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Audrey Tautou im Interview

"Mathilde - eine große Liebe"

published: 26.01.2005

Audrey Tautou im Interview (Foto: Public Address) Audrey Tautou im Interview (Foto: Public Address)

In „Die fabelhafte Welt der Amélie“ verzauberte sie die Welt. Jetzt hat Audrey Tautou, die hübsche schwarzhaarige Hauptdarstellerin, noch ein weiteres Mal mit Regisseur Jean-Pierre Jeunet zusammengearbeitet. Der neue Film des Erfolgsteams heißt „Mathilde – eine große Liebe“ und läuft am 27. Januar in den deutschen Kinos an. Er spielt in der Zeit während und nach dem Ersten Weltkrieg.

Die junge Französin Mathilde erfährt, dass ihr Verlobter Manech (Gaspard Ulliel) unter mysteriösen Umständen zwischen den französischen und deutschen Stellungen umgekommen sein soll. Doch Mathilde meint, wenn Manech tot wäre, würde sie es spüren. Ihr Glaube ist unerschütterlich. Sie macht sich auf die Suche nach der Wahrheit... „Mathilde – eine große Liebe“ ist eine Adaption des berühmten Romans „Die französische Verlobte“ von Sébastien Japrisot.

Ich habe gelesen, dass Sie nach Beendigung eines Filmprojekts gerne reisen – nur mit einem Rucksack. Nach „Die fabelhafte Welt der Amélie” hat es Sie nach Asien gezogen. Wohin hat es Sie nach den Dreharbeiten zu “Mathilde – eine große Liebe” verschlagen?
Audrey Tautou: „Ich bin in Island gewesen. Ich werde vielleicht noch einmal verreisen, aber ich weiß noch nicht genau, wohin. Und ganz nackt verreise ich eigentlich selten (lacht).“

Dreht sich der Film „Mathilde“ um die Liebe oder um den Krieg?
„Die Geschichte spielt zwar während und nach dem Ersten Weltkrieg, aber für mich ist es die Geschichte eines Verschwindens, die jederzeit spielen könnte.“

Audrey Tautou (Foto: Public Address)Audrey Tautou (Foto: Public Address)

Glauben Sie wie Mathilde an die eine große Liebe?
„Meine Großeltern sind seit 66 Jahren verheiratet. Also habe ich ein gutes Vorbild.“

Was können Sie am besten spielen? Wo fühlen Sie sich unsicher und was empfinden Sie als leicht?
„Im wirklichen Leben bin ich ein eher schüchterner Mensch. Ich hätte möglicherweise nicht unbedingt Schwierigkeiten, aber es würde mir einen Tick schwerer fallen, wenn ich jemanden spielen müsste, der das Gegenteil von schüchtern ist. Aber ich versuche es und wenn es klappt, wunderbar! Und wenn nicht, war es auch eine Erfahrung. Ich glaube, dass ich niemals der Stein des Anstoßes eines Projekts sein könnte. Es sind wirklich die anderen, die meine Talente aus mir herausholen. Ich bin allerdings bereit, jedes Abenteuer einzugehen.“

Bei der „Mathilde“-Premiere in Hamburg standen Sie zwar auf der Bühne, wurden aber weder etwas gefragt noch haben Sie selbst etwas sagen sollen. Hat Sie das nicht gewundert?
„Das hat mich überhaupt nicht erstaunt. Diese Art von Übung behagt mir nämlich überhaupt nicht. Ich war diejenige, die darum gebeten hat, dass ich nichts sagen muss und dass man mir auch keine Frage stellt. Es ist mir bis heute nicht gelungen, einen Satz zu finden, der nicht absolut bescheuert klingt. So nach dem Motto: ‚Schön, hier zu sein’ oder ‚Ich hoffe, Sie werden genauso viel Freude an dem Film haben wie wir beim Drehen’ oder so.“

Es gibt Leute, die können alles sagen und es klingt immer charmant.
„Dieses Talent besitze ich leider nicht.“

Es gibt viele Kritiker und Fans, die von Ihrem Gesicht und besonders Ihren Augen schwärmen. Hätten sie Lust, einmal einen Stummfilm zu machen?
„Ich spiele überhaupt nicht bewusst mit meinen Augen. Das passiert einfach. Wenn andere das so sehen, ist das okay. Ich hätte durchaus einmal Lust, einen Stummfilm zu drehen. Dann müsste ich ja keinen Text lernen (lacht)!“

Einerseits sind Sie als berühmte Schauspielerin eine Art öffentliche Person. Andererseits sind Sie jemand, der sein Privatleben schützt, nicht wahr?
„Ja, das ist schon ein Paradox. Meine Freunde sagen auch immer, es sei im Grunde die Höhe, dass es mir als zurzeit bekannteste französische Schauspielerin überhaupt keine Freude macht, den Ruhm zu genießen.“

Warum nicht?
„Ganz einfach: Weil Ruhm und Bekanntheit nie das waren, nach dem ich gestrebt habe. Ich habe diesen Beruf ergriffen, weil ich Vergnügen am Spielen habe und gerne im Team arbeite. In dem Moment, wo man berühmt wird, steht man immer allein. Das mag ich überhaupt nicht.“

Ist es anstrengend, sich dagegen zu wehren?
„Ich kämpfe nicht dagegen, fliehe auch nicht davor. Das ist im Grunde unmöglich. Das wäre ein vergeblicher Kampf. Es ist im Grunde eine weitere Rolle, die ich akzeptiert habe, weil ich weiß, dass ich dadurch letzten Endes eine größere Freiheit habe und besser leben kann.“

Manche Schauspieler repräsentieren quasi ein Land - wie Hugh Grant, der als typischer Engländer betrachtet wird. Glauben Sie, dass Sie im Ausland die typische Französin repräsentieren?
„Ich habe keine Ahnung. Erstens weiß ich nicht, was eine typische Französin ist und zweitens habe ich ein bisschen Angst vor Klischees. Der Witz ist, zu Zeiten meines Schauspielstudiums und vorher hat man mich oft gefragt, wo ich eigentlich herkomme, weil die Leute fanden, dass ich nicht typisch französisch aussehe. Nordafrika oder Südeuropa wurde gemutmaßt. Manche vermuteten asiatische Vorfahren.“

Mathilde ist eine ganz starke Frau, die nie aufgibt und jedes Handicap überwindet. Glauben Sie, dass Sie in einer ähnlichen Situation auch diese Stärke hätten?

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