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Buch-Tipp

"Basis-Diskothek Jazz"

published: 24.10.2005

Ralf Dombrowski - "Basis-Diskothek" (Foto: Reclam)Ralf Dombrowski - "Basis-Diskothek" (Foto: Reclam)

Welche Platte von Miles Davis muss man haben? Welches Instrument spielte eigentlich John Coltrane? Und dieser Klassiker von Duke Ellington – wie klingt der überhaupt? Grundlegendes Wissen über Jazz vermittelt die "Basis-Diskothek Jazz" von Ralf Dombrowski.

Über Musik zu lesen ist eine knifflige Sache: Wenn man sich nicht parallel auch akustisches Futter zuführt, wird man nicht satt und nur wenig schlauer. Trotzdem: Sowohl Bildung wie auch Genuss lassen sich durch dieses kleine gelbe Büchlein über den Jazz-Kanon steigern.

Die 120 Alben sind kenntnisreich ausgewählt. Von den Anfängen aus dem Ragtime heraus mit Jelly Roll Mortons "Piano Rolls" von 1923 und dem New-Orleans-Jazz von Louis Armstrongs ersten "hot" spielenden Formationen führt Dombrowski den Leser weiter durch die verschiedenen Unterarten einer Musikrichtung, die ungemein vielschichtig ist und mit "Jazz" überaus vage zusammengefasst wird. Über Swing, Cool Jazz und Fusion, Bebob und Hard-Bob, Free Jazz und Funk-Jazz führt der Streifzug bis zu aktuellen Protagonist(inn)en wie der Ausnahme-Vokalistin Cassandra Wilson und den Marsalis-Brüdern.

Leider sind die Album-Besprechungen nicht chronologisch nach dem Erscheinungsdatum der Platten geordnet sondern alphabetisch nach Künstlernamen sortiert. Da allerdings ein Zeit-Verzeichnis beigefügt ist, kann man – bei einigem Blättern – das Buch auch in sinnvoller Reihenfolge lesen. Dass selbst innerhalb der Albenfolge eines Künstlers die Chronologie missachtet wurde, ist jedoch überaus ärgerlich. Ganz offensichtlich wurden die Einträge in anderer Reihenfolge geschrieben.

Zum Schmökern eignen sich die kurzen Abschnitte wunderbar. Für tieferes Verständnis wären längere Artikel und nur halb so viele LPs sicherlich besser gewesen, vor allem, da der Autor gelegentlich dem Biografischem und Anekdotischem viel Platz einräumt. Rechnet man dann noch die genretypische umfangreiche Auflistung aller Musiker, die am betreffenden Werk mitgearbeitet haben, mit ein, so bleiben nicht viele Zeilen für die Beschreibung und Einordnung der Musik. Diese treffen jedoch mit musikwissenschaftlicher Präzision ausnahmslos ins Schwarze.

Ziel der Übung ist natürlich nicht, dass du dir diese 120 Alben alle kaufst. Wenn du über Jazz mitreden willst, ist es aber praktisch, schon mal von den berühmten Werken gehört zu haben. Nicht zuletzt kannst du dann deine eigenen Lieblingsscheiben besser historischen und musikalischen Strömungen zuordnen und so ein tieferes Verständnis von ihnen erreichen.

Selbstredend kann man trefflich darüber streiten, ob hier wichtige Werke vergessen wurden (Ella Fitzgerald und Billie Holiday etwa sind nur mit je einem Album vertreten, was ziemlich mickrig ist) oder einiges aus Bebob und Fusion überbewertet ist. Trotzdem bietet die „Basis-Diskothek Jazz“ vor allem Anfängern einen leichten Zugang zu einer Musikrichtung, die zu oft von Spezialisten und Snobs für sich reklamiert wird. Wenn du also einsteigen willst, kannst du dies hier besonders leicht tun und später auf eigene Faust dein Wissen vertiefen. Für fünf Euro gibt es wohl nirgendwo anders mehr Wissen zwischen zwei Buchdeckeln.

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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