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Günter Grass gibt Tipps für Nachwuchsautoren

Nimm Kurs auf den Literatur-Nobelpreis!

published: 04.02.2015

Günter Grass sprach mit Pointer über E-Mails und Schreibmaschinen, den "Like-Button" und digitale Vereinsamung (Foto: Public Address) Günter Grass sprach mit Pointer über E-Mails und Schreibmaschinen, den "Like-Button" und digitale Vereinsamung (Foto: Public Address)

Wie findet man als junger Schriftsteller seine Stimme und setzt sich durch? Was bedeuten soziale Netzwerke und E-Mails für die Kommunikation der Gegenwart? Wie verändern Internet und digitale Welten die Alltags-Sprache? Pointer hat den Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass gefragt. Seine Antworten haben uns überrascht.

Günter Grass gibt Tipps für Nachwuchsautoren Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass im Interview: Der 87-Jährige spricht über seine Ansichten zu E-Mails, Handys und Internet und darüber, wie sich die deutsche Sprache unter dem Einfluss de Günter Grass gibt Tipps für Nachwuchsautoren

Günter Grass über E-Mails und den "Like"-Button


Der heute 87-Jährige gilt als einer der wichtigsten deutschen Nachkriegsschriftsteller. Neben "Die Rättin" und "Im Krebsgang" ist er vor allem für seinen Roman "Blechtrommel" aus der Danziger Trilogie berühmt. Der Protagonist Oskar weigert sich im Alter von drei Jahren, weiter zu wachsen, und protestiert gegen die Erwachsenenwelt, indem er auf eine Spielzeugtrommel schlägt und mit schrillen Stimme schreit, bis Glas zerbirst. Durch diese Figur erzählt Grass in bildhafter, drastischer Sprache die Geschichte der Familie Mazerath von 1899 bis in die 50er-Jahre des 20. Jahrhunderts. Auch später gehörten Nationalsozialismus, Schuld, Krieg und Aufarbeitung der Vergangenheit zu den prägenden Themen seines Schaffens.


Grass, der 1927 in Danzig-Langfuhr geboren wurde, meldete sich mit 15 Jahren freiwillig zur Wehrmacht. Mit 17 wurde er zur Waffen-SS einberufen und im Zweiten Weltkrieg verwundet. Bei Kriegsende geriet er in amerikanische Gefangenschaft und gab sich als Angehöriger der Waffen-SS zu erkennen. Nach seiner Entlassung verdiente er seinen Lebensunterhalt zunächst als Erntehelfer und Arbeiter. 1948 absolvierte er ein Praktikum bei einem Steinmetz in Düsseldorf. Anschließend studierte er Bildhauerei und Grafik an der Düsseldorfer Kunstakademie und der Berliner Hochschule für Bildende Künste. Neben dem Studium schrieb er Gedichte und Theaterstücke. 1955 wurde er Mitglied der Gruppe 47. Dieser literarisch-gesellschaftskritischen Vereinigung gehörten u.a. prominente Literaten wie Heinrich Böll und Ingeborg Bachmann an. Noch vor der Veröffentlichung wurde Grass für sein Manuskript "Die Blechtrommel" der Preis der Gruppe 47 zugesprochen. Der Roman machte Grass mit einem Schlag berühmt. Die Verfilmung durch Volker Schlöndorff wurde als Bester Fremdsprachiger Film mit einem Oscar sowie der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichnet.

Günter Grass (29 Bilder)

Günter Grass
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Neben zahlreichen weiteren kraftvollen literarischen Werken machte sich Grass auch als Bildhauer und Grafiker sowie durch politisches Engagement einen Namen. Zwischen 1961 und 1972 unterstützte Grass Willy Brandt und die Bundestagswahlkämpfe der SPD. Aus Protest gegen die Asylpolitik der SPD trat er 1992 aus der Partei aus. Grass engagierte sich weiterhin stark, u.a. gegen Atomkraft, für Flüchtlinge, Sinti und Roma sowie gleiche Rechte und Pflichten bei einer Lebenspartnerschaft Homosexueller. Grass ist ein Gegner der Rechtschreibreform und verwendet auch in neueren Werken weiterhin die traditionelle Rechtschreibung. 1999 erhielt Grass für sein Lebenswerk den Nobelpreis für Literatur. In der Begründung heißt es, er habe "in munterschwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet".


Dass er selbst im Alter von 17 Jahren der Waffen-SS angehört hatte, machte Grass erst 2006 in einem Interview zu seinem autobiographischen Werkes "Beim Häuten der Zwiebel" öffentlich bekannt. Während seiner Zugehörigkeit zur Waffen-SS sei er an keinen Kriegsverbrechen beteiligt gewesen und habe darüber hinaus keinen Schuss abgegeben, so Grass. Als Ladeschütze sei er stattdessen für das Nachladen zuständig gewesen. Grass' Offenbarungen lösten einen Sturm der Entrüstung aus. Die CDU-Politiker Wolfgang Börnsen und Philipp Mißfelder forderten den Literaten zur Rückgabe seines Nobelpreises auf. Die Aberkennung des Preises schloss der Direktor der schwedischen Nobelstiftung, Michael Sohlman, in der Zeitung "Dagens Nyheter" jedoch aus. Die Vergabe der Auszeichnung sei endgültig.


Kritisiert wurde nicht nur Grass' Vergangenheit an sich sondern vor allem das lange Schweigen, mit dem der Schriftsteller und Künstler seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS vor der Öffentlichkeit verborgen hatte. Sein Biograf Michael Jürgs sah in der späten Offenbarung das "Ende einer moralischen Instanz". Der ehemalige polnische Präsident und Friedensnobelpreisträger Lech Walesa überlegte laut, Grass die Ehrenbürgerschaft der Stadt Danzig abzuerkennen. Nachdem Grass in einem Schreiben an die Stadt Danzig Reue bekannt hatte und sich in einer Umfrage zwei Drittel der Einwohnern gegen eine Aberkennung aussprachen, nahm die Stadt von diesem Schritt Abstand. Grass' spätes Bekenntnis ändere nichts an der Qualität seiner Literatur und seinen Verdiensten für die deutsch-polnische Aussöhnung, sagte der Danziger Bürgermeister Paweł Adamowicz.

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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