Moritz Bleibtreu im Interview

"Die Fee soll nach Hause gehen"

published: 18.02.2005

Moritz Bleibtreu (Foto: Public Address) Moritz Bleibtreu (Foto: Public Address)

50 Jahre eingesperrt in einem winzigen Kugelschreiber? Da kann man sich schon mal zu leichtsinnigen Zusagen hinreißen lassen. Die Erfüllung von drei Wünschen verspricht Moritz Bleibtreu als "der Fakir" seinen Befreiern, den Zwillingen Emma und Tom. Obwohl die Sache mit der Wunscherfüllung ziemlich schief geht und der Befreite sich stattdessen in die Zwillingsmutter verliebt - am Ende geht doch alles gut. "Der Fakir" läuft zurzeit in deutschen Kinos.

Im Interview mit Unikosmos erzählt Moritz Bleibtreu, wie es ist, in einem dänischen Film mitzuspielen, wenn man kein Wort Dänisch kann, was er über Deutschland denkt und mit welchen Mitteln man Liebeskummer bekämpfen sollte.

Der Film wurde in Dänemark gedreht. Sprichst du Dänisch?
Moritz Bleibtreu: "Nee, kein Wort. Ursprünglich war der Film als deutsch-dänische Koproduktion geplant. Die Deutschen sind dann leider - wie bei guten Drehbüchern oft - abgesprungen. Die Dänen haben das Ding dann durchgezogen."

Was hat dich dazu bewogen, trotz der Sprachbarriere dabei zu bleiben?
"Das ist in erster Linie dem Produzenten anzurechnen. Der hat gesagt: 'Moritz, wir wollten dich für den Film haben. Und dann machst du es halt auf Dänisch.' Ich habe zu ihm gesagt: 'Aber ich kann kein einziges Wort Dänisch.' Darauf er: 'Das macht nichts, kein Problem, das schaffst du schon.' Allein diese Offenheit fand ich toll. Das war so ein Kompliment für mich, dass ich gesagt habe: Das muss ich jetzt versuchen, ob ich es schaffe oder nicht."

Hast du zwischen dem Drehen in Dänemark und in Deutschland Unterschiede festgestellt?
"Die Dänen haben es geschafft, die Geschichten der Straße für sich zu entdecken und ihr Publikum daran zu gewöhnen. Man hat in Dänemark eine Filmlandschaft etabliert, in der sich die Menschen für ihre eigene Geschichte interessieren. Wenn wir das irgendwann in Deutschland erreichen würden, dann hätten wir's. Ganz so weit ist es noch nicht, aber wir sind auf dem besten Weg."

Du hast mal gesagt, dass du kein Problem damit hast "blöde Typen" zu spielen, abgesehen davon, dass manche Leute Rolle und Darsteller nicht auseinander halten können. Nun ist der Fakir auch nicht besonders helle...
"Das Reizvolle ist: Man hat emotional oft einen viel schnelleren Zugang zu diesen Figuren als zu einem ausgedachten Superhelden. Das Gute an solchen einfach gestrickten Figuren ist, dass sie meistens ihr Herz auf der Zunge tragen. Für einen Schauspieler ist das ein Riesenvorteil. Ich selbst bin eher vom Antihelden beeindruckt als vom Helden."

Hat dich das auch an dem Fakir gereizt, der ja ein liebenswerter, etwas konfuser Typ ist, der kein Held ist?
"Ich entscheide mich oft für Filme nicht so sehr wegen der Figur, sondern wegen des Gesamtbildes. Was ich an diesem Film toll fand, war die Art und Weise, wie die Beziehung zwischen den Kindern und der Mutter beschrieben ist."

Eine sehr ungewöhnliche Beziehung...
"Ja. Eigentlich ist es so, dass die Kinder die Elternrolle übernehmen und die Mutter zur Tochter wird. Ich mag Kinderfilme nicht, bei denen Kinder nicht für voll genommen werden. Das finde ich toll an diesem Drehbuch und diesem Film: Kinder werden als vollwertige Menschen begriffen."

Spielen Kinder in deiner Lebensplanung eine Rolle?
"Sicherlich wünsche ich mir Kinder und das wird auch hoffentlich irgendwann passieren, aber das kann man ja nicht übers Knie brechen. Da braucht man nun mal diejenige welche dazu..."

Und die gibt es nicht?
"Die gibt es noch nicht. Aber ich mag Kinder sehr gerne, habe auch immer viel mit Kindern zu tun gehabt. Und das wird schon noch irgendwann kommen."

Dieser Fakir ist ja ein regelrechter Womanizer. Hat er da Ähnlichkeiten mit Moritz Bleibtreu?
"Nein, hat er nicht. Bei Frauen bin ich eher etwas schüchterner. Wenn mich jemand interessiert, dann gehe ich auch auf sie zu, aber zurückhaltender als 'Normale' das machen."

Hilft dir der Bekanntsheitsgrad beim Flirten oder ist er eher hinderlich?
"Ich glaube, Liebe funktioniert losgelöst von jeder Form von Ruhm, von jeder Lebenssituation. Und ist das einzige auf der Welt, das nicht erklärbar ist und keiner Logik unterliegt."

Wie gehst du mit Liebeskummer um?
"So wie alle damit umgehen: Wohnung putzen..."

Na ja, alle nicht. Der Komponist Mimi Nachtigall, den du in dem Dietl-Film "Vom Suchen und Finden der Liebe" spielst, wählt zum Beispiel eine krasse Methode: Er bringt sich um...
"Ja, der ist aber auch Melancholiker. Ich bin kein Melancholiker. Ich gucke nach vorn. Ich kann Mimis Leid nachempfinden. Aber ich versuche, mich nicht so gehen zu lassen. Ich nehme einen Besen in die Hand und putze die Wohnung."

Segensreiche Ablenkungen...
"Ja, Kleinigkeiten. Putzen finde ich am besten. Da hat man sofort ein Erfolgserlebnis. Darum geht's, nicht nur bei Liebeskummer. Man muss im Leben versuchen, sich Erfolgserlebnisse zu verschaffen. Und die Wohnung zu putzen ist das Einfachste. Da kann ich danach sagen: Das habe ich gemacht. Sehr gut. Schulterklopfen."

Deine Karriere läuft bisher mustergültig. Du hast
mit dem Theater angefangen, mit kleineren Rollen im Fernsehen. Dann kamen die ersten Kinofilme...

"Ich habe in erster Linie versucht, mir bei dem, was ich tue, Mühe zu geben und nie langweilig zu sein. Das ist das einzige. Ansonsten habe ich meine Karriere nie geplant. Das könnte ich gar nicht."

Dann geht's wahrscheinlich auch schief...

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