Game-Tipp

"Die Gilde 2"

published: 29.09.2006

„Die Gilde 2“ ist für PC erhältlich. (Foto: JoWood)„Die Gilde 2“ ist für PC erhältlich. (Foto: JoWood)

Früher saß ich oft stundenlang, ach was sag ich, tagelang an mittelalterlichen Wirtschaftssimulationen wie „Hanse“, „Kaiser“ oder „Die Fugger“. Was packte mich da die Nostalgie, als ich sah, dass sich mit „Die Gilde 2“ endlich ein Spiel anschickt, die schmerzliche Lücke zwischen „Civilization“, den „Sims“ und „Oblivion“ zu schließen.

Positioniert zwischen Lebenssimulation, Rollenspiel und Wirtschaftssimulation sollte man bei „Die Gilde 2“ das Leben im Mittelalter erfahren können. Juhu! Doch die Freude währte nur kurz, denn als ich das Ergebnis anspielte, wurde mir schlagartig klar, dass weniger manchmal mehr ist: Ausgehend vom niedrigsten Bewohner der mittelalterlichen Welt, einem Unfreien, muss der Spieler eine Dynastie gründen. Hierzu wählt man aus vier Berufen einen aus und beginnt mit dem Bau einer ersten Produktionsstätte. Leider macht sich dort schon das erste Manko breit, denn die Produktion ist minimal dynamisch und wird schnell langweilig, was man dann durch Automatisation quittiert. Hinzu kommt dann aber auch eine eher sinnfreie Einteilung von Produkten. Der Klerus hatte wohl kaum die Funktion der Herstellung von Papyrus und Gedichten, oder bin ich historisch nicht mehr auf dem Stand der Wissenschaft? Egal, ist ja nicht der einzige grobe Schnitzer was Authentizität angeht.

Neben der Wirtschaft wäre da ja noch der Aspekt der Lebenssimulation und so geht es schnell darum, sich eine Braut zu suchen und eine Familie zu gründen. Und da liegt der Haken, denn schließlich will man nicht mehr sexistisch sein und so hat man auch als weiblicher Charakter keine Probleme mit Besitzstand, Werbung und vor allem - der Initiative. Das mag aus heutiger Sicht korrekt sein, aber für das Mittelalter ist derartige Emanzipation nahezu lächerlich... Oder sollte die holde Maid tatsächlich mit Umarmungen und Küsschen um den ehrwürdigen Bürger werben? Sie wäre als Hure verschrien gewesen!

Ebenso seltsam funktioniert das Konzept des Rollenspiels, bei dem man sich dann mit Hilfe bestimmter Erfahrungspunkte weiterentwickelt. Diese erlangt man durch Heirat, Kinderzeugung, Tätigkeit im Amt, Kämpfe und so weiter. Hier kommen wieder leichte Logikfehler durch (katholische Priester heiraten nicht und Räuber sind bestimmte keine Schöffen vor Gericht, liebe Spielmacher!) und insgesamt ist man viel mit seltsamen Anklagen konfrontiert, die man durchspielen muss. Das ist auf Dauer nicht wirklich spannend und kostet Zeit.

Das eigentlich sehr interessante Konzept ist durch die Verteilung auf unterschiedliche Spielaspekte etwas zu dünn geraten, denn Kämpfe sind unspektakulär, der Handel ist stagnierend und die Brautschau manchmal doch sehr konfus. Da zwar eine tolle Grafikumgebung geschaffen wurde, diese aber klinisch rein und im Falle der Unterschiedlichkeit der Figuren recht begrenzt ist (Da rennen tatsächlich eineiige Zehnlinge einer Frau in meinem Dorf rum!) kommt die Mittelalteratmosphäre nicht wirklich auf. Eine tolle Synchronisation rettet dank fehlender Hintergrundgeräusche auch nicht viel, da der Marktplatz so ebenso leise ist, wie die Kirche. Es scheint, als hätte man zuviel gewollt und sich dann doch mit nicht genug zufrieden gegeben. Wie schade!

[Lars]

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www.diegilde.de

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