Buch-Tipp

"Die Welle" von Morton Rhues

published: 29.12.2007

"Die Welle" ist im Ravensburger Buchverlag erschienen (Foto: Ravensburger Buchverlag)"Die Welle" ist im Ravensburger Buchverlag erschienen (Foto: Ravensburger Buchverlag)

Wir Menschen lernen doch aus der Vergangenheit. So etwas wie der Holocaust wird kein zweites Mal vorkommen, sagen viele. Blickt man heute jedoch auf Rwanda, Armenien oder den Kosovo, Orte, in denen in den letzen Jahren systematische Ausrottungen von Minderheiten stattfanden, ist die Realität eine andere.

Der amerikanische Autor Morton Rhue kam im Jahre 1981 zur selben Erkenntnis. Nachdem die Akten der Nürnberger Prozesse lange geschlossen worden waren, nachdem die Friedensbewegungen der 60er anfingen, in Vergessenheit zu geraten, war das Thema Faschismus erneut zu einem gesellschaftlichen Tabu geworden, über das nur noch wenig gesprochen wurde.

Rhue stieß auf ein Experiment des High School Lehrers Ron Jones, das im Jahre 1968 durchgeführt worden war. Als Jones im Unterricht das NS-Regime durchnahm, stieß er auf großes Unverständnis seiner Schüler der deutschen Bevölkerung gegenüber. Sie konnten sich nicht vorstellen, wie sich die breite Masse einer derartigen Manipulation ausgesetzt haben konnte. Das war der Ausgangspunkt eines pädagogischen Experiments, welches mit einer gefährlichen Geschwindigkeit ein Eigenleben entwickelte, um schließlich völlig aus dem Gleichgewicht zu geraten. Der engagierte Geschichtslehrer Jones schuf eine Schülervereinigung, die faschistoide Strukturen in Form von Hierarchien und einem einheitlichen Verhaltenskodex aufwies. Unerwarteterweise sprangen die Schüler sofort darauf an, auch der Lehrer steigerte sich in seine Führerrolle hinein. Am Schluss musste das Experiment abgebrochen werden, weil die Begleiterscheinungen von Intoleranz, Ausgrenzung und sogar Gewalt überhand nahmen.

Die literarische Umsetzung dieser Geschehnisse verschaffte Morton Rhues Roman "Die Welle" internationalen Erfolg. Jetzt hat die deutsche Illustratorin Stefani Kampmann Rhues Werk in eine Graphic Novel mit schwarz-weißen Comic-Zeichnungen verwandelt. Kampmanns Bilder sind bedrückend, lebendig und hautnah. Die Ereignisse rasen Film-ähnlich am Leser vorbei und liefern dennoch einen tiefen Einblick in die Kette von Ereignissen, die die desinteressierten Schüler zu knallharten Faschisten werden lässt.

[Gesche]

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