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Leistungsdruck

"Nur Mut!"

published: 11.10.2010

TK-Expertin Dr. Karin Anderson beantwortet wichtige Fragen zum Thema Leistungsdruck (Foto: Public Address)TK-Expertin Dr. Karin Anderson beantwortet wichtige Fragen zum Thema Leistungsdruck (Foto: Public Address)

Ob in der Schule, zu Hause oder in der Freizeit, alle anderen scheinen ständig besser zu sein? Immerzu strengst du dich an und hast trotzdem das Gefühl, Erwartungen von Eltern, Freunden oder dir selbst einfach nicht erfüllen zu können?
Die Expertin Dr. Karin Anderson beantwortet Scoolz-Usern Fragen zum Thema Leistungsdruck und Motivation.

Dr. Karin Anderson lebt im US-Bundesstatt Maine. Sie ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie und hat eine Zusatzausbildung für psychotherapeutische Medizin. Als Forenexpertin für Scoolz und die Techniker Krankenkasse berät sie unsere User kostenlos. Wenn du unserer Expertin ein Problem schildern möchtest oder eine Frage stellen willst, tue dies jederzeit gerne in den Foren Gefühlssachen oder Help.

Lara (12): Mein Bruder ist vier Jahre älter als ich und in unserer Familie sozusagen das "Problemkind". Meine Eltern haben ständig Zoff mit ihm wegen Kiffen, Schule, lange Wegbleiben und so. Bisher war ich immer diejenige, um die sie sich keine Sorgen machen mussten. Jetzt sind wir umgezogen und ich komme in meiner neuen Klasse überhaupt nicht mehr zurecht – die Leute mögen mich nicht und mit den Zensuren ist es auch nicht so doll. Ich habe jetzt Angst, dass ich meinen Eltern auch noch zur Last falle.
Dr. med. Karin Anderson: "Liebe Lara, Du bist offenbar sehr vernünftig und fühlst Dich ein Stück für Deine Eltern verantwortlich, weil sie durch den ständigen Ärger mit Deinem älteren Bruder so belastet sind. Wenn es in der Familie ein ´schwarzes Schaf´ gibt wie deinen Bruder, oder wenn ein Kind durch eine schwere Krankheit oder Behinderung viel Aufmerksamkeit beansprucht, geraten die unproblematischen oder gesunden Geschwister oft in die Rolle des ´pflegeleichten´ Kindes. Du willst Deine Eltern nicht noch zusätzlich belasten und frisst daher Deinen Kummer und Deine Sorgen in Dich hinein. Das ist zwar sehr rücksichtsvoll, aber letztendlich tust Du weder Dir noch Deinen Eltern einen Gefallen, wenn Du versuchst, sie von Deinen Problemen zu ´verschonen´. Deine Sorgen sind ja durch euren Umzug entstanden, niemand kann ernstlich erwarten, dass Deine Eingewöhnung in eine neue Umgebung und Schule völlig glatt und ohne jede Übergangsschwierigkeiten vonstatten geht. Du solltest daher mit Deinen Eltern lieber sofort über Dein Problem reden, denn wenn sich Deine Noten verschlechtern, was ja oft nach einem Schulwechsel erst einmal der Fall ist, werden sie es spätestens beim nächsten Zeugnis sowieso merken. Und ganz sicher wollen sie nicht, dass Du Dich mit Deinem Kummer ganz allein gelassen fühlst und traurig bist. Sie sind doch Deine Eltern und sie lieben Dich! Dir wird es auf jeden Fall helfen, wenn Du offen mit ihnen über Deine Sorgen sprechen kannst. Sie werden Dich sicher verstehen und dann auch nicht geschockt sein, wenn sich Dein Zeugnis vorübergehend verschlechtert. Und Deine neue Klasse - ich weiß, dass es oft längere Zeit braucht, bis man als Neuer von seinen Mitschülern akzeptiert wird. Aber wenn Du in Deiner alten Klasse mit den Leuten gut zurechtgekommen bist, wirst Du bestimmt auch in der neuen Klasse schließlich Freunde finden. Du darfst nur nicht den Mut verlieren, denn es kann etliche Monate dauern, bis Du und Deine Klassenkameraden euch besser kennengelernt habt."

Bettina (17): Ich bin in der Oberstufe des Gymnasiums, meine Noten sind eigentlich durchschnittlich gut. Mein Problem ist, dass meine Eltern das aber gar nicht toll zu finden scheinen. Meine große Schwester war immer besser als ich und von ihr sind sie fast nur Einsen gewöhnt. Da hab ich bei jeder Drei ein schlechtes Gewissen. Meine Eltern sagen zwar nichts, aber ich fühl´ mich trotzdem immer wie das dumme kleine Nachzüglerkind.
"Hallo Bettina! Vergleiche mit Geschwistern sind in Familien zwar kaum zu vermeiden, problematisch werden sie aber dann, wenn sie ständig zum Nachteil eines der Kinder ausfallen. Besonders, wenn eine ältere Schwester oder ein älterer Bruder scheinbar alle Idealvorstellungen der Eltern in punkto Leistungen, Aussehen, Beliebtheit usw. erfüllen, gerät der oder die Jüngere schnell nicht nur ins Hintertreffen, sondern auch unter großen seelischen Druck. Genauso nachteilig ist es, wenn Eltern einem ihrer Kinder ausschließlich eine Eigenschaft zuschreiben und das andere ausschließlich auf ein anderes Charakteristikum festlegen: ´Unsere Mona ist so intelligent, sie schafft die Schule mit links, dafür sieht unsere Jana aus wie ein Model und alle Jungen sind hinter ihr her!´ Solche Zuschreibungen können dann sogar dazu führen, dass Mona sich zeitlebens als das unattraktive ´hässliche Entlein´ fühlt und Jana kein Vertrauen in ihre intellektuellen Fähigkeiten hat. Am besten ist es, wenn Du versuchst, nicht ständig auf deine ältere Schwester zu schielen und zu versuchen, ihr Konkurrenz dort zu machen, wo sie offenbar - vielleicht, weil ihr das Lernen leichter fällt - im Vorteil ist. Du bist nicht eine weniger gelungene Zweitausgabe Deiner großen Schwester, du bist eine ganz eigene Persönlichkeit und Deine Begabungen - oder vielleicht auch nur Dein Hauptinteresse - liegen eben nicht in in außergewöhnlichen Schulleistungen! Du musst nicht unbedingt genauso gut in Englisch oder Mathe sein wie deine Schwester, es reicht völlig, wenn Du das Gymnasium mit guten Durchschnittsnoten schaffst. Wichtig ist vor allem, dass Du Deine Neigungen und Begabungen entdeckst und sie entwickelst, Du wirst bestimmt dort gut sein, wo Du mit Herz und Seele dabei bist und wo Du Dich wirklich für eine Sache interessierst. Wenn es Dir erst einmal gelingt, Dich innerlich von diesen ständigen Vergleichen mit Deiner großen Schwester freizumachen und Deinen eigenen Weg zu gehen, wirst Du vielleicht sogar feststellen, dass Deine Eltern Dich gar nicht so negativ beurteilen wie Du befürchtest."

Mischa (15): Hallo, ich spiele schon ewig Klavier und nehme auch immer an Wettbewerben in unserer Region teil. Eigentlich habe ich bisher fast immer gewonnen. Im Moment läuft es bei mir aber nicht so, außerdem gibt es da einen Neuen an unserer Schule, der auch mitmacht und viel besser spielt als ich. Alle denken aber, dass ich sowieso wieder gewinne, sodass es mir voll peinlich wäre, wenn das diesmal nicht so ist. Umso mehr ich mich unter Druck setze, umso schlechter spiele ich allerdings. Was kann ich machen, um mich nicht selber so runterzumachen?
"Lieber Mischa, könnte es sein, dass Du Dich vielleicht mangels ernstzunehmender Konkurrenz ein bisschen zu sehr auf Deinen Lorbeeren des unangefochtenen Regionalchampions ausgeruht hast? Wenn da plötzlich ein neuer Klavierschüler ist, der Dir das Wasser reichen oder sogar möglicherweise besser spielen kann als Du, könnte das ja auch ein Ansporn für Dich sein, wieder mit mehr Einsatz zu üben. Aber nicht nur, um es diesem neuen Konkurrenten zu zeigen, sondern um selber wieder ein Stück bei Deinem Klavierspiel weiterzukommen. Wenn Du es nämlich gewohnt bist, bei jedem Wettbewerb sowieso beinahe automatisch zu gewinnen, kann sich leicht das Gefühl einstellen, dass dieser Gewinn Dir auch zusteht, ohne dass Du Dir dafür noch besonders viel Mühe geben musst. Aus dieser beruhigenden Gewissheit wirst Du dann unangenehm wachgerüttelt, wenn Dein sicher geglaubter Sieg plötzlich durch einen Mitbewerber infrage gestellt wird. Leistungsdruck ist nicht immer nur eine schlechte Sache. Manchmal kann dieser Druck auch dabei helfen, neue Energien aufzubringen, sich wieder mehr anzustrengen, um ein gestecktes Ziel auch wirklich zu erreichen. Und überleg Dir auch einmal, ob das ´im Moment läuft es bei mir nicht so´ vielleicht nicht nur eine Ausrede ist, hinter der sich momentane Lustlosigkeit oder Bequemlichkeit verbirgt. Mischa, Du bist es Dir schuldig, dass Du Dir selbst (und nicht nur den anderen) beweist, dass Du ein so guter Klavierspieler bist, dass Du eine unerwartete Herausforderung als Chance siehst, Dich zu verbessern - und nicht nur als Anlass für eine mögliche Blamage!"

Jana (13): Seitdem ich sechs Jahre alt bin, schicken meine Eltern mich einmal in der Woche zum Ballettunterricht. Früher hat mir das auch viel Spaß gemacht, aber in letzter Zeit finde ich das Training immer total blöd. Meistens habe ich schon morgens beim Aufstehen schlechte Laune, wenn wieder Ballett ist. Ich traue mich aber nicht, das meinen Eltern zu sagen, weil sie immer ganz stolz allen Freunden und Bekannten von meinem Tanzen erzählen. Ich würde viel lieber mal was mit Freundinnen machen oder so. Wie soll ich meinen Eltern das sagen, ohne sie zu enttäuschen?

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