Hörspiele made in Hamburg

Hingelauscht!

published: 03.02.2006

"Caine" - ein Hörspiel aus dem Hause LAUSCH (Foto: Lausch) "Caine" - ein Hörspiel aus dem Hause LAUSCH (Foto: Lausch)

Ein neues Hörspiel-Label ist zum Jahresbeginn an den Start gegangen. Es ist nicht nur neu, sondern auch ein bisschen anders als die anderen. In einer Zeit, in der viele Mitt-Dreißiger ihre Hörspiele aus den Kindertagen wiederentdecken und Kids „Der Name der Rose“ auf dem mp3-Player haben, geht LAUSCH einen anderen Weg. Günter Merlau und Janet Sunjic produzieren „Phantastische Hörspiele“ für Erwachsene.

Hierfür werfen sie ihre Erfahrungen und Interessen zusammen. Merlaus Weg in die Hörspielwelt führte über die Schauspielerei und Produktionen von Musik und Theaterstücken. Sunjic machte ihre Bühnenerfahrung als Sängerin im süddeutschen Raum und war bis vor kurzem Geschäftsführerin eines Hamburger Tonstudios. Mit diesem persönlichen Hintergrund und ihrem gemeinsamen Faible für das Genre ergab sich der logische Schritt: selbst produzieren.

Günter Merlau & Janet Sunjic (Foto: LAUSCH)Günter Merlau & Janet Sunjic (Foto: LAUSCH)

Ihr Erstlingswerk „Caine – Das Amulett von Kyan´Kor“ erschien am 6. Januar und soll zu einer 18-teiligen Serie ausgebaut werden. Schon der Anfang der CD wirkt etwas befremdlich, findet sich doch der geneigte Hörer in der Gedankenwelt eines Berufskillers wieder. Schon nach wenigen Minuten Laufzeit scheint das vorzeitige Ende gekommen zu sein: Der Arm des Gesetztes schlägt zu, Verhaftung und Verurteilung zum Tode inklusive.

Dass dieser verhindert wird, ist unumgänglich für den Fortbestand der Serie, doch hätte sich die Hauptfigur Steven Caine wahrscheinlich angenehmere Begleitumstände gewünscht. Er wird zu den Kyan´Kor gebracht und sehr nachdrücklich überredet, sich in Zukunft in deren Dienste zu stellen. Allerspätestens hier, an einer der Lieblingsstellen von Produzent Merlau, wird klar, dass „Caine“ wohl niemals in der Kinderabteilung verkauft werden wird. Ratten haben, besonders in größerer Anzahl, etwas sehr Überzeugendes...

Eine Reihe von weiteren Veröffentlichungen ist für dieses Jahr geplant, mehr Infos findet man auf der reichhaltigen Homepage. Über die weiteren Ziele ihres Labels sprachen Sunjic und Merlau im Unikosmos-Interview.

Das erste Hörspiel aus dem Hause LAUSCH ist die Adaption der Reihe „Caine“ aus dem Basilisk-Verlag. Was hat euch daran gereizt, diesen Stoff in ein Hörspiel um zu setzen?
Günter: "Ich war auf der Suche nach Stoffen und habe mich nach den Vorlagen von 'Macabros', 'Larry Brent' und 'John Sinclair' in der Romanwelt umgeguckt. Da habe ich zuerst immer nur Standartsachen gefunden, bin dann aber auf 'Caine' gestoßen. Ich fand das interessant, habe dann die Exposees bekommen, und dachte: Mensch, das find ich cool. Ein Profikiller und dann diese fantastische Welt, da fühl ich mich zu Hause, da kann ich auch agieren. Die Kombination aus Profikiller und Fantastics war es einfach. Das wird uns jetzt teilweise vorgeworfen: ,Mensch das geht ja ganz anders weiter als man denkt!' Aber genau das ist daran so spannend und aufregend."

Ist eure Leidenschaft für Hörspiele eine Erbe aus der Kindheit? Stichwort „Drei Fragezeichen“ oder „John Sinclair/Larry Brent“...
Günter: "Ja klar, ich bin immer ein vollkommener Fan gewesen. Ich habe mein ganzes Leben mit diesem 'Schund' verbracht, mit Fantasy und besonders Hörspielen. Zu Hause sind es jetzt so 800–900 Hörspielkassetten aus den 70er bis 80er Jahren."

Habt ihr eine Lieblingsreihe?


Günter: "Ich habe das, was für mich als Lieblingsreihe nicht existiert, versucht, selber zu machen. Das ist 'Caine'. Den Was man als Kind gehört hat, findet man ja sein ganzes Leben lang cool. Und ich habe versucht, das, was mir fehlt, selbst herzustellen. Ich bin sozusagen mein Konsument. 'Caine' ist meine Lieblingsreihe, wechselt sich aber ab mit 'Schwarze Sonne'. Ansonsten fand ich Frank Gustavus 'Ripper' von Ripper-Records sehr gut, auch wenn es keine Serie ist, sondern ein Einzelhörspiel. Das springt genau in die Lücke, die zwischen 'Drei Fragezeichen' und der Kunstscheiße der öffentlich-rechtlichen Hörspiele klafft. Das war eine Inspiration für mich."

Janet: "Ich bin in den 80er Jahren mit Hörspielen aufgewachsen. Da wurde ich überschüttet mit 'Benjamin Blümchen' und solchen Sachen. Ich kam erst durch die Zusammenarbeit mit Günter auf die alten Sachen, und da mag ich 'Macabros' sehr gerne. Das fand ich schön trashig und richtig toll."

Kann man also sagen, dass LAUSCH als Label für Grusel- und Horror-Hörspiele nicht eine Marktlücke sucht, sonder dass ihr das Genre produziert, das euch am meisten interessiert?
Günter: "Genau. Was ich auch noch gerne machen würde, und auch angesetzt habe, ist die Serie 'Vier für Rom'. Das ist sozusagen 'Drei Fragezeichen' in der Antike. Das hätte ich gerne für Kinder gemacht, weil da unheimlich viel Geschichte möglich ist. Aber der Kindermarkt ist von mächtigen Leuten so hart umkämpft und so überlaufen, dass wir uns da mit Kalkül rausgezogen haben. Es ist schwer genug, ein neues Label aufzubauen, also konzentrieren wir uns auf die Erwachsenen."

Ihr arbeitet mit sehr bekannten Sprechern - wie Klaus Sonnenschein, der unter anderem Sean Connery seine Stimme leiht, und der deutschen Stimme von Wesley Snipes, Torsten Michaelis. Wie kam der Kontakt zu den Sprechern zustande?
Janet: "Wir sprechen uns zunächst ab, wen wir uns für die einzelnen Rollen vorstellen. Dann recherchiere ich die Sprecher, suche die Nummer raus und frag einfach. Wir stellen uns kurz vor und dann ist das alles sehr professionell und entspannt. Das sind alles Profischauspieler: Die kriegen ihre Drehbücher und dann wird das Künstlerische besprochen."

Günter: "Das ist für ein junges Label natürlich auch ein finanzieller Aufwand. Andere Label gehen da einen anderen Weg. Sie sprechen zuerst hauptsächlich selbst, aber das ist natürlich etwas amateurhaft. Das wollten wir nicht. Deswegen haben wir gesagt, wenn wir es schon machen, machen wir es auch so gut wie wir es können. Bei 'Caine' war es so, dass ich die Rolle auf Thorsten zugeschrieben habe. Er hat die ganze Zeit in meinem Kopf gesprochen. Bei Lutz Riedel, der den Kartaan spricht, war es ähnlich. Es müssen nicht immer Promis sein, wie zum Beispiel bei 'Schwarze Sonne'. Da spricht unsere Entdeckung Michael Prelle, der vorher noch auf keinem Hörspiel zu hören war. Aber er hat soviel Möglichkeiten mit der Stimme... Er ist ein unglaublich guter Sprecher."

Ihr sprecht selber in 'Caine' mit. Hattet ihr nicht genügend Sprecher oder geschah das aus Spaß an der Freude?


Janet: "Es ist auch Spaß, klar. Ich vergleich das ein bisschen mit dem guten Hitchcock, der hier und da immer selber auftaucht. Und so haben wir gesagt, eine Kleinigkeit können wir selbst übernehmen. Günter hat zwar viel mehr Erfahrung in diesem Bereich, aber ich stand ja schon als Sängerin auf der Bühne. Da kann man auch sowas mal machen."

Günter: "Ich habe viele Lesungen gemacht, habe einen schauspielerischen Hintergrund und monatelang auf der Bühne gestanden. Den Unterschied zwischen mir und Thorsten Michaelis sehe ich sehr deutlich, aber ich denke, ich kann sehr wohl einen Charakter glaubhaft darstellen. Und ich bin für mich als Regisseur und Produzent der unkomplizierteste Schauspieler."

"Caine“ ist die Umsetzung einer Romanserie. Woher kommen eure anderen Ideen? Gerade B.Ö.S.E. scheint ja ein sehr obskures Hörspiel zu werden.
Günter: "'B.Ö.S.E.' ist ein komplettes Eigenprodukt, 'Schwarze Sonne' ist inspiriert und sehr frei nach Bram Stoker. Es basiert etwa zur Hälfte auf einem alten Roman, den ich ausgegraben habe: 'Das Schloss der Schlange'. Davon habe ich mich aber sehr schnell entfernt und mich frei gesponnen, um die Hauptprotagonisten serienfähig zu machen - denn ich will, dass es als Serie weitergeht. Wir haben auch quer durch das 19. Jahrhundert mit den ganzen Geheimgesellschaften recherchiert und sehr viele reale Personen und Geschehnisse eingebaut. Dazu kommen fiktionale Hintergründe, rein gesponnen, wie zum Beispiel in 'Akte X'. So werden realen Begebenheiten fiktionale Hintergründe zugeordnet, so dass der Hörer denken soll: 'Stimmt das nun oder stimmt das nicht?' Und 'B.Ö.S.E.' ist eine reine Spinnerei. Im Grunde hat mich Spongebob dann überholt. Ich habe die Idee zu 'B.Ö.S.E.' schon sehr lange und wenn SpongeBob auch für Kinder produziert ist, durchgeknallt ist das auch. 'B.Ö.S.E.' hat daher eher mit ihm zu tun als mit Meteor-Hörspielen. Bei 'B.Ö.S.E.' ist sehr viel Raum für humorvoll Groteskes."

Woher kommen die ganzen Effekte und die Musik? Produziert ihr die selber?
Günter: "Die Musiken machen wir mit der BMG Zomba. Für mich als ehemaliger Musikproduzent ist das natürlich unheimlich wichtig. Ich habe mich wochenlang damit beschäftigt. Die Serien stehen und fallen mit der Musik. Wir machen die Musik nicht selber, weil ich eben weiß, was es bedeutet, Musik auf höchstem Niveau selber zu produzieren. Aber ich kann aus den Sachen von BMG Zomba alles bauen, was ich will. Und in Zukunft wollen wir auch vermehrt auf eigene Musiken, besonders im Bereich Klaviermusik, zurückgreifen."

Wie wird es mit LAUSCH weitergehen? Was sind eure Pläne
Janet: "Im Juni kommt 'Caine 2', am 24. Februar ist die offizielle Veröffentlichung von 'Schwarze Sonne' und am 24. März kommt 'B.Ö.S.E.' auf den Markt. Im Herbst erscheint der zweite Teil von 'Schwarze Sonne' und wir haben noch eine vierte Sache im Bereich Fantasy, aber das ist noch ein bisschen geheim."

Ein Schlussappell von Janet: Gerade für ein kleines Label sind Raubkopien tödlich. Daher hofft sie, dass Hörspielfans, die auch die Zukunft der Serien erleben wollen, solche Wege meiden.

[Volker Ruckelshauss]

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Links

www.merlausch.de
Hörprobe: "Caine" - Das Amulett von Kyan´Kor
Hörprobe: "Die Schwarze Sonne" - Das Schloss der Schlange
Hörprobe: "B.Ö.S.E." - Alles wird gut

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