Neue deutsche Rechtschreibung

Verbindliche Regeln – bald für alle

published: 08.04.2006

(Grafik: Public Address)(Grafik: Public Address)

Seit dem 1. August 2005 ist sie amtlich: die neue deutsche Rechtschreibung. Das bedeutet, dass die neuen Regeln nun in deutschen Schulen und Behörden Pflicht sind. Im Februar 2006 hat sich der Rat der neuen deutschen Rechtschreibung zusammengesetzt und in das neue Regelwerk noch einige Veränderungen eingebaut. Betroffen sind die Groß- und Kleinschreibung, die Getrennt- und Zusammenschreibung, die Zeichensetzung und die Worttrennung am Zeilenende.

Ende März billigten die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer einstimmig die Änderungen, die der Rat vorgeschlagen hatte. Diese gelten dann ab dem 1. August 2006 auch an eurer Schule. Erst nach einer Übergangszeit von einem Jahr werden sie verbindlich. Das bedeutet: Vorher dürfen „alte“ Schreibweisen noch nicht als Fehler markiert und bewertet werden.

Jahrelang gab es Zoff wegen der Rechtschreibreform, an der sich die Geister scheiden. Die einen möchten allgemeingültige Regeln, die mehr Klarheit im Rechtschreib-Dschungel schaffen. Die anderen sind verärgert über manche Neuerungen, die einfach von oben beschlossen wurden und teilweise aus der Sicht von Sprachwissenschaftlern bedenklich sind. Nun wird es jedoch höchste Zeit, nach vorne zu blicken und modern und lernfähig zu sein. Das hat auch die Axel Springer AG erkannt und die Änderung der Schreibweise in Zeitungen, Zeitschriften und Online-Angeboten des Unternehmens bis spätestens 1. August 2006 vorgesehen.

Übrigens: Der neue „Duden – Die deutsche Rechtschreibung“ (24. Auflage) wird am 22. Juli 2006 erscheinen. Als Buch, als CD-ROM für Windows, Mac und Linux und als Software für Handhelds und Smartphones.

Aktuelle Änderungen (die ab dem 1. August 2006 gelten)
Es ist euch jetzt noch mehr als bisher freigestellt, euch für die eine oder andere Schreibweise zu entscheiden. Hier einige Beispiele:
• Bei Verbindungen aus zwei Verben ist bei übertragener Bedeutung nun beides erlaubt: „bleiben lassen“ oder „bleibenlassen“, „liegen bleiben“ oder „liegenbleiben“, sitzen bleiben“ oder „sitzenbleiben“
• Auch möglich ist nun: „achtgeben“ oder „Acht geben“, „haltmachen“ oder „Halt machen“, „maßhalten“ oder „Maß halten“ sowie „brustschwimmen“ oder „Brust schwimmen“, „marathonlaufen“ oder „Marathon laufen“, „staubsaugen“ oder „Staub saugen“
• Ebenso: „allgemein bildend“ oder „allgemeinbildend“, „Hilfe suchend“ oder „hilfesuchend“, „klein kariert“ oder „kleinkariert“
• Such dir eine Schreibweise aus: „Wir geben dir recht/Recht“, „Du tust mir unrecht/Unrecht“. „Bis auf weiteres/Weiteres“, „seit kurzem/Kurzem“.
• In Briefen darfst du die Anreden der zweiten Person (du/ihr bzw. dein/euer) wieder großschreiben, Kleinschreibung bleibt aber die Regel.
• Bei der Zeichensetzung ist nun erlaubt: „Ich habe keine Lust zu gehen“, „ich denke nicht daran zu gehen“. Das Komma kannst du hier einfach weglassen (ein bloßer Infinitiv bei attributivem Gebrauch und bei Verweiswort).

Auf der nächsten Seite findest du die aktuellen Änderungen, die zwingend sind.



Diese aktuellen Änderungen sind zwingend

Bei der Getrennt- und Zusammenschreibung gilt für Verben:
• „eislaufen“, „kopfstehen“, „leidtun“ und „nottun“ werden nur noch als Zusammensetzungen behandelt (verblasstes Substantiv + Verb). Hier ist auch die Groß- und Kleinschreibung betroffen: „Es tut mir leid“; „Seefahrt tut not“.
• Verbpartikel, die unfeste Zusammensetzungen bilden, sind nicht mehr nur die Präpositionen und eine eng vorgeschriebene Anzahl von Adverbien, sondern praktisch alle Adverbien, soweit sie den Hauptton tragen. Also jetzt auch: „beisammenbleiben“. Trägt das Verb die Betonung, schreibt man auseinander: „zusammen tanzen“, „nacheinander gehen“, „voneinander lernen“ etc.

Bei der Worttrennung sieht es so aus,
• dass einzelne Vokale am Wortanfang nicht abgetrennt werden, auch nicht in der Wortfuge bei Zusammensetzungen: also nicht mehr [a-ber], [O-fen], [Sonna-bend], [Ge-o-grafie].

Bei der Zeichensetzung
• müssen Infinitive mit „um, ohne, statt, anstatt, außer, als zu“ wieder mit Komma abgetrennt werden: „Er ging hinaus, um zu weinen“; „Anstatt zu helfen, beschimpfte er seine Freunde“; „Ihm blieb nichts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen“.
• müssen Infinitive, die vom Substantiv abhängen, wieder mit Komma (ggf. paarig) abgetrennt werden: „Sein Vorschlag, auf den Ausflug zu verzichten, stieß auf wenig Gegenliebe“; – „Bei diesem Wetter macht es keinen Spaß, spazieren zu gehen“.


Die neue Rechtschreibung im Check
Die Regeln der neuen Rechtschreibung sind in sechs Teilbereiche gegliedert:
1) Laut-Buchstaben-Zuordnungen
2) Getrennt- und Zusammenschreibung
3) Schreibung mit Bindestrich
4) Groß- und Kleinschreibung
5) Zeichensetzung
6) Worttrennung am Zeilenende

Ein Wörterverzeichnis findest du unter Aktuelles auf der Seite www.rechtschreibrat.com. Es beinhaltet eine Liste der geänderten Schreibungen in alphabetischer Reihenfolge.

Die kompletten Rechtschreibregeln findest du ebenfalls auf dieser Seite. Der Rat für deutsche Rechtschreibung ist ein zwischenstaatliches Gremium, dem neben dem Vorsitzenden 38 Mitglieder aus fünf Ländern angehören. Von diesen stammen 18 aus Deutschland, je neun aus Österreich und der Schweiz und je eines aus Liechtenstein und der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol.

[Melanie]

Links

www.rechtschreibrat.com

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