Game-Tipp

"Marc Ecko’s Getting Up"

published: 21.03.2006

Getting Up ist für PC, PS2 und Xbox erhältlich.  (Foto: Atari) Getting Up ist für PC, PS2 und Xbox erhältlich. (Foto: Atari)

„Junge, wenn du jetzt gehst, dann brauchst du nicht wieder zu kommen!“ Mit diesen Worten wird der Held unserer kleinen Geschichte in die böse, kalte Welt entlassen. Trane ist ein athletischer und rebellischer Jungspund, der ganz heiß darauf ist, seine Markierung in der ganzen Stadt zu verteilen. Seine Oma ist dagegen, doch Trane geht und kommt fürs erste auch nicht wieder. Stattdessen legt er sich in der futuristischen New Radius City mit Sprayer-Banden, dem korrupten Polizeistaat und der U-Bahn-Behörde an. Denn Trane ist ein „Tagger“, er läuft mit Spraydosen, Filzstiften, Schablonen und Stickern bewaffnet durch U-Bahn-Schächte, Ladenzeilen und Straßenschluchten, um seinen Namen überall hinzupflastern, wo er möglichst auffällig platziert ist. Er ist ein Sprayer und in „Marc Ecko’s Getting Up: Contents Under Pressure“ geht es um seinen Weg vom „Toy“ zum „All Star“. So macht Trane sich auf, um sich „Sweet Spots“ zu ergattern, seine „Tags“ zu verteilen und die Stadt zu „bomben“.

Was hier mit so vielen Anglizismen glänzt, ist die authentische Sprache der Graffiti-Szene, die mit „Getting Up“ eine Art virtueller Huldigung erfährt. Das Spiel konzentriert sich auf die in der Sprayer-Jugendkultur verbreitete Meinung, Graffiti sei eine Kunstform, ein Sprachrohr der Unterdrückten. Polizei und Wachmänner sind bestenfalls hinderlich, meist jedoch die korrupte Staatsmacht, die die Kunst verhindern will. Dabei ist „Getting Up“ nicht gerade zimperlich im Umgang mit anderen Menschen. Hier wird gerne auch mal zugeschlagen, bis einer umkippt. Klar, das Spiel ist nicht realistisch und eine Warnung am Beginn vermittelt uns, dass Sprayen Sachbeschädigung ist, doch der Rest des Spiels lässt die negativen Seiten des Sprayens unreflektiert stehen. Kein Wort über Millionenschäden und dämliches Profilierungsgehabe Pubertierender. Es wird zwar immer wieder der Status echter Sprayer gezeigt, doch einer kritischen Auseinandersetzung mit der Illegalität der Kunst wird aus dem Weg gegangen, schließlich ist New Radius City ein totalitärer „Bullenstaat“. Da muss man sogar illegal sein.

Wenn man diese sozial nicht gerade unproblematische Komponente ignoriert, dann bietet Getting Up eine gut erzählte Geschichte, schöne Grafik und zumindest anfänglich eine tolle Spielmechanik. Allerdings wird das Sprayen irgendwann zur Qual, da es sich im Prinzip immer wiederholt. Die Geschicklichkeit die notwendig ist um nach ganz oben zu kommen, ist eine Frage der Übung, danach sind die Action-Einlagen nur noch der Weg, um die Story voranzutreiben, bringen aber mehr wiederholten Frust als Spaß. Insgesamt ist das Spiel schon sehr lustig, aber voll auskosten kann man es nur, wenn man sich die Mühe macht und sein „Black Book“ gestaltet, also wenn neue und eigene Graffiti-Designs kreiert werden. Wirklich schön und überzeugend dagegen ist die Einbindung in die reale HipHop-Kultur. So spricht im Original Sean „P.Diddy“ Combs die Figur des Trane. Im deutschen Spiel übernimmt hingegen Rapper Afrob die Hauptrolle. Auch auf einen authentischen Sprachgebrauch (s.o.) wurde geachtet und die Musikauswahl des Spiels bietet ein Best of der derzeitigen Szenegrößen.
Aber immer schön dran denken: Einfach die Spraydose schnappen und lossprühen ist illegal und bringt euch nur Ärger ein, macht das lieber virtuell!

[PA]

Amazon

Links

www.atari.com/gettingup/

Hochschulkarte

Suche

Mimadeo / shutterstock.com
Über 19.000 Studiengänge an 747 Hochschulstandorten
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung