Nena gründet Privatschule

Noten auf Wunsch

published: 17.04.2007

Nena (2. v. l.) gemeinsam mit den drei weiteren Gründungsmitgliedern. (Foto: Public Address) Nena (2. v. l.) gemeinsam mit den drei weiteren Gründungsmitgliedern. (Foto: Public Address)

„Meine eigene Schulzeit war langweilig“, sagt Popstar Nena Kerner. „Ich habe nie verstanden, warum ich da jeden Tag hin sollte – ich wollte viel lieber andere Dinge tun!“ Damit die Kinder von heute es besser haben, hat die Sängerin zusammen mit ihrem Mann Philipp Palm und zwei weiteren engagierten Freunden die Neue Schule Hamburg gegründet. In einer Gründerzeitvilla in Hamburg Rahlstedt soll ab September der Unterricht beginnen – aber ganz anders als bei Nena früher.

Noten gibt es nur auf Wunsch, einen traditionellen Klassenverbund auch nicht und Klausuren werden so wenig wie möglich geschrieben. Jeder Schüler darf sich selbst aussuchen, was er lernen will und wann. Die Lehrer zwingen den Schülern keine Lehrpläne auf, sondern geben nur Hilfestellungen dabei, wenn die Kinder das lernen, was sie interessiert. Unbeliebte Lehrer werden rausgeschmissen: Jedes Jahr müssen sie sich der Wiederwahl der Schüler stellen. Werden sie abgewählt, heißt es für sie Koffer packen.

Kann ein solch anarchisch anmutendes Konzept denn funktionieren? „Also ‚anarchisch’ finde ich übertrieben“, meint Nena. „Man sollte mehr Vertrauen in die Kinder haben. Der Mensch lernt sowieso – unser Gehirn kann gar nicht anders.“ Nena hat selbst vier Kinder, die zurzeit auf eine Waldorfschule gehen. Mindestens eins will aber nach den Sommerferien in Rahlstedt lernen.

Die Neue Schule Hamburg hat Plätze für 65 Schüler – und alle sind schon vergeben. „Wir haben sogar noch 50, 60 Kinder auf der Warteliste“, erzählt Nena. Die Schüler sind vier bis 17 Jahre alt. Nenas Schule bereitet auf den Realschulabschluss vor. Dafür müssen einmal im Jahr Vergleichsarbeiten geschrieben werden – eine Auflage der zuständigen Behörde der Stadt Hamburg. Nena hat nur Lob für die Beamten der Hansestadt: „Die Genehmigung ist für uns ein Wunder. Es war eine sehr mutige Entscheidung.“

Hier ist die Neue Schule beherbergt - die Gründerzeitvilla in Hamburg Rahlstedt. (Foto: Public Address)Hier ist die Neue Schule beherbergt - die Gründerzeitvilla in Hamburg Rahlstedt. (Foto: Public Address)

„Die Eltern bezahlen Schulgeld, sagt Thomas Simmerl, der wie Nenas Ehemann Mitglied der Schulleitung ist. „Aber es soll keine elitäre Schule werden. Deshalb sind es nur 150 Euro Schulgeld im Monat“. Ein Großteil des Geldes, den die Schule und ihr Unterhalt kosten, stammt aus den Taschen der Gründer, die auch das Schulgebäude von der Stadt erwarben. Nena: „Andere kaufen sich eine Yacht – wir kaufen uns eine Schule!“

Das Schulmodell geht übrigens auf die Sudbury Valley School zurück, die 1968 im US-Bundesstaat Massachusetts gegründet wurde und national wie international Nacheiferer fand. Ihr reformpädagogischer Ansatz ähnelt den Konzepten von Waldorf- oder Montessori-Schulen, geht jedoch noch weiter. So werden nicht nur Klassenstrukturen aufgehoben und die Schüler zur freien Entfaltung animiert, auch der schulische Rahmen ist jederzeit nach demokratischem Prinzip veränderbar.

Scoolz will von dir wissen, wie Du Nenas Konzept findest. Würdest du gerne auf eine solche Schule gehen? Werden die Schüler dort mehr oder weniger lernen als an einer staatlichen Gesamtschule? Und was hältst Du von 150 Euro Schulgeld im Monat? Diskutiere darüber in unserem Forum und nimm an unserer Umfrage teil!

[Heike]

Links

www.neue-schule-hamburg. org
Sudbury Valley School

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