Debatte um Lootboxen

Glücksspiel in Videospielen - ein Problem?

published: 07.08.2019

Das neue DLC für "GTA Online" beinhaltet ein großes Casino (Screenshot: https://www.youtube.com/watch?v=lX_IN4v-RnA / Rockstar Games) Das neue DLC für "GTA Online" beinhaltet ein großes Casino (Screenshot: https://www.youtube.com/watch?v=lX_IN4v-RnA / Rockstar Games)

Mehrere Abgeordnete der bayerischen Landesregierung fordern mehr Jugendschutz bei Videospielen mit Lootboxen. In einem Antrag setzen sie sich dafür ein, Lootboxen als Glücksspiel anzusehen und Jugendliche davor zu schützen. Glücksspiel in Videospielen ist schon seit einigen Jahren Thema. Lootboxen oder sogar ein neues, virtuelles Casino im beliebten Open-World-Spiel "GTA Online" heizen die Debatte an. Pointer gibt einen Überblick.

Was sind Lootboxen?

Lootboxen tauchten Mitte der 2000er zunächst in asiatischen Videospielen auf. Mittlerweile sind sie fester Bestandteil vieler beliebter Spielen wie der Sportsimulation "FIFA 19" oder dem Battle-Royal-Game "Fortnite". Die Boxen kann man mit Echtgeld kaufen. Sie enthalten virtuelle Gegenstände. Diese können wie im Fall von "Fortnite" ausschließlich kosmetischer Natur sein, beispielsweise ein neuer Skin für den eigenen Charakter. Sie können aber auch erheblichen Einfluss auf den Erfolg im Spiel haben, wie es beispielsweise beim Spielmodus "Ultimate Team" in "FIFA 19" der Fall ist. Der Inhalt der Boxen ist zufällig, es gibt gewöhnliche und seltene Gegenstände. Wenn man also Pech hat, erhält man nur schlechte Gegenstände, die im Ingame-Markt deutlich weniger wert sind, als man für die Lootbox ausgegeben hat.




Der Fall "FIFA 19" - Glücksspiel oder nicht?

Insbesondere der Spielmodus "Ultimate Team" der beliebten Fuballsimulations-Reihe "FIFA" steht immer wieder in der Kritik. In dem Spiel kann man sich für echtes Geld Packungen kaufen, in denen zufällige Spieler enthalten sind. Gute Spieler werten ein Team deutlich auf, sodass man mit diesem in Online-Spielen erfolgreicher wird. Der Spielmodus fällt deswegen in die Kategorie "Pay to Win" ("Bezahle, um zu gewinnen"). Oft reichen sogar Hunderte Euros nicht aus, um sich von Beginn an ein starkes Team zu bauen. Eine Ähnlichkeit mit Glücksspiel ist dabei kaum von der Hand zu weisen.

Das ist insbesondere deswegen problematisch, weil das Spiel ab 0 Jahren freigegeben ist. Zwar ist der Kauf von Packungen für echtes Geld erst ab 18 Jahren gestattet, doch die Sicherheitsbestimmungen lassen sich auf den Konsolen leicht umgehen. In Belgien kann man seit Anfang diesen Jahres kein Geld mehr in "FIFA 19" stecken. Die belgische Regierung erklärte Lootboxen für unzulässig. Entwickler Electronic Arts gab widerwillig nach und entfernte die In-Game-Käufe aus der belgischen Version des Spiels. Das Unternehmen sieht in seinen In-Game-Angeboten dagegen kein Glücksspiel. Das sagte EA-Mitarbeiterin Kerry Hopkins vor einem Parlamentsausschuss in Großbritannien. Die von EA angebotenen Lootboxen bezeichnete sie als "Überraschungsmechanik".
 

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Rechtliche Lage in Deutschland

In Deutschland fallen Lootboxen aktuell nicht unter Glücksspiel. Das liegt unter anderem auch daran, dass die Bundesländer für die Glücksspielaufsicht zuständig sind und eine generelle Definition in diesem Fall schwierig wird. Außerdem ist das Thema Lootboxen bisher noch nicht umfänglich behandelt worden. Jugendschutzorganisationen wie die USK haben keine rechtliche Grundlage, die Altersgrenze bei Spielen mit Lootboxen auf 18 anzuheben. So sind Spiele wie "FIFA 19" weiter ab 0 Jahren verfügbar.

Der Vorstoß der bayerischen Abgeordneten möchte rechtliche Rahmenbedingungen schaffen, um das zu ändern. Sie setzen sich für eine Kennzeichnung der Spiele mit Glücksspielinhalt ein. Außerdem sollen diese nur von Erwachsenen gekauft werden dürfen. Zur Durchsetzung müsse die deutsche Regierung den Jugendmedienschutzstaatsvertrag und das Jugendschutzgesetz reformieren. Über den Antrag verhandelt der bayerische Landtag im September dieses Jahres.

Trailer zum "GTA Online"-DLC


Ein Casino in "GTA Online"

Für Aufsehen hinsichtlich der Glücksspiel-Debatte sorgte jüngst auch ein neues DLC für das Open-World-Spiel "GTA Online". Das kostenlose Update trägt den Namen "The Diamond Casino & Resort" und bringt ein umfängliches Casino in die fiktive Stadt Los Santos. Dort können Spiele wie Roulette oder Blackjack gezockt werden. Einsatz ist die virtuelle Währung "GTA-Dollar", die man auch für echtes Geld kaufen kann. 8 Millionen GTA-Dollar kosten etwa 75 Euro. In Deutschland dürfen allerdings für echtes Geld erworbene GTA-Dollar nicht im Casino eingesetzt werden. Nur GTA-Dollar, die man sich mit Missionen oder anderen Aktivitäten im Game erspielt hat, können im Casino verprasst werden. In vielen anderen Ländern gibt es diese Einschränkung nicht. Das führte dazu, dass das DLC in über 50 Ländern nicht verfügbar ist. Entwickler Rockstar Games kratzt mit dem DLC schon haarscharf an echtem Glücksspiel. Da das Spiel aber erst ab 18 ist, sollen Minderjährige zumindest rein rechtlich mit dem GTA-Casino nicht in Berührung kommen. Die Realität sieht vermutlich anders aus...

Der Autor: Jonas Bickel

Der Autor: Jonas Bickel

Leben, wo andere Urlaub machen: Jonas ist auf der Nordseeinsel Föhr aufgewachsen. Jeden Tag am Meer zu sein, ist zwar schön. Früh war aber klar: Journalismus auf der Insel - da kommt man nicht weit. Also nach dem Abitur ab in die Medienstadt Hamburg, wo Jonas seit 2015 Politikwissenschaft studiert. Für Pointer schreibt er oft über seine großen Hobbys: Sport - insbesondere Fußball - und Gaming.

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Links

Mehr Infos zum Casino-DLC von "GTA Online"
Der Antrag der bayerischen Abgeordneten

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