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Dr. Karin Anderson

Raus aus dem Stimmungstief

published: 21.12.2005

Dr. Karin Anderson beantwortet eure Fragen zum Thema Stimmungstief (Foto: Public Address) Dr. Karin Anderson beantwortet eure Fragen zum Thema Stimmungstief (Foto: Public Address)

Stress bei der Arbeit? Gerade zu Beginn der Ausbildung gilt es, viele Hürden zu nehmen. Dass dabei nicht immer alles glatt läuft, ist ganz normal. Eine neue Umgebung, neue Kollegen, ungewohnte Tätigkeiten, viel Fachwissen und schwierige Chefs – wer sämtliche Herausforderungen bereits in den ersten Wochen souverän meistert, darf sich Superman oder Superwoman nennen. Die meisten Azubis brauchen jedoch dringend Rat und Hilfe, um sich über die harte Anfangszeit zu retten. Dr. Karin Anderson hat sich daher mit den häufigsten Fragen zum Stimmungstief in der Ausbildung beschäftigt.

Ich weiß nicht mehr weiter. Anfangs schienen meine Kollegen ganz nett, aber nach kurzer Zeit wurde ich immer mehr rumkommandiert. Ich darf nur die Drecksarbeit machen und alle lassen sich von mir bedienen. Muss ich mir das gefallen lassen?
„Aus der Zeit, wo Azubis noch Lehrlinge genannt wurden, stammt das Sprichwort: ‚Lehrjahre sind keine Herrenjahre’. Und sprichwörtlich ist der Lehrling, der Kaffee kocht, wenn er nicht gerade zum Brötchen holen geschickt wird und zwischendurch den Fußboden fegt. Solche Sprüche entstehen natürlich nicht von ungefähr, sondern geben, wenn auch verzerrt, ein Stück Wirklichkeit wieder. Wenn du mit einer Ausbildung anfängst, bekommst du immer zunächst diejenigen Aufgaben übertragen, die relativ einfach sind und bei denen du nicht viel falsch machen kannst. Solche Tätigkeiten sind oft eintönig und nicht besonders interessant, und daher bei den älteren Kollegen auch nicht gerade beliebt. Dazu gehören beispielsweise durchaus auch Putz- und Aufräumarbeiten oder Botengänge.
Besonders für Jugendliche, deren Mütter zuhause ständig hinter ihnen herräumen und wenig oder gar keine Mithilfe im Haushalt erwarten, kann die Konfrontation mit dem Arbeitsalltag als Azubi recht gewöhnungsbedürftig sein. Wer daheim keinen Finger zu rühren braucht, empfindet unangenehme Aufgaben leicht als Zumutung und wer gewöhnt ist, dass die Eltern in allem auf ihn Rücksicht nehmen, erlebt kurzangebundene Anweisungen leicht als unfreundliche Befehle. Wenn du den Eindruck hast, dass du nur die ‚Dreckarbeiten’ machen darfst, ständig herumkommandiert wirst, und dass sich alle Kollegen von dir bedienen lassen, solltest du versuchen, erst einmal objektiv die Realität zu überprüfen. Wie geht es denn den anderen Auszubildenden in deinem Betrieb? Werden sie anders behandelt als du? Wie sehen sie die Sache? Was lernst du und wie wirst du an Aufgaben herangeführt? Wie sind der allgemeine Umgangston und das Betriebsklima in deiner Firma?
Wenn du dann sicher bist, dass deine Einwände nicht nur auf Eingewöhnungsschwierigkeiten beruhen, sondern du tatsächlich kaum etwas lernst und überwiegend ausgenutzt wirst, und wenn der Umgangston nicht ‚rau aber herzlich’ sondern wirklich rüde und respektlos ist, brauchst du dir das natürlich nicht gefallen zu lassen. Überleg dir, wer dein Ansprechpartner für eine Beschwerde ist. Kannst du dich an einen Vorgesetzten oder den Betriebsrat wenden, unter Umständen bitten, in eine andere Abteilung versetzt zu werden? Oder sind die Zustände wirklich so schlimm, dass du dich lieber an die Handelskammer wenden und dir einen anderen Lehrbetrieb suchen solltest?“

Hallo, ich bin etwas schüchtern und traue mich kaum, den Mund aufzumachen. Das Blöde ist, dass ich vieles noch nicht weiß und ewig suchen muss, bis ich etwas finde. Aber mein Chef würde mich doch für dumm halten, wenn ich ständig nachfrage. Schließlich wird doch immer Eigeninitiative erwartet, richtig?
„Deine Schwierigkeit ist ein typisches Anfängerproblem. Einerseits möchtest du alles richtig machen, andererseits kennst du dich noch nicht genügend in deinem Lehrbetrieb aus. Einerseits möchtest du nicht als langsam gelten und deine Aufgaben zügig erledigen, andererseits fehlen dir Routine und der nötige Überblick. Einerseits weißt du, dass du noch unerfahren bist und dir noch viele Informationen fehlen, andererseits hast du Angst, den Kollegen und deinem Chef durch deine Fragerei auf die Nerven zu gehen und möglicherweise als beschränkt und unselbststständig zu erscheinen. Du hast Recht, es ist eine Art Balanceakt, der von dir erwartet wird. Du kannst viele Dinge einfach noch nicht wissen und brauchst eine Menge Einweisung. Anfangs wird auf deine Unerfahrenheit zwar noch Rücksicht genommen, aber schon bald erwarten die Kollegen, dass du dich eingewöhnt hast und funktionierst. Zwar gibt es einige Betriebe, in denen sich ältere Mitarbeiter ‚mütterlich’ oder ‚väterlich’ um Azubis kümmern und es ihnen leicht machen, so lange immer wieder nachzufragen, bis sie sich wirklich auskennen. Aber in der Regel ist diese anfängliche Schonzeit kurz und du musst dich irgendwie zurechtfinden.
Eigeninitiative ist natürlich wichtig, aber du musst dir zuerst klarmachen, wo und wann sie angebracht ist. Schweigend zeitaufwändig herumsuchen, wenn Schnelligkeit gefragt ist, oder hektisch irgendwie drauflos zu wursteln aus Angst, durch Fragen dumm aufzufallen, ist ‚Selbstständigkeit’ am falschen Platz. In solchen kritischen Momenten musst du dich unbedingt vergewissern, selbst auf die Gefahr hin, dass deine Kollegen oder dein Chef genervt reagieren. Denn in so einer Situation wären Zeitverlust oder ein Fehler schlimmer als eine mögliche ‚Blamage’.
Ich würde dir daher vorschlagen, dir zu überlegen, welche Informationen dir tatsächlich noch fehlen und wo und wann du sie dir am besten beschaffen kannst. Wenn es darum geht, bestimmte Dinge zu finden und zu wissen, wo Unterlagen, Werkzeuge oder Materialien aufbewahrt werden, könntest du beispielsweise vor oder nach der Arbeitszeit in deinem Betrieb herumgehen und dir einen besseren Überblick verschaffen, mach dir notfalls Notizen. Wenn du Fragen stellen möchtest, überleg dir, wer sie dir am besten beantworten kann und frag zu einem Zeitpunkt, wo der Betreffende auch Zeit hat. Durch diese Eigeninitiative lernst du dein Arbeitsumfeld schneller kennen und fällst außerdem durch dein Aktivwerden positiv auf.“

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