Christo & Jeanne-Claude im Interview

Platz für Regenschirme

published: 02.09.2002

Christo und seine Ehefrau Jeanne-Claude im Interview (Foto: Public Address) Christo und seine Ehefrau Jeanne-Claude im Interview (Foto: Public Address)

Christo und seine Ehefrau Jeanne-Claude waren in Hamburg, weil ihre persönliche Freundin, die Kultursenatorin Dana Horakova, sie zu einem Besuch in die Hansestadt eingeladen hatte. Bei dieser Gelegenheit schauten sich die beiden in den USA lebenden Bulgaren einige Gebäude für bevorstehende Ausstellungen an und plauderten über ihre aktuellen Projekte.

Wie sahen Ihre Aktivitäten während Ihres Hamburg-Aufenthaltes aus?
Jeanne-Claude: “Wir haben gestern einen Vortrag über zwei Projekte gehalten, an denen wir gerade arbeiten.
Christo: “Das war unser eigentlicher Grund, hierher zu kommen.”

Was ist Ihr Eindruck von Hamburg?
J.-C.: “Wir kommen öfter hierher, haben auch Freunde in Hamburg. Es ist jetzt schon das achte Mal.”
C.: “Hamburg ist uns sehr vertraut.”

Wie finanzieren Sie Ihre Projekte?
J.-C.: “Wir haben niemals versucht, Geld von außen zu bekommen. Wir finanzieren alles selbst. Sie sehen hier an meiner Bluse ein Schmuckstück, das Christo und mich 26 Millionen Euro gekostet hat - von unserem eigenen Geld. Das ist der blaue Regenschirm aus Japan. Die blauen sind in Japan und gelbe in Kalifornien. Gigantische Regenschirme, viel höher als die Decke hier, 3100 Stück insgesamt. Das hat uns von unserem Geld 26 Millionen Dollar gekostet. Wir akzeptieren keine Sponsoren, denn wir wollen alles machen, was, wo und wie es uns passt. Das Geld kommt aus Verkäufen von Collagen, Zeichnungen etc., die aus Christos Hand stammen. Alle Projekte, die sich in Räumen befinden, sind von Christo alleine. Alles, was draußen zu sehen ist, wie etwa die Regenschirme und die Verhüllung des Reichstags, stammt von Christo und Jeanne-Claude gemeinsam.”

Sind Sie fündig geworden, als Sie nach einem Platz für die Ausstellung in Hamburg gesucht haben?
C.: “Nun, wir haben diverse Plätze gefunden, die uns gefallen haben, aber wir müssen mit den Verantwortlichen sprechen. Die Ausstellung ist sehr groß: Die Regenschirme benötigen 430 Hektar Fläche.”
J.-C.: “Wir bezahlen zwar für unsere Projekte, aber nicht für die Ausstellungen. Das müssen die Museen übernehmen, was hier vielleicht bedeutet, dass die Stadt bezahlt. Die müssen für Transport, Versicherung und vieles andere aufkommen und Sponsoren finden. Das sind dann aber Sponsoren für das Museum und nicht für unsere Werke, weil wir das nicht akzeptieren.”

Wenn Sie in Hamburg umherreisen, bekommen Sie da manchmal die Idee, das eine oder andere Gebäude zu verhüllen?

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