Katharina Böhm im Interview

"Ich bin keine Aktionsmutter"

published: 10.02.2004

Katharina Böhm im Interview  (Foto: Public Address) Katharina Böhm im Interview (Foto: Public Address)

Spätestens durch ihre Rolle in „Das Erbe der Guldenburgs“ hat sich Katharina Böhm aus dem Schatten ihrer berühmten Eltern herausgespielt - des Schauspielers Karlheinz Böhm und der Schauspielerin Barbara Lass, die in erster Ehe mit Roman Polanski verheiratet war.

Am 22. März ist Katharina Böhm als Kommissarin Paula Bloom in dem Fernsehfilm „Nachtschicht – Vatertag“ an der Seite von Armin Rohde, Minh-Khai Phan-Thi und Jasmin Gerat zu sehen. Bereits der erste Teil der „Nachtschicht“-Reihe – „Nachtschicht – Amok“, ebenfalls von Lars Becker – war im März 2003 bei Publikum und Kritikern ein großer Erfolg. Insgesamt 5,75 Millionen Zuschauer sahen zu, was einem Marktanteil von 17,4 Prozent entsprach. „Nachtschicht – Vatertag“ läuft um 20.15 Uhr im ZDF.

Wie ist das als Schauspielerin, wenn man zum ersten Mal den fertigen Film sieht, nachdem die eigene Arbeit längst geleistet ist?
„Die Arbeit ist erst geleistet, wenn man das Resultat auch gesehen hat. Also irgendwie gehört das schon noch mit dazu. Es ist sehr irritierend das erste Mal, also das allererste Mal, weil man natürlich furchtbar aufgeregt ist. Beim allerersten Mal sieht man den Film noch gar nicht richtig. Da ist man noch damit beschäftigt zu denken: ,Aha, da war das und das, da habe ich das gemacht, da hat der das gemacht, da sind wir dahin gefahren.‘ Es sind immer ganz viele solcher Sachen dabei und deswegen schaue ich mir den Film vor der Pressekonferenz ganz gerne einmal alleine an. Sonst bin ich nur damit beschäftigt, wie wohl die Leute reagieren und ob es wohl funktioniert. Dann werde ich so kopflos. Man ist trotzdem noch mal ein ganzes Stück nervöser, wenn man ihn mit anderen Leuten noch mal zusammen sieht. Aber ja, weil’s eben dein Baby ist. Genauso wie man will, dass sein Kind das schönste Bett irgendwo auf der Welt hat, klar. Und gerade wenn das so eine Arbeit ist wie beim Lars, wo wir uns wirklich alle Mühe geben und effektiv arbeiten und wirklich versuchen, etwas Gutes zu machen und nichts hinrotzen.“

Zur Zeit spielen Sie u.a. die Kommissarin Paula Bloom. Sie behält den Überblick und wirkt sehr warmherzig, ausgeglichen. Was haben Sie mir ihr gemein?
„Im letzten Fall ist die Paula sehr viel wärmer als im ersten. Das ist eine neue Fassette von ihr, weil sie durch die Betroffenheit eines Kindes auch selber betroffen ist. Und weil da Menschen um sie herum sind, denen es wirklich sehr dreckig geht. Was hab ich mit ihr gemein? Die Pragmatik habe ich mit ihr gemeint.

Wie äußert sich ihre Pragmatik?
„Von A nach B den kürzesten und sinnvollsten Weg zu gehen.“

Werden Sie nicht abgelenkt?
„Ich werde dauernd abgelenkt - das ist ja das Schwierige an der Sache. Und trotzdem versuche ich immer wieder, den richtigen Weg zu finden.“

Wie die Figur im Film sind Sie allein erziehende Mutter?
„Ja.“

Wie alt ist ihr Sohn Samuel jetzt?
„Er wird sechs.“

Wie würden sie ihr Verhältnis beschreiben?
„Super. Ich bin, glaube ich, gesegnet worden mit einem äußerst.. na, das sagt doch jede Mutter, oder? Ich finde mein Kind klasse(lacht)! Es macht Spaß ihm zuzuschauen, wie er langsam groß wird, wie er eingeschult wird. O Gott. Wie kann ich meinem Kind erklären, dass Schule nichts Schlechtes ist? Ich habe Schule mein Leben lang gehasst wie die Pest.“

Und er schlägt da nach Ihnen?
„Nö, weiß ich ja nicht. Er kommt ja jetzt in die Schule. Ich werde einen Teufel tun, irgendwas davon zu sagen, dass ich Schule scheiße finde. Ich finde unser Schulsystem schlecht. Das muss ich ganz deutlich sagen. Und Sam geht auch nur deswegen auf eine normale Schule, weil ich es noch wichtiger finde, dass er in einem normalen Umfeld aufwächst. Und wenn ich den jetzt auf eine Montessori-Schule - was ich für ein sehr gutes Schulsystem halte - oder so was schicke, dann ist das ziemlich weit weg von uns. Dann hätte er am Nachmittag nicht seine Kinder zum spielen und das finde ich eigentlich noch wichtiger. Wir wohnen auf dem Land und er kann wirklich über die Straße zu seinen Freunden laufen. Das finde ich einfach sehr, sehr wichtig.“

Wohnen Sie in Österreich?
„Nein. Ich bin nur vom Pass her Österreicherin. Ich bin aufgewachsen in der Nähe von München und da lebe ich auch jetzt noch. Wieder.“

Unternehmen Sie viel mit ihrem Sohn? Machen Sie Ausflüge? Spielen Sie Fußball?
„Nee. So eine Mama bin ich nicht, bin ich definitiv nicht. Wir reden sehr viel und doch - wir spielen schon auch viel. Wenn ich Zeit habe, machen wir Sachen. Aber wie gesagt: Ich bin allein erziehend und wenn ich zuhause bin, dann muss ich auch den ganzen restlichen Haushalt schmeißen. Also jetzt nicht putzen und so, das leiste ich mir, dass mir da jemand hilft, aber trotzdem ist mein Tag ziemlich angefüllt mit verschieden Dingen. Aber wir machen schon viel: Wir gehen zum Beispiel viel ins Kino oder wir gehen raus, wir gehen zusammen zu anderen Freunden. Also wir machen viel miteinander. Aber ich bin jetzt keine Aktionsmutter. Ich bin selbst kein sehr aktiver Mensch, muss ich sagen. Aber wir waren Ski fahren. Er war Ski fahren.“

Sie sagten, Sie sind allein erziehend. Wie halten Sie sich denn die Männer vom Leibe? Es gibt doch sicher sehr viele Bewerber, die Ihnen gerne helfen würden bei der Erziehung...
„Ich habe nicht das Gefühl, dass die Männer bei mir Schlange stehen. Ich habe sehr gute Freunde. Ich habe einen richtig guten Freundeskreis. Ich weiß nicht..., ich bin aber auch keine Ausgeherin. Ich hab das alles so ein bisschen schon gehabt. Also das, was ich jetzt sehr schätze, ist zu Hause mit Freunden zu sitzen, zu kochen. Ich bekoche Menschen sehr gerne.“

Was kochen Sie gern?
„Ooch, alles Mögliche. Mir macht das Spaß, mit Leuten Zuhause zu sitzen und gute Gespräche zu führen.“

Also hätte ein Mann auch gar keinen Platz oder gar keine Chance bei Ihnen?
„Das habe ich nichts gesagt. Aber das sind Sachen, worüber ich überhaupt nicht rede. Ob Mann in meinem Leben ist oder nicht, das lassen wir einfach außen vor. Ich finde einfach, wenn man die Presse liest, also dieses Auf und Ab - das bin nicht ich. Es ist wunderschön, wenn man verliebt ist und das auf der ganzen Welt geschrieben zu sehen. Aber es ist ganz beschissen zu sehen, wenn es mir schlecht geht.“

Sie haben in „Nachtschicht- Vatertag“ zusammen mit Bijan Khavari gedreht, der den zehnjährigen Jungen Toni spielt. Sie haben selbst schon als Zwölfjährige vor der Kamera gestanden - in „ Heidi“. Können Sie sich noch erinnern, wie das damals für Sie war?
„Ja, kann ich mich noch sehr gut dran erinnern. Aber ich war schon ein bisschen älter als der Bijan - deswegen ist das nicht so ganz zu vergleichen. Zwölf ist schon noch mal ein ganz schöner Schritt, den man macht: Man kann sich schon etwas mehr wehren, wobei wir damals noch dazu nur zweieinhalb Minuten am Tag drehen mussten. Also es war eine ganz andere Zeit. Es war ein eindeutiger Kinderfilm, der war auf uns abgestimmt. Wir wurden als Kinder maßlos verwöhnt und es ging nur um uns, halt um die Heidi und um die Klara. Wir waren da immer die Hauptpersonen. Und wir haben sehr hart gearbeitet damals, weil es noch nicht diesen Kinderschutz gab von wegen fünf Stunden. Wir haben in der Schweiz gearbeitet. Das gab es da nicht. Und deswegen war das eine ganz schön harte Schule, sag‘ ich mal, die wir da durchschritten haben, aber eine sehr schöne Schule, weil das ganze Team so auf uns konzentriert war - die haben uns so gepäppelt und gehegt und gepflegt. Die Arbeit war sehr schön.“

Haben eigentlich Ihre Eltern Ihre Begabung schon sehr früh gefördert?
„Nein. Überhaupt nicht. Ich wollte ja nicht Schauspielerin werden. Ich bin durch einen blöden Zufall Schauspielerin geworden. Ich habe die ‚Heidi‘ nur angeboten bekommen, weil mein Vater die Rolle des Herrn Sesemann ablehnte. Wir sind an dem Tag ins Kino gegangen und sind dann beim Produktionsbüro vorbeigefahren und mein Vater sagte, er kann es nicht machen, weil es terminlich nicht geht wegen der Theaterarbeit, die er noch hatte. Und dann haben sie mich gesehen und gesagt: ,Mach‘ doch mal Probeaufnahmen!‘ Und ich so: ,Nein, ich werde Verhaltensforscherin‘. Ich habe Latein in der Schule genommen. Ich habe alles dafür getan, um Verhaltensforscherin zu werden. Damals brauchte man noch das Medizinstudium dafür und dafür brauchte man das Große Latinum. Aber dann habe ich mich da irgendwie platttreten lassen. Mein Vater hat sich dazu überhaupt nicht geäußert. Das war vielleicht das einzige, was er förderte: mich mit dieser Entscheidung vollkommen alleine zu lassen. Ich habe mich einfach nicht getraut, ,nein‘ zu sagen, habe Probeaufnahmen gemacht und ein Jahr später haben die sich erst wieder gerührt und gesagt: ,Wir haben uns die Aufnahmen jetzt angeschaut und es war sehr schön und wir würden dich gerne haben. Was sagst du dazu?‘ Das Dumme war, ich war alleine zu Hause und ich habe mich wieder nicht getraut, ,nein‘ zu sagen. Und dann wollte ich meinen Eltern nicht in den Rücken fallen, weil ich ‚ja‘ gesagt hatte und meine Eltern dann diejenigen gewesen wären, die hätten ‚nein‘ sagen müssen. Dann habe ich da zugesagt und mich da eigentlich so rein verrannt. Also nicht, weil ich es machen wollte - das war so ein Teufelskreis und ich kam nicht mehr raus. Ich saß heulend hinten im Auto. Meine Mutter saß vorne und heulte ebenfalls, weil sie merkte, ich will das überhaupt nicht machen. Das war alles ganz entsetzlich. Meine Mutter fuhr auch bald wieder. Ich hatte ja eine Privatlehrerin, die ich schon kannte, seit ich ganz klein war. Das war eine Freundin der Familie und die war bei mir die Aufsichtsperson am Set. Ich war also wohl behütet. Mein erster Drehtag lief so ab, dass ich einfach keinen Ton herausbrachte. Ich machte den Mund auf, aber es kam kein Ton raus, sobald die Kamera lief. Trotzdem wusste ich eine Woche später, ich würde in meinem Leben nie wieder etwas anderes machen.“

Haben Sie es je bereut?
„Nein.“

Haben Sie noch Kontakt zu ihrem Vater?
„Na und ob!“

Verstehen Sie sich gut?
„Sehr gut. Wir telefonieren, auch wenn er in Äthiopien ist, sehr oft.“

War es je belastend für sie, dass sie einen berühmten Vater hatten- wären sie lieber ohne diese Information über Sie der Öffentlichkeit gegenübergetreten als Katharina Böhm?
„Ich habe den Vergleich nicht. Wenn man nichts anderes kennt, dann ist kein Vergleich da. Ich habe eine sehr glückliche Kindheit gehabt, auch wenn meine Eltern sich dann irgendwann trennten. Ich glaube, wenn man als Kind wirklich geschätzt und ernst genommen wird und du wirklich geliebt wirst, dann hast du eine glückliche Kindheit, ob dann Scheiße passiert oder nicht. In dem Moment, wo die dir wichtigen Menschen zu dir stehen und dir gegenüber loyal und ehrlich sind, bist du glücklich. Und das waren meine Eltern immer. Und ich habe mich immer sehr, sehr geliebt gefühlt.

Was ist Ihr Vater für ein Mensch? Können sie ihn beschreiben?
„Er ist mein Papa! Ich habe viele Sachen von ihm gelernt. Eine der wichtigsten Seiten, die ich von ihm habe, ist Disziplin, für die ich ihm maßlos dankbar bin. Er denkt immer, das ist irgendwie nicht schön, wenn ich das sage. Er empfindet das als abwertend. Ich empfinde das gar nichts als abwertend. Im Gegenteil. Er hat mir beigebracht offen für Kritik zu sein. Das heißt nicht, dass ich Kritik gut annehmen kann. Also im ersten Moment wehre ich mich sicher dagegen. Aber ich kann sie trotzdem annehmen. Es ist nicht etwas, was ich abblocke, auch wenn ich mich dagegen wehre und alle Verteidigungen, die es nur gibt, dafür finde. Er ist aber meiner Meinung nach genauso mit Kritik wie ich, also er wehrt sich auch sehr. Und mein Vater ist ein hochgradig emotionaler Mensch.“

Und Sie sind auch sehr gefühlsbetont?
„Ja, wobei viele Leute sagen, dass ich es nicht bin. Ich bin aber trotzdem Pragmatikerin.“

Zum Selbstschutz?
„Einfach aus praktischen Gründen heraus. Genauso wie es was mit Leiden zu tun hat. Als ich jünger war, bin ich durch sämtliches Leiden noch voll durchgelaufen. Volle Kanne. Rein in den Schmerz! Gebt mir mehr! Aber inzwischen denk ich mir einfach: ‚Nee, der bringt mich nicht weiter‘. Ich habe gelernt, dass auch emotionale Dinge mit Disziplin zu bewältigen sind. Das klingt jetzt sehr hart, ist es aber nicht. Also es ist nicht so, dass ich emotional abschalte. Aber ich komme einfach nicht weiter, wenn ich mich von dem Schmerz auffressen lasse. Allerdings - die emotionalen Höhen nehme ich gerne, wie sie sind. Kein Problem!“

Sie haben mit ganz extrem berühmte Menschen gedreht: Heinz Rühmann, Jürgen Prochnow, Armin Mueller-Stahl etc. Von allen Menschen, mit denen Sie je gedreht haben, fällt ihnen da einer ein, der Sie auf irgendeine besondere Art und Weise beeindruckt hat?
„Einer nicht. Aber mir fällt auf jeden Fall mein erstes Erlebnis mit René Deltgen und Brigitte Horney bei ,Heidi‘ ein. Die haben mich sicher geprägt. Ich könnte nicht einmal sagen, in welche Richtung, weil ich da, wie gesagt, zu klein war, um das auseinanderdividieren zu können. Aber die haben mich sicher sehr geprägt. Brigitte Horney – das ist jetzt etwas Banales – allein dadurch, dass sie gesagt hat, ich solle nie unten auf einer Seite unterschreiben, egal was für ein Autogramm ich gebe. Immer oben. Sonst können die Leute drübersetzen, was sie wollen. Also das sind diese kleinen Sachen gewesen. Dann hat mich ganz stark beeinflusst Christiane Hörbiger, weil sie die erste war, die mir nicht nur gesagt hat, wenn ich etwas falsch mache, sondern die mir vor allem auch gesagt hat, wenn ich etwas richtig mache. Dann hat mich sehr stark sicher der Armin Mueller–Stahl beeinflusst, was Spielen betrifft. Und das war’s. Und Lars Becker, definitiv.“

Mit wem würden Sie noch gerne drehen in Zukunft?
„Das ist ein Konjunktiv. Konjunktive machen unglücklich, meiner Meinung nach.“

Katharina Böhm (Foto: Public Address)Katharina Böhm (Foto: Public Address)


Arbeiten sie lieber fürs Kino oder kann man das nicht unterscheiden?
„Natürlich hat man beim Kino mehr Zeit, genauer zu arbeiten. Auf der anderen Seite arbeite ich lieber fürs Fernsehen, weil der Rummel ums Kino mir zu groß ist. Ich bin kein Öffentlichkeitsmensch. Also, haben Sie dieses Interview mit Helmut Schmidt bei Frau Maischberger gesehen? Da hat er einen wunderbaren Satz gesagt. Er hat gesagt: ‚Ich stehe nicht in der Öffentlichkeit, um mein emotionales Leben vor Ihnen auszubreiten‘. Und das finde ich auch. Ich bin auch nicht in der Öffentlichkeit, um der Öffentlichkeit MICH zu präsentieren, sondern die Rollen, die ich spiele. Und wenn ich Kino mache, muss man den Zirkus viel mehr mitspielen. Also sich zeigen, da sein, den ganzen Rummel noch viel mehr mitmachen.“

Damals um die Guldenburgs gab es aber auch eine Menge Rummel, oder?
„Ja, da war ich auch noch klein.“

Würden Sie so etwas heute nicht mehr machen?
„Ich würde Interviews anders führen als damals. Ich habe halt damals einfach nur frei von der Leber gequatscht und Sachen aus meinem Privatleben erzählt. Das würde ich heute nicht mehr machen.“

Aber solche Rollen wären für Sie auch heute noch interessant?
„Ich würde sie anders spielen! Das ist klar. Aber Serien... im Moment nicht. Ich habe lange darüber nachgedacht. Man darf nie ‚nie‘ sagen, das weiß ich... Also wenn da eine richtig gute Serie kommen würde, würde ich wahrscheinlich auch nicht ,nein‘ sagen. Aber im Moment wäre es einfach nicht gut für meinen Sohn. Ich arbeite bei Serien von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr abends. Da hat er dann maximal eine Stunde von mir.“

Gibt es jemanden, mit dem Sie nicht drehen würden?
„Ja, sicher. Wenn ich einen Menschen treffen würde, einen Filmemacher, der überheblich ist und mir moralisch nicht zusagt, dann würde ich sagen: ‚Nein, die Moral die er hat, kann ich nicht vertreten‘. Die eigene Moral findet sich auch in den Filmen wieder.“

Gab es so einen Fall schon mal?
„Nicht mit Moral, aber mit was anderem, ja.“

Aber sie möchten das jetzt nicht konkretisieren?
„(Lacht) Nein, den Teufel werde ich tun.“

Haben sie je mit Roman Polanski gedreht oder würden Sie?
„Weil er der Mann meiner Mutter war?

Ja. Gibt es da irgendwie da Vorbehalte, so dass Sie sagen: ‚O Gott, auf keinen Fall‘?
„Ja, bis vor einigen Jahren habe ich das sogar gesagt, weil ich nie verstanden habe, was meine Mutter an dem gefunden hat. Aber erstens habe ich gelernt, dass Wort ‚nie‘ soll man nicht sagen, und dann habe ich ihn einmal in München erlebt, auf einer Hommage. Da hat er auf der Bühne vor tausend Leuten gesprochen, als ob er mit jedem einzelnen beim Essen wäre. Und da habe ich immerhin verstanden, warum meine Mutter diesen Mann geliebt hat. Also da fand ich das in Ordnung. Sie hat meinen Segen im nachhinein bekommen. Ich wäre nicht speziell wild drauf, aber das ist ein Konjunktiv. Also ,würde‘, ,hätte‘ - ich versuche wirklich, mir diese Form im Leben abzugewöhnen, weil es nichts bringt.“

Können Sie sagen, welche Werte für Sie wichtig sind bei Ihren Entscheidungen und der Planung ihres Lebens und auf was sie da konkret achten?
„Auf eine gewisse Ironie dem Leben gegenüber. Dass man es ernst nehmen soll, aber das Augenzwinkern nie vergessen soll. Das ist für mich sehr wichtig. Humor - das schließt für mich das ein. Auch Toleranz und Intoleranz gegenüber intoleranten Menschen. Ignoranten sind für mich Rassisten, Verächter des Lebens im Generellen. Dass man nichts verachten soll, außer denen, die verachten - was wahrscheinlich auch eine Überheblichkeit ist. Das dürfte man wahrscheinlich auch nicht. Aber Gandhi bin ich nicht. Aber ich versuche einfach, möglichst tolerant durchs Leben zu laufen. Ich versuche, niemanden zu verurteilen auf Grund dessen, was er tut. Außer es tritt irgendwem anders auf die Füße.“

Was sind Ihre persönlichen Wünsche für die Zukunft?
„Wünsche sind natürlich ganz klar, dass mein Kind ein gesunder Mensch wird. Das sind so banale Wünsche: dass wir gesund sind und dass wir weiter so leben können wie wir es bisher tun. Ich meine, wir leben ja nicht auf großem Fuße, aber mit vielen Freunden und - ja, weiß nicht was man dazu sagen soll - ,fröhlich‘ klingt so doof, aber wir gehen doch ziemlich humoristisch durchs Leben, sagen wir es mal so.“

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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