Ausstellungs-Tipp

„Rock – Jugend und Musik in Deutschland“

published: 01.06.2006

Fans auf dem einzigen DDR-Konzert von Depeche Mode am 7. März 1988 in Ost-Berlin (Foto: Michael Hermann)Fans auf dem einzigen DDR-Konzert von Depeche Mode am 7. März 1988 in Ost-Berlin (Foto: Michael Hermann)

Schon mal den Lipsi getanzt? Wenn nicht, zählst du zur Jugend von heute und kannst mit dem Begriff wohl herzlich wenig anfangen. Der Modetanz wird eher der Generation etwas sagen, die Ende der 50er Jahren in der DDR ihre Jugend verbrachte. Dort wurde der Lipsi, abgeleitet von "lipsiens", lateinisch für Leipzig, als Alternative zum westliche Twist und Rock`n´Roll eingeführt. Denn die rebellische Musik aus dem Westen, die einige Jahre vor dem Mauerbau unüberhörbar in den sozialistischen Osten hinüberschallte, empfanden die SED-Genossen als Bedrohung ihrer Jugendkultur.

 (Plakat: Haus der Geschichte)(Plakat: Haus der Geschichte)

Es genüge nicht, die kapitalistische Dekadenz mit Worten zu verurteilen, gegen die Hotmusik und die ekstatischen Gesänge eines Presley zu sprechen. Man müssen etwas Besseres bieten, fand Walter Ulbricht und engagierte den Komponisten René Dubianski und die Tanzlehrer Christa und Helmut Seifert. Und nachdem der angeblich neuste Schrei aus dem Osten mit riesigem finanziellen und propagandistischem Aufwand, der den Werbeetat jeder kapitalistischen Plattenfirma wie Peanuts erscheinen ließ, beworben worden war, waren sich Ulbricht und Genossen ihres internationalen Siegeszuges sicher und ließen den Lipsi gar zum Patent anmelden.

Über solche niedlichen Randerscheinungen der Popkultur gibt nun eine Ausstellung im Bonner Haus der Geschichte Auskunft. Neben vielen anderen Kuriosa der Musikgeschichte wird das giftgrüne Kleid von Tanzlehrerin Christa Seifert ausgestellt. „Rock – Jugend und Musik in Deutschland“ spiegelt seit dem 25. Mai nicht nur 50 Jahre Jugendkultur abseits des Angepasstseins, sondern auch unterschiedliche Strömungen in Ost und West wieder.

Rock, das globale Phänomen
Dabei fällt auf, dass schon zu Beginn der Jugend-Rebellion, die mit dem Rock`n`Roll begann, globale Mechanismen den Geschmack der Jungend bestimmten, noch bevor das Wort "Globalismus" im heutigen Sinn erfunden war und bevor die Mühlen der Plattenindustrie gewaltige Werbe-Kampagnen wie heute hervorbrachten. Trotz einiger weniger regionaler Unterschiede waren die Helden von Ost nach West und von Nord nach Süd die gleichen.

Einer der ersten, der das erkannte, war gleichzeitig einer ihrer größten. „Mehr und mehr erkenne ich, dass Teenager in der ganzen Welt viel Freude an den gleichen Dingen haben", schrieb Elvis Presley 1957 in der Jugendbibel Bravo an seine „lieben Freunde in Deutschland". Zu den Exponaten gehört neben dem englischen Originalbrief an die Bravo auch der Seesack, mit dem der King 1958 als Soldat nach Deutschland kam.

Von den USA um die Welt
Begonnen hat die Rock-Revolution in den USA. Aus den Klängen von Blues, Gospel und Country bastelten schwarze Künstler wie Chuck Berry, Little Richard und Fats Domino in den 1940er Jahren den Rock`n`Roll. Knappe zehn Jahre später machten weiße Künstler wie Jerry Lee Lewis, Gene Vincent und allen voran Elvis Presley den Sound aus dem Süden der USA auch einem breiteren weißen Publikum bekannt. Nachdem die Musik, zu der man so gut seine Hüften schwingen lassen konnte, auch im Rest der Welt bekannt wurde, schlug das Britsh Empire zurück und setzte mit den Beatles und den Rolling Stones zum Siegeszug an, der auch durch Deutschland schritt. Neue nationale Helden waren sowohl im Westen wie auch im Osten schnell geboren: Die Ausstellung zeigt Marius Müller-Westernhagens ersten Konzertvertrag, Udo Lindenbergs Schlagzeug und ein Bühnenkostüm von Nina Hagen.

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