Rechenschwäche/Dyskalkulie

3 + 3 = 9?

published: 24.02.2009

Schüler mit einer Rechenschwäche benutzen häufig die Finger als Hilfsmittel (Foto:TK)Schüler mit einer Rechenschwäche benutzen häufig die Finger als Hilfsmittel (Foto:TK)

Warum ist eigentlich zehn weniger als hundert? Und weshalb ergibt dreimal drei neun, wenn drei plus drei sechs macht? Falls euch die Beantwortung dieser Fragen Probleme bereitet, habt ihr vielleicht eine Rechenschwäche. Menschen mit einer so genannten Dyskalkulie bereitet der Umgang mit Zahlen und Rechenzeichen große Probleme, ähnlich wie Legastheniker Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben.

Wenn euch oder einem Schulkameraden die Schule eigentlich leicht fällt, lediglich die Mathematik ein Buch mit sieben Siegeln bleibt, solltet ihr euch unbedingt über das Thema schlau machen. Die Techniker Krankenkasse hat die wichtigsten Informationen zusammengetragen.

Alles außer Rechnen
Nicht jeder, der in Mathe nicht so gut ist, hat gleich Dyskalkulie. Ist der- oder diejenige allerdings im Rechnen sehr viel schlechter als in den übrigen Schulfächern, könnte das ein Hinweis auf eine vorliegende Rechenstörung sein. Liegt ihr beispielsweise überall zwischen den Noten Zwei und Drei, und nur in Mathe steht ihr auf einer Fünf oder Sechs, leidet ihr möglicherweise an Dyskalkulie. Das bedeutet keineswegs, dass ihr dümmer als eure Klassenkameraden seid, in anderen Bereichen können Dyskalkuliker durchaus besser sein als ihre Mitschüler.

Ein Betroffener fühlt sich beim Rechnen etwa so, als ob er oder sie mit Buchstaben rechnen sollte – wer kann schon einfach sagen, ob es beispielsweise von K bis P weiter ist als von E bis G? In einer solchen Situation würde man beginnen, die Buchstaben an den Fingern abzuzählen – eine Methode, die Dyskalkuliker oft zur Hilfe nehmen.

Anzeichen für Dyskalkulie
Ingesamt leiden nach Angaben des Bundesverbandes Legasthenie und Dyskalkulie e.V. etwa fünf bis sechs Prozent aller Schüler an einer Rechenschwäche, leider wird sie jedoch häufig nicht als solche erkannt. Probleme machen sich schon in der Grundschule bemerkbar: Betroffene Kinder zählen wesentlich langsamer als andere, bei ersten Rechenoperationen bleiben ihnen die Grundregeln der Mathematik unverständlich. Zwar äußert sich eine Rechenschwäche bei jedem unterschiedlich, es gibt jedoch einige Anzeichen, die darauf hinweisen können:
• Dyskalkuliker benutzen beim Rechnen Hilfsmittel wie die Finger, Stifte oder andere Gegenstände
• Unterschiede von Größe, Form, Menge oder Länge sind ihnen unverständlich
• Sie verwechseln Grundrechenarten wie Addieren, Subtrahieren, Dividieren und Multiplizieren und verstehen die Unterschiede nicht
• Stellenwerte im Hunderter- und Tausender-Zahlenraum werden vertauscht oder verdreht
• Betroffene halten mathematische Regeln und Reihenfolgen selten ein, ihnen fällt es schwer, Graphiken oder Tabellen zu lesen oder auszuwerten
• Im Sachunterricht werden Karten nur schwer verstanden, manche Betroffenen haben auch Probleme mit Uhrzeiten, Entfernungen und Geschwindigkeiten sowie mit Tages-, Wochen- und Monatsabläufen
• Ein Dyskalkuliker hat keine Vorstellung von einer Menge, kann sich also beispielsweise unter der Zahl Drei nichts weiter vorstellen. Zahlen sind für sie, ähnlich wie Buchstaben, inhaltslose Symbole, die sie wie das Alphabet auswendig lernen

Es gibt Hilfe
Wenn ihr bei euch selber oder einem Mitschüler eine Dyskalkulie vermutet, solltet ihr unbedingt mit euren Eltern und eurem Lehrer darüber sprechen. Stures Üben der Grundrechenarten ohne die richtige Beratung hilft in einem solchen Fall nämlich überhaupt nicht. Um den Verdacht einer Rechenschwäche zu überprüfen, lasst euch vom Schulpsychologen oder einem Facharzt untersuchen. Anhand von speziellen Tests können diese feststellen, welches Mathematikverständnis überhaupt vorhanden ist. Erst dann ist es mit gezielten Fördermaßnahmen möglich, die mathematischen Defizite langsam aufzuarbeiten.

[TK]

Links

www.bvl-legasthenie.de

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