Autor von „Bildung“ und „Der Campus“

Dietrich Schwanitz gestorben

published: 22.12.2004

Dietrich Schwanitz (Foto: Public Address)Dietrich Schwanitz (Foto: Public Address)

Er gefiel sich in der Rolle des blitzgescheiten, geistreichen Querdenkers – Dietrich Schwanitz. Der Hochschulprofessor, Bestsellerautor und Bildungskritiker ist tot. Nach Polizeiangaben wurde er in seiner Wohnung in Hartheim im Breisgau leblos aufgefunden. Es gebe keine Hinweise auf einen gewaltsamen Tod oder auf Selbstmord, so die Staatsanwaltschaft. Schwanitz habe an einer schweren Krankheit gelitten. Er wurde 64 Jahre alt.

Der Anglist, der bis 1997 an der Universität Hamburg am Seminar für Englische Sprache, Literatur und Kultur lehrte und zunächst als Literaturwissenschaftler Karriere machte, heizte nach seiner vorzeitigen Pensionierung u.a. die Bildungsdebatte in Deutschland an. Kaum eine Talkshow und kaum ein Thema, in der und zu dem sich der gewiefte Rhetoriker nicht äußerte. Durch seine Medienpräsenz und Eloquenz handelte er sich den Ruf eines Populisten und eitlen Akademikers ein; durch seine zum Teil eigenwilligen Ansichten den eines Nestbeschmutzers und Frauenfeindes. Oft gewann man den Eindruck, es ging ihm weniger um die Sache, als um das clevere Reden über sie. Schwanitz, der im Kulturbetrieb geschickt zu agieren wusste, nannte die Universität einmal „eine Veranstaltung zur wechselseitigen Behinderung aller“.

Schwanitz war am 23. April 1940 in Werne an der Lippe im Ruhrgebiet geboren worden. Bis zu seinem elften Lebensjahr wuchs er bei Bergbauern in der Schweiz auf, ohne die Schule zu besuchen. Erst 1950 konnte er zu seinen Eltern zurückkehren und wurde sofort im Gymnasium aufgenommen.

Seine Büchern "Der Campus" (1995) und "Bildung - alles was man wissen muss" (1999) standen wochenlang ganz oben in den Bestsellerlisten. "Campus" ist ein Universitätsroman nach angloamerikanischem Vorbild, der eine Geschichte um Intrigen und sexuelle Belästigung an einer deutschen Hochschule erzählt. Der Roman wurde von Sönke Wortmann mit Heiner Lauterbach in der Hauptrolle verfilmt. Sein letztes Buch „Männer“ (2001) fand weniger Käufer. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ beschrieb es als „Versuch, Frauen zu beobachten, wie sie Männer beobachten, um ihnen zu sagen, was sie nicht sehen, wenn sie den Mann nur als misslungene Frau betrachten“.

Im Sommer 2003 eröffnete Schwanitz im südbadischen Hartheim ein Zentrum, an dem er Nachwuchskünstler aus den Bereichen Literatur und Theater ausbildete. Die genaue Todesursache soll eine Obduktion in der Rechtsmedizin Freiburg klären.

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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