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Natalia Wörner im Interview

Mit dem Tod umgehen

published: 24.01.2005

Natalia Wörner im Interview (Foto: Public Address) Natalia Wörner im Interview (Foto: Public Address)

Natalia Wörner ist am 29. Januar 2005 in dem Fernsehfilm „Für immer im Herzen“ zu sehen. Sie spielt Julia Berger, die erfolgreiche Leiterin eines Buchverlages. Als ihr Neffe Stefan an Knochenkrebs erkrankt, sieht sie sich ungewohnten Herausforderungen ausgesetzt. Großvater Richard (Hanns Zischler) fährt in den lange geplanten Urlaub und Stefans Mutter, Julias jüngere Schwester, erleidet einen Nervenzusammenbruch. Nun ist Julia die Einzige, die für den Jungen da sein kann. Doch auch beruflich werden gerade hohe Anforderungen an sie gestellt und Julia muss Prioritäten setzen...

„Für immer im Herzen“ wird am Samstag, den 29. Januar 2005, um 22 Uhr im NDR ausgestrahlt. Der BR zeigt den Film am 9. Februar um 21.45 Uhr.

Im Interview spricht die Schauspielerin über die emotionale Belastung während der Dreharbeiten, ihr Verhältnis zu Religion und Tod und darüber, wie sie die lange Krankheit ihrer eigenen Großmutter erlebte. Außerdem kommt der Tod ihrer Kollegin Jennifer Nitsch zur Sprache und der Druck, dem Schauspielerinnen ausgesetzt sind.

Wie war es für Sie, in dem Film “Für immer im Herzen” die Rolle der Julia Berger zu spielen, die sich um einen krebskranken Jungen kümmert?
Natalia Wörner: “Das war für mich eine Reise – nicht immer einfach. Ich war zur Vorbereitung für diese Rolle auf einer Kinderkrebs-Station in Frankfurt und habe mir genau angeschaut, was das für eine Familie heißt - für die Kinder, und wie die einerseits mit der Ahnung um einen möglichen Tod und andererseits mit ihrer kindlichen Lebendigkeit umgehen. Die Rolle der Julia Berger war jetzt keine lustig-leichte Rolle, wo man abends dann beschwingt in sein Hotel zwitschert. Ich mag den Film sehr gerne und ich mag auch, wie er verantwortungsbewusst mit dem Thema umgeht. Ich kann mir vorstellen, dass ich mir diesen Film in zehn Jahren noch mal anschaue und sage: ,Guck‘ doch mal, wir haben damals diesen Film gemacht und der hat Bestand.‘ Es ist auch die Geschichte einer Frau, die am Ende des Films anders auf ihr Leben schaut und dieses hinterfragt. Es geht ja in dem Film nicht nur darum, was diese Krankheit, sondern auch was dieser Tod des Kindes mit der Familie macht.”

Welche Rolle spielte es, dass der Film auf einer wahren Begebenheit beruht?
“Man übernimmt da ein Stück Verantwortung. Die Frau, deren Geschichte ich da miterzähle, saß neben mir, als der Film eine Vorstellung bei den Nordischen Filmtagen in Lübeck hatte. Ich kam zu spät zu der Vorstellung und wusste nicht, dass sie das war, die da neben mir im Dunkeln im Kino saß. Sie weinte so wahnsinnig, dass ich echt einen Schreck bekommen habe. Hinterher sagte sie mir, dass sie durch diesen Film und durch dieses Wahrnehmen des Filmes die Geschichte noch einmal für sich komplett abschließen konnte. Also hat das auch etwas Schönes, etwas Befreiendes.”

Der Film berührt wirklich sehr.
“Ich weiß, es gibt kaum Menschen, die diesen Film ,tränenlos‘ überstehen. Das ist ja nicht nur schön, auch wenn man das mit auslöst. Das kann etwas Befreiendes haben, aber das hat natürlich manchmal auch etwas Bedrückendes. Und in diesem Fall war es uns allen immer sehr wichtig, dass man nicht mit diesem Tod entlassen wird und komplett traurig ist, sondern diesen Tod auch als einen Teil begreift, der eben zum Leben gehört - auch wenn wir das in unserer Gesellschaft nicht integriert haben, sondern uns davor verschließen – und das mitnimmt.”

Zu Beginn des Filmes ist Ihre Figur eine beruflich erfolgreiche Frau – wohl das, was unter dem Begriff Karrierefrau verstanden wird. Haben Sie sich manchmal in dieser Rolle wiedererkannt?
“Ich mich privat? Nee, überhaupt nicht. Als Schauspielerin ist die so genannte Karriere, ist der Erfolg ja anders messbar und manchmal erst im Rückspiegel richtig einzuordnen. Ich spiele eine Frau, die in ihrer Berufswelt, in dieser klaren, in sich sehr hierarchischen Welt, ganz andere Entscheidungen fällen muss, wenn es darum geht, ihre Karriere zu forcieren. Das kann man als Schauspielerin in Wahrheit nicht wirklich. Man kann Rollen annehmen, man kann Rollen ablehnen, aber man kann den Erfolg nicht planen. Der kommt – oder er kommt auch nicht. Man kann allerdings mit Zeit umgehen: Man kann sich für einen Menschen mehr Zeit nehmen, anstatt einen Film zu machen.”

Im Film sind, nachdem die Krebserkrankung des Jungen diagnostiziert wurde, viele Figuren versucht, ihr Leben so wie bislang weiterzuführen, die Wahrheit zu verdrängen. Können Sie das verstehen?
“Ich glaube, dass es insofern verständlich ist, weil kein Mensch auf solche Schicksalsschläge vorbereitet ist. Ich war zur Vorbereitung des Filmes ein paar Tage bei einer Ärztin, die uns auch fachlich begleitet hat. Das war in Frankfurt am Main an der Universitätsklinik. Ich habe erfahren, als ich auf dieser Krebsstation war, dass die Überforderung der Eltern, damit umzugehen – sowohl emotional wie auch pragmatisch – mit das größte Problem ist. Zum Teil sind die Kinder fast innerlich besser ausgestattet, mit der eigenen Schicksalhaftigkeit umzugehen, als die Eltern. Es gibt verschiedene Modelle: Es gibt Eltern, die zusammenbrechen oder ihren Job aufgeben, um komplett für das Kind da zu sein und in so ein Krankenhaus mehr oder minder komplett einziehen. Und es gibt Menschen, die es einfach verdrängen. Ich glaube, dass Verdrängungsmechanismen bestimmt unterschiedlich sind. Was ich damit sagen will: Natürlich ist es fürchterlich, wenn jemand versucht, so zu tun, als ob es das nicht gäbe, aber ich glaube, dass die Menschen das tatsächlich tun, um sich zu schützen – genauso wie es Kinder gibt, die sagen: ,Ich will gar nicht, dass meine Mutter hier die ganze Zeit am Krankenbett hockt. Ich will lieber mit den anderen Kindern spielen!‘ Da gibt es so viele Formen... Es ist echt schwer, von außen darüber zu urteilen, wenn man das nicht selbst erlebt.”

Sind Sie eigentlich ein religiöser Mensch?
“Das ist eine gute Frage. Ich denke mal nein, im Sinne unseres christlichen Glaubens. Da habe ich den Bezug irgendwann zwischen Jugendlichkeit und Erwachsenwerden verloren. Ich beschäftige mich mit anderen Religionen und ich finde, es gibt Religionen, die mich mehr ansprechen. Es ist jetzt extrem schick geworden, über Buddhismus zu sprechen und deswegen versuche ich, das zu vermeiden. Aber im klassischen Sinne unserer Kultur bin ich kein religiöser Mensch... mehr. Ich muss dazusagen, dass ich nämlich nicht getauft worden bin und das dies für mich sehr wichtig war. Ich habe mich mit 14 taufen lassen und dachte damals, dass es eine Bedeutung hat für mein Leben. Das hat sich allerdings revidiert.”

Was ziehen Sie für eine Weisheit oder ein Verständnis aus dem Buddhismus?

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