Game-Tipp

"Syberia"

published: 24.12.2008

"Syberia" ist für Nintendo DS erhältlich (Foto: Mindscape)"Syberia" ist für Nintendo DS erhältlich (Foto: Mindscape)

Es ist ja nun wirklich nicht so, dass der Nintendo DS für seine exquisite Grafik bekannt ist. Und so wundert es doch sehr, dass ausgerechnet ein Titel wie "Syberia" nach sechs Jahren auf den kleinen Dualscreen portiert werden soll. Denn "Syberia" ist 2002 bereits für den PC erschienen und hat dort in Sachen Grafik alle Rekorde gebrochen. Zu verdanken ist diese Pracht dem Comiczeichner Benoit Sokal (u.a. Wie Blätter im Sturm), der bei "Syberia" für Design und Story verantwortlich zeichnet. Sokal hat die Graphic Novel hinter sich gelassen und ist zum Medium Computerspiel gekommen, weil er dort neue und interaktive Wege sah, seine Geschichten zu erzählen. Das war so erfolgreich, dass er mittlerweile seine eigene Produktionsfirma gegründet hat, mit der er regelmäßig neue Spiele auf den Markt bringt.
Doch "Syberia" war 2002 sein großer Durchbruch. Die grafisch so sagenhaft transportierte Story um eine New Yorker Anwältin, die im alten Europa auf der Suche nach einem Firmenerben in ein Abenteuer kafkaesken Ausmaßes stolpert, hat zumindest in Hinsicht auf extravagante Ideen und brillante Grafik so einiges zu bieten gehabt. Man spürte jedem Design, jeder Location im Spiel die Kunst förmlich an, die Sokal darin gebunden hatte.
Doch genau da lag auch das Problem, denn der belgische Künstler ist ein begnadeter Grafiker, ein kreativer Ideengeber, und selbst als klassischer Erzähler mag er seine Stärken besitzen. Doch leider ist ein Computerspiel keine klassische Erzählung. Der Spieler will agieren, entscheiden und nicht einen stringenten Film vor den Augen haben. Und ganz bestimmt nicht durch diverse, anstrengende Trial&Error Varianten als Rätsel gejagt werden. Und eben dies tat "Syberia" bereits auf dem PC.

Nun, also weitere sechs Jahre später, hat Sokal sein Prestigeprojekt einer anderen Entwicklerfirma weiterlizensiert und wir dürfen auf der kleinen Klappbox Nintendo DS eine Portierung des grafischen Leckerbissen ertragen. Ok, es stimmt zwar immer noch, dass "Syberia" ein für den DS umwerfendes optisches Endergebnis erzielt, aber auf dem kleinen Screens der Konsole ist das immer noch pixelig und manchmal schwierig zu sehen. Die Hintergründe schauen toll aus, aber die Steuerung wird dank der begrenzten Größe und der Pixeligkeit der aktiven Elemente zum Ratespiel. Habe ich da einen Abzweiger gesehen? Kann ich mit dem Objekt interagieren? Alles nicht so einfach mit dem Stylus in der Hand und einem ein paar cm großen Display vor der Nase. Das war am PC eindeutig interessanter.

Die Grafik entspricht also wieder dem besten Niveau, dass die Konsole hergibt, auch wenn das halt hardwarebedingt nicht viel ist. Aber vom Spielfluss und der Story her hat das Spiel durch die Portierung nichts verloren. Soll bedeuten, die Story ist eine schräge Ansammlung von Aufgaben, die allesamt stringent verfolgt werden müssen. Keine Abschweifungen, keine Sonderoptionen. Und das in einem eher gemächlichen – man möchte sagen: trägen – Tempo mit wenig Abwechslung. Da helfen auch vermeintliche Actioneinlagen oder Rätsel nichts. Schade, so jedenfalls wird die neue Art des Erzählens nicht vorangetrieben.

[Lars]

Amazon

Links

www.syberia-series.com

Das könnte dich auch interessieren:

Hochschulkarte

Suche

Mimadeo / shutterstock.com
Über 19.000 Studiengänge an 747 Hochschulstandorten
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung