Kulturhauptstädte Europas 2009

Linz und Vilnius im Vergleich

published: 20.03.2009

Linz - Blick auf die Altstadt  (Foto: Stadt Linz)Linz - Blick auf die Altstadt (Foto: Stadt Linz)

Hauptstädte gibt es in Europa viele. Europäische Kulturhauptstädte aber nur zwei. Linz in Österreich und Vilnius in Litauen dürfen sich 2009 mit der Bezeichnung schmücken. Verliehen wird dieser offizielle Titel vom Europäischen Rat. Dabei ist bis 2019 festgelegt, aus welchen Ländern die Bewerberstädte kommen dürfen. Seitdem 2007 neue Mitgliedstaaten in die EU aufgenommen wurden, geht der Titel immer an zwei Städte gleichzeitig. Diese kommen jeweils aus einem alten und einem neuen Mitgliedsland.

Auf europäischer Ebene steckt hinter der Idee der Kulturhauptstadt das Kennenlernen und das Zusammenwachsen. Die Grundlage eines gemeinsamen Europas ist ursprünglich eine wirtschaftliche gewesen. Umso wichtiger ist es, auch kulturell diese Verbindungen zu schaffen. Pünktlich mit dem Jahreswechsel laden Linz und Vilnius zum Kennenlernen ein. Mit einem umfangreichen Programm aus Kunst, Musik, Theater und Film, stellen die diesjährigen Titelträger sich und ihre Kultur vor. Höchste Zeit, die Kulturhauptstädte näher zu betrachten:

Linz09 – Programm zwischen Moderne und Geschichte
Kulinarisch ist die Stadt Linz bereits in der nach ihr benannten Torte verewigt. Die drittgrößte Stadt Österreichs ist anderthalb Stunden von Wien entfernt. Landschaftlich schön am Alpenvorland gelegen, erstreckt sich die Handels- und Industriestadt links und rechts am Donauufer. Durch die 1938 angesiedelten Stahl- und Rüstungswerke wurden die Grundlagen für den heutigen Industriestandort gelegt. Dem Ruf einer Arbeiterstadt wirkte Linz in den letzten Jahrzehnten entgegen, indem es stark auf modernen Kunst setzte. Im Ars Electronica Center, auch "Museum der Zukunft" genannt, steht die Computerkunst auf dem Programm. Für das Kulturjahr werden an "80+1" Tagen virtuell 20 Orte besucht, an denen Klimawandel, Terror oder Migration zukunftsweisende Rollen spielen. Eine zusammenfassende Online-Konferenz ist Abschluss und Höhepunkt der Ausstellung. Etwas klassischer kommt die Kunstausstellung "Best of Austria" daher. Seit Neujahr können hier zahlreiche Kunstwerke aus österreichischen Sammlungen bestaunt werden.

Das Zeitgeschichtliche darf aber auch nicht fehlen. Als ehemalige "Lieblingsstadt" Adolf Hitlers setzt Linz sich in der Ausstellung "Kulturhauptstadt des Führers" mit seiner NS-Vergangenheit auseinander. Architektonisch zeugt die Nibelungenbrücke noch aus dieser Zeit.

Nicht nur Industrie und Moderne wird geboten: Viele Ein- und Ausblicke eröffnen sich ein ganzes Jahr lang bei den zahlreichen Konzerten, Theateraufführungen, Stadterkundungen und Spaziergängen. Zum kulturellen Stadtgesicht von Linz gehören genauso die historische Altstadt, das Schloss, die geheimnisvollen Tunnelanlagen und ein Ausflug in die nah gelegene Natur.

Vilnius – Einladung zur (Wieder)Entdeckung der Kulturen
Die Hauptstadt Litauens befindet sich 40 km von der weißrussischen Grenze entfernt. Erbaut wurde sie an der Mündung der Flüsse Vilnia und Neris. "Kleine Welle" bedeutet daher der abgeleitete Name. Dass die Stadt im Russischen, Polnischen und Deutschen auch unter anderen Namen bekannt ist, deutet das Hin und Her der Nationen in diesem Gebiet an. Gleichzeitig unterstreicht dies bei Vilnius den multikulturellen Charakter, der auch im Kulturjahr eine wichtige Rolle spielen soll.

Prägend für das Stadtbild sind die mittelalterlichen Bauwerke, die sich auf der linken Flussseite befinden. Als Wahrzeichen thront die Burgruine von Großfürst Gediminas über der Altstadt. An ihrem Fuß befindet sich die römisch-katholische Kathedrale Sankt Stanislaus mit ihrem abseits stehenden Glockenturm. Seit 1994 ist Vilnius auch UNESCO-Weltkulturerbe und besitzt mit 360ha eine der größten und besterhaltenen Altstädte in Europa. Hier tummelt sich ein Mix aus allen klassischen Baustilen. Das "Tor der Morgenröte" beherbergt eine Ikone der "Barmherzigen Muttergottes" und ist Anlaufpunkt zahlreicher Pilger. Verträumt, verwinkelt und kleinstädtisch präsentiert sich das Künstlerviertel auf der anderen Seite des Flusses Neris. Eingebettet in dieses mittelalterliche Flair stehen einige Wolkenkratzer. Sie bilden den harmonischen Gegensatz zwischen Moderne und Historie.

Vilnius zeigt sich multikulturell. Kunst, Musik und Licht werden in verschiedenen Projekten das ganze Jahr hindurch präsentiert. Jazz-Kunst, Straßenmusik und Lichtfeste verknüpfen internationale Kultur. Das alternative Programm wird um polnische und jüdische Themen bereichert. Daneben gibt es klassische Kunstaustellungen oder besondere Theateraufführungen. Schon mit der Eröffnungsfeier gab es einen litauischen Besucherrekord, der ein lebhaftes Kulturinteresse 2009 bezeugt.

[Gregor]

Links

Linz – Kulturhauptstadt 2009
Homepage von Linz
Vilnius – Kulturhauptstadt 2009
Homepage von Vilnius

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