Ausstellungs-Tipp

"Picasso und das Theater"

published: 11.10.2006

Pablo Picasso - „Harlekin mit Gitarre“, 1918  (Foto: Succession Picasso) Pablo Picasso - „Harlekin mit Gitarre“, 1918 (Foto: Succession Picasso)

Der produktive spanische Künstler durchlebte die blaue und die rosa Phase, entwickelte mit dem Kubismus eine völlig neue künstlerische Stilrichtung und wird völlig zu Recht zu den größten Malern des 20. Jahrhunderts gezählt. Sein kritisches Werk „Guernica“ ist auch jedem Kunstbanausen unter uns ein Begriff und steht heute noch, fast 70 Jahren nach seinem Entstehen, als Sinnbild für die Grausamkeit des Krieges und das sozialkritische Engagement des Künstlers. Soviel ist uns allen über Pablo Picasso bekannt.

Unter Kunst-Experten ist selbst Picassos Vorliebe für das Theater kein Geheimnis, befasste sich doch das Ausnahmetalent schon in frühen Werken mit tragisch-komischen Themen und Motiven des Volkstheaters und der Commedia dell'Arte, wie dem Pierrot und dem Harlekin („Harlekin mit Gitarre“ von 1918).

Fast unbekannt ist dagegen die Tatsache, dass Picasso das Theater nicht nur als Quelle der Inspiration nutzte, sondern auch, weitab vom Trubel um seine Person als Maler, die Bühnen seiner Zeit prägte. Diesem oft vernachlässigten Aspekt widmet sich die Ausstellung „Picasso und das Theater“ in der Schirn Kunsthalle Frankfurt. 20 Jahre nach der allgemeinen Ausstellung „Die Maler und das Theater des 20. Jahrhunderts“ wird nun am Beispiel Picassos auf dieses Thema zurückgegriffen.

Sein künstlerisches Schaffen für die Bretter, die die Welt bedeuten, begann beim Pariser Ballett „Parade“ in Zusammenarbeit mit dem Gründer des berühmten „Ballet Russe“, Serge Diaghilew. Im Anschluss daran folgten etliche Bühnenbilder, Kostüme und aufwändige Theatervorhänge, die Picasso für Choreographien wie „Le Tricorne“ und „Pulcinella“ entwarf. Fotografien, Entwürfe und Originale dieser Arbeiten sind selten erhalten und oft nicht mehr transportfähig. Entgegen aller Widrigkeiten ist es den Veranstaltern der Ausstellung „Picasso und das Theater“ gelungen, existierendes Material für eine umfassende Darstellung dieses Themas zusammenzutragen. Der Großteil der Ausstellungsstücke stammt aus Privatbestand und ist das erste Mal in Deutschland zu sehen.

Pablo Picasso - Bühnenbildentwurf für „Le Tricorne“, 1919 (Foto: Succession Picasso)Pablo Picasso - Bühnenbildentwurf für „Le Tricorne“, 1919 (Foto: Succession Picasso)

Der Fokus der Ausstellung liegt, anders als es der Titel vielleicht vermuten lässt, nicht ausschließlich auf Picassos Schaffen für das Theater. Ausgewählte Gemälde, Zeichnungen und Skizzen machen außerdem die Wechselwirkung zwischen dem Medium und Picassos Malerei deutlich.

So ist in vielen der späteren Stilleben die für das Theater typische Inszenierung von Gegenständen und Personen deutlich in seiner Bildkonzeption erkennbar. Und die Erfahrungen, die Picasso beim Ballett machen konnte, finden sich beispielsweise in den fließenden und dynamischen Bewegungen seiner Körperstudie „Zwei laufende Frauen am Strand (Das Rennen)“ wieder.

Vom 21. Oktober 2006 bis zum 21. Januar 2007 habt ihr die Gelegenheit, diese oft außer Acht gelassene Facette Picassos künstlerischer Laufbahn kennen zu lernen. Die insgesamt 80 Exponate aus dem Zeitraum zwischen 1900 und 1930 zeigen, mit welcher Leidenschaft Picasso das Theater liebte und mit welcher Kreativität das Universaltalent die dort gewonnenen Eindrücke in seinen weiteren Werken verarbeiten konnte.

[Franziska Zölzer]

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