Sitzen bleiben

Desaster oder Chance?

published: 06.07.2008

Auch wenn es euch wie eine Katastrophe vorkommt, eine Klasse zu wiederholen kann auch eine neue Chance bedeuten (Foto: Public Address)Auch wenn es euch wie eine Katastrophe vorkommt, eine Klasse zu wiederholen kann auch eine neue Chance bedeuten (Foto: Public Address)

Das Schuljahr neigt sich dem Ende zu. Während eure Klassenkameraden mit frohen Erwartungen auf die Sommerferien hinfiebern, bleibt ihr mit einem Drücken in der Magengegend zurück. Das, wovor ihr euch seit Wochen oder sogar Monaten gefürchtet habt, ist nun eingetroffen: Ihr habt die Versetzung in die nächste Klassenstufe nicht geschafft und werdet eure Freunde nach den Ferien nur noch auf dem Pausenhof treffen.

Für viele Schüler bricht angesichts der Mitteilung, sitzen zu bleiben, eine Welt zusammen. Sie machen sich Sorgen, wie es weitergeht - ob Freundschaften bestehen bleiben, wie die neuen Lehrer sind und nicht zuletzt bleibt noch die schwere Aufgabe, den Eltern die schlechte Nachricht mitzuteilen. Jetzt heißt es: bloß den Kopf nicht zu sehr hängen lassen. Die Techniker Krankenkasse gibt euch einige Ratschläge, wie ihr mit der Situation fertig werdet und sie eventuell sogar als Chance nutzen könnt.

Wechsel oder Wiederholen?
Wer sitzen bleibt, kämpft meist schon über eine längere Zeit mit schlechten Noten und Lücken im Unterrichtsstoff – da bleibt der Frust oft nicht aus. Es gibt immer verschiedene Ursachen, die letztendlich dazu führen, dass ein Schüler eine Klasse wiederholen muss. Vielleicht fühlt ihr euch schon seit sehr langer Zeit im Unterricht überfordert? Besonders, wer es bislang immer gerade so mit Ach und Krach ins neue Schuljahr geschafft hat, steht vermutlich schon lange unter permanentem Druck, sich dringend verbessern zu müssen.

Oft haben Schüler Angst davor, wie ihre Eltern auf das schlechte Zeugnis reagieren (Foto: Public Address)Oft haben Schüler Angst davor, wie ihre Eltern auf das schlechte Zeugnis reagieren (Foto: Public Address)

Bevor ihr euch nun noch einmal durch das zu wiederholende Schuljahr quält, überlegt gemeinsam mit euren Lehrern und Eltern, ob euch eventuell mit einem Schulwechsel viel mehr geholfen wäre als mit einer "Ehrenrunde". Wer vom Gymnasium auf die Realschule oder von der Real- auf die Hauptschule wechselt, braucht sich keineswegs dafür zu schämen, im Gegenteil: Manchmal führt euch so ein Neuanfang viel direkter zu einem Beruf, der zu euch passt und euch gut gefällt. Wer mehr über die Schwerpunkte der verschiedenen Schulformen wissen möchte, kann übrigens hier weiter lesen.

Falls ihr euch nicht traut, dieses Thema zu Hause anzusprechen, könnt ihr euch auch an einen Vertrauenslehrer wenden, der euch bei allen weiteren Schritten unterstützen kann.

Wichtig: Ursachenforschung betreiben
Bei denjenigen, die bislang eigentlich immer gute oder durchschnittliche Schüler waren, ist die Versetzung vielleicht aus ganz anderen Gründen gescheitert: Eventuelle wart ihr im vergangenen Jahr einfach nicht bei der Sache oder über einen längeren Zeitraum erkrankt, sodass ihr viel Stoff versäumt habt? In einem solchen Fall birgt das, was auf den ersten Blick nun wie ein Desaster aussieht, beim zweiten Hingucken auch neue Chancen.

Ihr könnt quasi wieder von vorne anfangen, denn der Stoff, der euch im nächsten Jahr erwartet, ist zumindest teilweise ein "alter Bekannter". Ihr habt die Möglichkeit, euch noch einmal mit den Dingen auseinanderzusetzen, die euch bislang Probleme bereitet haben und wer weiß, vielleicht liegt euch der Erklärungsansatz eurer neuen Lehrer sogar besser.
Einige Schüler haben auch das Gefühl, bestimmte Lehrer hätten sie ohnehin schon als "Mathe-Null" oder "Chemie-Stümper" abgestempelt – egal, wie sehr sie sich bemühen. In einer neuen Klasse bekommt ihr oft die Möglichkeit, neuen Lehrern einen ebenso neuen Eindruck von euch zu vermitteln und hoffentlich aus der vermeintlichen "Schublade" herauszuwandern.

Maßnahmen ergreifen
Um im nächsten Jahr bessere Noten zu erzielen, ist es wichtig, mit euren Lehrern über die Ursachen des schlechten Zeugnisses zu sprechen. Sonst kann es schnell passieren, dass ihr zum selben Zeitpunkt wie im vergangenen Jahr nichts mehr vom Unterrichtsstoff versteht. Überlegt, wo eure besonderen Schwächen lagen und mit welchen Maßnahmen ihr diese in den Griff bekommen könnt. Vielleicht hilft es euch, wenn ihr eure Eltern mit zu dem Gespräch nehmt, und ihr gemeinsam über eventuellen Nachhilfeunterricht oder genaue Lernpläne nachdenkt.

Echte Freundschaften halten
Im neuen Schuljahr werdet ihr zwar nicht mehr mit euren alten Klassenkameraden die Schulbank drücken, zumindest auf dem Pausenhof könnt ihr euch aber täglich sehen und Neuigkeiten austauschen. Im Unterschied zu vorher teilt ihr nun nicht mehr die kleinen Tuscheleien über Lehrer und Mitschüler, wahre Freundschaften zeichnen sich jedoch sowieso durch mehr Tiefe aus, oder? Also keine Sorge: Freunde und Freundinnen, mit denen ihr wirklich etwas gemeinsam habt, werden euch auch erhalten bleiben.

Anstatt jedoch angestrengt zu versuchen, Teil der alten Klassengemeinschaft zu bleiben, lasst euch lieber auf eure neue Umgebung ein. Ihr findet eure neuen Klassenkameraden alle kindisch und albern? Seid einmal ganz ehrlich: Schützen diese Vorurteile nicht vielleicht eher davor, sich um neue Kontakte bemühen zu müssen? In der neuen Klasse gibt es bestimmt einige Schüler, mit denen ihr euch gut verstehen und zusammentun könnt. Allein möchte doch niemand wirklich bleiben, oder?

Wie sage ich es meinen Eltern?
Schlimm genug, dass ihr nicht gemeinsam mit eurer Klasse ins nächste Schuljahr starten dürft. Nun müsst ihr diese Tatsache auch euren Eltern beibringen. Viele Schüler machen sich nach einem schlechten Zeugnis große Sorgen, dass ihre Eltern enttäuscht von ihnen oder sogar böse auf sie sind. Allerdings dürfte auch für eure Eltern die Konsequenz nicht ganz unerwartet kommen, denn häufig existieren die Probleme ja schon über einen längeren Zeitraum. Blaue Briefe haben eine mögliche Versetzungsgefährdung angekündigt und die schwachen schulischen Leistungen zum Thema gemacht. Natürlich ist es nicht leicht, zuzugeben, dass man das Klassenziel nicht erreicht hat. Zwar müsst ihr mit etwas Enttäuschung rechnen, häufig reagieren Eltern auf eine solche Nachricht jedoch nicht so schlimm, wie befürchtet. Denkt daran, dass sie euch auch unabhängig von euren schulischen Leistungen lieb haben und versucht, gemeinsam das Beste aus der Situation zu machen.

Hier wird euch geholfen
Leider gibt es auch Eltern, die kein oder kaum Verständnis für schlechte schulische Leistungen aufbringen. Wer sich nicht ganz sicher ist, wie die Nachricht zu Hause aufgenommen wird, sollte sich an einen Klassen- oder Vertrauenslehrer wenden, der euch in dieser Situation zur Seite steht. Auch die Scoolz-Expertin Dr. Karin Anderson steht euch im Help-Forum mit Rat zur Seite. Die "Nummer gegen Kummer" berät und hilft euch ebenfalls: Kinder- und Jugendtelefon: 0800/111 0 333, Montag bis Freitag 15-19 Uhr; Jugendliche beraten Jugendliche: 0800/111 0 333, samstags 14-18 Uhr; Elterntelefon: 0800/111 0 550. Auch eine Internetberatung ist möglich, unter www.nummergegenkummer.de.

[TK]

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