Studie

Gewaltspiele machen nicht aggressiv

published: 21.03.2018

Forscher haben in einer Studie keine gesteigerte Aggressivität bei Spielern von gewaltverherrlichenden Games festgestellt (Foto: lassedesignen/Shutterstock.com) Forscher haben in einer Studie keine gesteigerte Aggressivität bei Spielern von gewaltverherrlichenden Games festgestellt (Foto: lassedesignen/Shutterstock.com)

Gewaltspielen am Computer beeinflussen das Aggressionsverhalten der Spieler nicht nachhaltig oder langfristig. Dies haben Forscher des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) in einer Studie herausgefunden. Die Wissenschaftler untersuchten Erwachsene, die über einen Zeitraum von zwei Monaten im Schnitt 33 Stunden lang ein Gewaltspiel spielten. Erforscht werden muss noch, ob diese Ergebnisse auch auf das Verhalten von computerspielenden Kindern oder Jugendlichen übertragen werden können.

"Der in der Öffentlichkeit oft angeführte negative Einfluss von Gewalt-Videospielen auf das Verhalten der Spielerinnen und Spieler lässt sich wissenschaftlich nicht nachweisen. In unserer Studie konnten wir keine signifikanten oder relevanten Verhaltensänderungen der erwachsenen Probanden feststellen. Nun ist noch zu erforschen, ob sich auch das Verhalten von Kindern und Jugendlichen nicht durch das Spielen von Gewaltspielen nachhaltig verändert", sagt Studienleiterin Prof. Dr. Simone Kühn aus der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des UKE.
 


Die in den Debatten über Gewaltspiele bisher genutzten Argumente stützten sich im Wesentlichen auf Studien, in denen die Teilnehmenden nur zwischen Minuten und Stunden ein Gewaltspiel gespielt haben. Außerdem wurde das Verhalten der Spieler in den bisherigen Studien lediglich unmittelbar nach dem Spielen untersucht, wenn die Spieler noch im"„Shoot em up-Modus" waren. Dieses Phänomen ist in der Psychologie schon lange unter dem Begriff "priming" oder Bahnung bekannt. Jetzt haben die Wissenschaftler untersucht, wie und ob sich das Aggressionsverhalten langfristig ändert, wenn die Spieler über einen längeren Zeitraum ein Gewaltspiel spielen.

An der Studie nahmen 90 Erwachsene teil, die in ihrem Alltag nicht regelmäßig Videospiele spielen. Für die Studie wurden sie in drei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe spielte in einem Zeitraum von zwei Monaten das gewaltverherrlichende Spiel "Grand Theft Auto", in dem die Spieler für ihr aggressives Verhalten belohnt werden. Die Teilnehmenden der anderen Gruppe spielten im gleichen Zeitraum das Videospiel "Sims", in dem die Spieler virtuelle Figuren kreieren, deren Aussehen sowie Personalität sie individuell anpassen und die sie dann in ihren sozialen Netzwerken begleiten können. Eine dritte Gruppe spielte keine Videospiele.
 


Vor und nach diesen zwei Monaten, in denen die Probanden im Durchschnitt 33 Stunden spielten, untersuchten die Wissenschaftler anhand verschiedener Tests das Verhalten der Studienteilnehmenden. Mit Fragebögen und impliziten Verhaltenstests wurden die Aggression sowie die unterschwellige Aggression der Teilnehmenden getestet. Darüber hinaus untersuhte man auch das Sozialverhalten, vor allem die Fähigkeit zur Empathie. Die Tests wurden zwei Monate nach dem letzten Videospiel wiederholt. Dabei stellten die Forscher keine signifikanten oder relevanten Verhaltensänderungen der Spieler fest – weder beim Vergleich der Testergebnisse vor dem Spiel und einen Tag nach dem letzten Spiel noch beim Vergleich des Verhaltens vor Beginn des ersten Spiels und zwei Monate nach dem letzten Spiel.
 

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