Game-Tipp

"The Da Vinci Code – Sakrileg"

published: 06.06.2006

„The Da Vinci Code - Sakrileg“ ist für die PC, PS2 und Xbox erhältlich. (Foto: Take 2)„The Da Vinci Code - Sakrileg“ ist für die PC, PS2 und Xbox erhältlich. (Foto: Take 2)

Wir haben es dem Besteller „Sakrileg“ von Dan Brown zu verdanken, dass der Zeitgeist reges Interesse an den Werken und dem Genie des Leonardo Da Vinci zeigt. Nicht zuletzt die aktuell im Kino zu sehende Verfilmung mit Tom Hanks vermochte, das Thema Da Vinci in alle Boulevard-Magazine dieser TV-Welt zu hieven. Klar, dass da auch die Entwickler von Computerspielen nicht hinten an stehen wollen und so sind derzeit gleich zwei Spiele auf dem Markt, die sich am Da-Vinci-Kuchen satt essen wollen.

Zum einen ist das mit Buch und Film völlig übereinstimmende „The Da Vinci Code – Sakrileg“, quasi ein Spiel zum Film, zum Buch, bei dem man sich als Robert Langdon durch die bekannte Handlung rätselt, um so der großen Brownschen Verschwörung der katholischen Kirche auf die Schliche zu kommen. Zum anderen ist da „The Secrets Of Da Vinci“, das im 16. Jahrhundert spielt und sich mit der Suche nach einem verschollenen Dokument beschäftigt, das der Meister in seiner bescheidenen Behausung in Frankreich hinterlassen hat. Beiden Spielen ist gemein, dass sie aus dem Hype um Leonardo Gewinn schlagen und als Adventure aufgebaut sind, was eine Menge Rätselspaß bedeuten sollte.

„The Secrets Of Da Vinci – Das verbotene Manuskript“ ist für PC erhältlich. (Foto: Nobilis)„The Secrets Of Da Vinci – Das verbotene Manuskript“ ist für PC erhältlich. (Foto: Nobilis)

Leider ist das aber bei beiden Spielen nur eingeschränkt der Fall. So wartet „Da Vinci Code“ mit einer Menge Action auf, die uns aus Film und Buch unerklärlich erscheint und in Anbetracht der Tatsache, dass Langdon ein Harvard-Professor ist, auch kaum einer realistischen Motivation zu entspringen scheint. Statt leicht verknöchert nach Rätseln zu suchen, ist dieser Professor ein Indiana Jones der Post-Moderne und boxt, ringt und sprintet durch die Level, als sei er zum Schwarzenegger mutiert. Das ist zwar spielerisch toll gemacht und bringt zumindest am Anfang auch Spaß, hat aber mit Adventure und Da-Vinci-Rätseln wenig zu tun.

Hinzu kommt, dass das Spiel als Umsetzung zum Film gedacht ist, in dem Langdon von Tom Hanks gespielt wird. Leider hat das Entwicklerstudio Mr. Hanks wohl nicht überzeugen können, für das Spiel Pate zu stehen und so spielt man stattdessen ein mausgraues Männchen, das eher an einen Beamten erinnert, als an den markanten Hanks. Irritierend kommt hinzu, dass man aber als Synchronsprecher dennoch die Originalstimme von Hanks engagiert hat. Man hört ihn, sieht ihn jedoch nicht. Selbiges gilt für die anderen Figuren des Films: kein Jean Reno, keine Audrey Tautou. Schade, denn von so etwas lebt eine Film-Spiel-Umsetzung nun einmal. Letztlich kommt dann auch noch erschwerend hinzu, dass insbesondere die Figur des Langdon derartig unmotiviert gesprochen und animiert ist, dass eine spannungsgeladene Atmosphäre einfach nicht aufkommen will.


Atmosphäre ist aber auch, die dem zweiten Spiel „The Secrets Of Da Vinci – Das verbotene Manuskript“ fehlt. Durch eine statische, wenn auch toll gemalte Landschaft klicken wir uns in Ego-Perspektive, ohne auch nur im geringsten Animationen entdecken zu können. Lediglich die Kerzen flackern minimal, sonst regt sich nichts - Stillleben halt. Im Gegenzug zu „Da Vinci Code“ haben sich hier die Synchronsprecher zwar deutlich mehr Mühe gegeben, der verstaubt stillen Umgebung können sie aber dennoch kein Leben mehr einhauchen. Ebenso wenig der wirklich dünnen Story um die Suche nach einem geheimnisvollen Dokument Da Vincis.

Das alles wäre noch zu verzeihen, wäre da nicht das Problem eines Point&Click Adventures. Die Genre-übliche Steuerung mit der Maus ist zwar simpel und schnell erlernt, aber das Interface lässt den Spieler bereits kurz nach Beginn im Stich. Man muss jeden Raum pixelweise absuchen, um die Objekte zu finden, die interaktiv sind. Und wehe man übersieht eines, denn dann kommt man bei Rätseln schnell nicht mehr weiter. Da sich die Rätsel nicht immer logisch selber erklären, arten viele in einem "Versuch-macht-klug"-Marathon aus und rauben somit jegliche Motivation. Da aber auch nur ein minimaler Teil der Umgebung interaktiv ist, wird das ganze Spiel zu einem riesigen Puzzle (wo kann ich klicken?). So darf ich zwar in meinem eigenen Zimmer die Schubladen öffnen, nicht jedoch meinen (!) Schrank, der ganz bestimmt nicht abgeschlossen ist. Oder ich kann ganze Raumteile nicht betreten, beispielsweise weil sie zu dunkel sind, obwohl überall Kerzen stehen, die ich mitnehmen könnte. So etwas ist unlogisch und extrem frustrierend.

Zusammenfassend bleibt also zu beiden Spielen zu sagen, dass weniger ein Schielen auf den großen Da-Vinci-Goldtopf sinnvoll und dafür eine intensivere Beschäftigung mit Inhalt und Spielumsetzung nötig gewesen wäre. Beide Spiele lassen sich nur jeweiligen Genre-Fans mit viel Geduld ans Herz legen. Schade eigentlich, wenn man bedenkt, dass die Spiele gerade in Hinsicht auf Historie und Wissensvermittlung durchaus einiges Potential aufweisen. Wer mehr über Leonardo erfahren möchte, hätte hier jedenfalls eine tolle Möglichkeit dazu gehabt. Um sich den Frust zu sparen, würde ich dann aber doch eher auf Internet und Bücher zurückgreifen. Das macht deutlich mehr Sinn.

[Lars]

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Links

www.davincicode.html
www.secrets-of-da-vinci.com

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