Sag’ mal im Volksparkstadion, umringt von 50 Leibwächtern: “Holalahiti!” Da besteht einfach eine Barriere. Durch die kleineren Säle bei dieser Tour ist stattdessen gleich ein direkter Bezug hergestellt. Ich trete sozusagen im kleinen Kreis auf. Im Familienkreis. Und da kann man auch angefasst werden!”

Wie muss man sich das vorstellen?
“Alles dreht sich um den ‘Only Otto’-Charakter. Das Motto lautet ‘Back to the Roots’ - zurück zu den Wurzeln. Ich wollte mal wieder ganz allein auf der Bühne stehen, ohne großes Orchester. So habe ich damals angefangen und so möchte ich es jetzt noch einmal probieren.”

Was hältst du von der neuen deutschen Comedy?
“Früher war ich praktisch allein unterwegs. Da gab es drei Fernsehprogramme. Heute gibt es 40 Fernsehprogramme und 3000 neue Komiker. Der eine geht, der andere kommt. Das ist schon sehr interessant. Und ich schaue zu allen bewundernd auf.”

Neulich hattest du bei Thomas Gottschalk einen “All-Star-Auftritt” mit Helge Schneider. Wird es den auf CD geben?
“Das war eine ganz spontane Sache. Wir haben uns einfach zusammengesetzt und losgesungen. Eine Platte? Nein, die gibt es leider nicht. Soll ich denn noch mehr Geld verdienen? Aber vielleicht können wir ja im Herbst zusammen auf Tour gehen.”

Vor kurzem warst du bei der Premiere von Arnold Schwarzeneggers “Six Days”. Was reizt dich an amerikanischen Filmen? Du bist ja auch selbst Schauspieler: Gab es da ein Idol, eine Leitfigur für dich?
“Arnold Schwarzenegger war eine gute Leitfigur für mich. Schon rein körperlich. Und schauspielerisch sowieso. Ich kenne Arnold persönlich. Er hat mich zur Premiere eingeladen, also bin ich hingegangen. Sonst wäre ich nicht hingegangen: zu weit weg.”

Otto Waalkes mit seiner Frau Eva Hassmann (Foto: Public Address)Otto Waalkes mit seiner Frau Eva Hassmann (Foto: Public Address)


Als jung Verheirateter auf Tournee zu gehen, ist das nicht eine Belastung für die Ehe?
“Meine Frau ist ja auch immer unterwegs. Momentan dreht sie gerade in Berlin einen Film. Aber das klappt sehr gut!

Man kennt dich in der Öffentlichkeit als ziemlich durchgeknallten Vogel. Bist du privat auch so?
“Das weiß ich nicht, kann ich nicht sagen. Ich habe den Bezug zu mir ziemlich verloren.”

Wo wirst du Weihnachten verbringen?
“Weihnachten werde ich in Florida sein und dort unter Plastikpalmen und Plastikweihnachtsmännern leben. Das mache ich jedes Jahr. Dort kann ich am besten arbeiten: Dort kennt mich keiner. Ich werde mich also dorthin in den Vor-Unruhestand begeben und mein Programm für die Tournee schreiben. Im Scherzbergwerk in Florida.”

Kennst du ein Weihnachtsgedicht?
“Schön ist zum Beispiel:
‘Nachts sprach ich, ‘es werde Licht’,
aber heller wurd’ es nicht.
Ich sagte, ‘Wasser werde Wein’,
doch das Wasser ließ es sein.
Ich sagte, ‘Lahmer, du kannst geh’n’,
doch der blieb auf Krücken steh’n.
Da wurde selbst dem Dümmsten klar,
dass ich nicht der Heiland war.’
oder:
’Weihnachten ist ein Fest,
das einen nicht in Ruhe lässt.
Es herrscht nur ein Gedanke:
Geschanke, Geschanke.’”

Was kommt nach “Otto der Katastrophenfilm”? Gibt es noch eine Steigerung?
“Tja... diese Otto-Film-Geschichte... Wenn du fünf oder sechs von den Dingern drehst, ist natürlich irgendwann eine Erschöpfungsphase da. Mal sehen, was ich demnächst mache. Vielleicht mal wieder ein B-Movie...”

Was war deine größte persönliche Katastrophe?
“Ich habe eigentlich noch keine richtige Katastrophe erlebt in meinem Leben. Die größte Katastrophe bisher ist mir in Stuttgart auf der Bühne passiert. In der Pause war es ziemlich kalt. Da habe ich einen Grog getrunken. Und dann noch einen. Und dann habe ich nach der Pause noch einmal den Witz erzählt, mit dem ich gerade aufgehört hatte. Natürlich kam kein Applaus. Das war mir sehr peinlich.”

Treibst du Sport?
“Ja. Ich bewege mich viel, laufe herum, ich spiele Tennis, fahre Rollschuh, Schlittschuh, Ski, Golf. Auf Tournee zu gehen, ist auch Sport. Auf der Bühne zu stehen, ist wie ein Marathonlauf.”

Wird dein Publikum eigentlich immer älter?
“Das Verrückte ist, dass mein Publikum unheimlich breit gefächert ist. Die Eltern bringen ihre Kinder mit. Die Kleinen können mich eigentlich gar nicht kennen, aber sie kennen mich doch! Das ist interessant. Denn ich bin ja jetzt schon - wie spät haben wir es jetzt? - ich bin jetzt ja schon 25 Jahre unterwegs.”

Wie schaltest du abends ab?
“Ich schalte überhaupt nicht ab. Meine Frau schaltet mich ab. Mit ihren eigenen Mitteln.”

[PA]

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