"Wunderbare Gene"

Judith Richter im Interview

published: 30.12.2007

Judith Richter ist die Tochter des Comedy-Stars Beatrice Richter und des Schauspielers Heinz Baumann (Foto: Public Address) Judith Richter ist die Tochter des Comedy-Stars Beatrice Richter und des Schauspielers Heinz Baumann (Foto: Public Address)

Judith Richter wurde ihre Bestimmung sozusagen in die Wiege gelegt: Als Tochter des Comedy-Stars Beatrice Richter und des Schauspielers Heinz Baumann blieb ihr fast nichts anderes übrig, als irgendwann einmal vor der Kamera zu stehen.

Und tatsächlich flimmerte die junge Frau bereits in Produktionen wie "Unser Charly", "Küstenwache" oder "Die Rettungsflieger" über den Bildschirm. Am 4. Januar startet nun auf dem TV-Sender Sat.1 die neue Comedy-Serie "Two Funny", in der sie an der Seite von Alexander Schubert den Pärchenalltag auf die Schippe nimmt.

Während des Interviews bewegt sich alles an der zierlichen Blondine. Die Beine wippen und wechseln ständig die Position, Hände, Haare, Mimik - alles scheint voll und ganz zum Instrument ihrer Erzählungen zu werden: Über das schwierige Verhältnis zu ihrem Vater, den Wunsch nach eigenen Kindern und - wer hätte das gedacht? - über ein Mädchen, das eigentlich Kindergärtnerin werden wollte.

Du hattest vor kurzem Geburtstag. Wie hast Du gefeiert?
Judith Richter: "Ich hatte eigentlich vor, gar nicht zu feiern. Ich bin 29 geworden und habe meinen Geburtstag zum ersten Mal ein bisschen verdrängt. Ich war mit ein paar Freunden Pizza essen. Wir saßen entspannt zusammen, tranken einen guten Wein und hatten dann doch einen schönen Abend."

Wieso hast Du Deinen Geburtstag verdrängt?
"Die Zeit vergeht immer schneller, jedes Jahr rast an mir vorbei. Vor fünf Jahren dachte ich noch, dass ich spätestens mit 25 mein erstes Kind habe. Jetzt bin ich fast 30 und habe zwar noch kein Kind aber dafür meine erste Hauptrolle."

Wünschst Du Dir denn ein Kind?
"Ja, aber ich habe gelernt dass man den Zeitpunkt für ein Kind nicht planen kann."

Gibt es den Mann dafür denn schon?
"Ja."

War es für Dich schon immer klar, dass Du mal auf der Bühne stehen würdest?
"Nein, überhaupt nicht. Meine Mutter war in den 80er Jahren ein Comedy-Star und der ganze Trubel war damals sehr viel. Eigentlich wollte ich damit gar nichts zu tun haben und Kindergärtnerin oder Eiskunstläuferin werden. Erst als ich mit 14 anfing, im Schultheater mitzuspielen, merkte ich, wie viel Spaß mir das machte. Ich konnte auf der Bühne aus mir herausgehen, obwohl ich eigentlich eher ruhig und introvertiert war. Bei meinem ersten Theaterauftritt spielte ich die Botin in Antigone. Ich steigerte mich so in die Rolle hinein, dass meine Mutter nach der Vorstellung hinter die Bühne gerannt kam, weil sie dachte, mit mir stimme etwas nicht. Offensichtlich war ich sehr überzeugend gewesen. Das war der Anstoß."

Nimmst Du Deine Gefühle immer mit auf die Bühne und lebst sie dort aus?
"Nein, Schauspiel ist keine Selbsttherapie. Trotzdem fällt es mir während des Spielens leichter, komplett aus mir herauszugehen und wirklich ich selber zu sein."

Gingen während Deiner Kindheit bei Euch zuhause Prominente ein und aus?
"Ja schon, aber das war nie ein Thema. Was für mich schwierig war, war der Verlust der Privatsphäre durch die Prominenz meiner Mutter. Ich war zu jung, um den ganzen Trubel wirklich verstehen zu können. Vielleicht hatte ich durch diese Erfahrungen unbewusst den Wunsch, auf keinen Fall das Gleiche wie meine Eltern zu machen. Dadurch, dass meine Mutter allein erziehend war, bin ich früh selbständig geworden."

Wie war der Kontakt zu Deinem Vater?"Früher hatten wir wenig Kontakt. Wir sahen uns vielleicht einmal im Jahr. Seit fünf, sechs Jahren haben wir aber wieder intensiven Kontakt und sind dabei, eine Vater-Tochter-Freundschaft aufzubauen."

Er hat ja mit Evelyn Hamann "Adelheid und ihre Mörder" gedreht. Redet Ihr über ihren Tod?
"Er hat viele Jahre mit Evelyn Hamann zusammengearbeitet und ist sehr betroffen und traurig über ihren Tod. Ich habe ihm natürlich mein Beileid ausgesprochen. Ihr Tod kam ja sehr plötzlich. Ich habe sie aber nie wirklich kennen gelernt, nur einmal kurz die Hand geschüttelt und `Guten Tag´ gesagt, als mein Vater in Hamburg zu tun hatte. Aber ich habe ihre Arbeit sehr geschätzt."

Du hast ernsthafte und komische Charaktere gespielt. Was liegt Dir näher?
"Wir in unserer Familie neigen zur Dramatik und haben einen Hang zu Übertreibungen. Früher wollte ich immer nur die tragischsten Rollen spielen. Heute bin ich glücklich, dass ich auch mein komisches Potenzial erkannt habe. Während des Drehs für `Two Funny´ bemerkte ich, wie viel Freude mir das bereitet."

Was meinst Du mit `Hang zur Dramatik´? Ist es besonders anstregend, sich mit Euch zu umgeben?
"Oh Gott, ich hoffe nicht! Wir übertreiben eben beim Geschichtenerzählen gerne und das kann durchaus amüsant und unterhaltsam sein. Manchmal merke ich aber schon, dass ich mich etwas herunterschrauben sollte. Beklagt hat sich aber noch keiner."

Hast Du das Gefühl, dass Du Dich an Deiner Mutter messen lassen musst?
"Jetzt nicht mehr, aber es gab Phasen, in denen ich das Gefühl hatte, ich müsste mich beweisen. Nach der Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule gab es Leute, die mir vorwarfen, nur wegen meiner Mutter Chancen zu haben. Man profitiert nicht nur davon, dass die Eltern prominent sind. Aber ich bin froh darüber, diese wunderbaren Gene bekommen zu haben."

Hast Du Vorbilder?
"Es gibt Schauspieler, die mich ehrfürchtig machen, Meryl Streep zum Beispiel. Sie schafft es, mit ihrem Spiel, ihrer Ausstrahlung und ihrer unglaublichen Präsenz, mich so zu berühren, dass ich Tränen in die Augen bekomme. Ich habe aber keine Vorbilder in dem Sinne, dass ich sage: 'So möchte ich auch mal sein'."

[Franzisca Teske]

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