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Robert Atzorn im Interview

"Mehr Schwung in den Laden Deutschland!"

published: 01.04.2005

Robert Atzorn (Foto: Public Address) Robert Atzorn (Foto: Public Address)

Am 23. März um 20.15 Uhr startete das ZDF die neue Serie „Kanzleramt“, in der Robert Atzorn als Kanzleramtschef Norbert Kraft die Fäden der Berliner Politik in der Hand hat und Bundeskanzler Andreas Weyer (Klaus J. Behrendt) den Rücken freihält.

„Kanzleramt“ erzählt in zunächst zwölf Episoden, wie politische Entscheidungen in Berlin zu Stande kommen und wie der Apparat des deutschen Regierungschefs funktioniert. Die Besetzung ist hochkarätig: In weiteren Rollen sind Rita Russek, Heikko Deutschmann, Herbert Knaup und Claudia Michelsen zu sehen.

Im Interview spricht Robert Atzorn über Politik und Yoga, die Liebe zu seiner Frau, über Therapien und Schlagzeugspielen. Er erzählt von seinen eigenen schlimmen Schulerfahrungen und warum er seine Kinder auf eine Waldorfschule geschickt hat.

Wie unterhaltsam finden Sie als Privatmensch die Politik?
“Bedingt - ich kann mir unterhaltsamere Sachen vorstellen. Aber ich verfolge das schon und weiß, wo sie sich gerade kabbeln.”

Gibt es ein Ereignis, über das Sie sich besonders geärgert haben?
“Diese Aufbau-Ost-Geschichte, die in die Hose gegangen und nicht durchschaubar ist. Es ist viel Geld in irgendwelchen Kanälen verloren gegangen. Und dass die neuen Bundesländer immer noch wie kleinere Geschwister behandelt werden, finde ich nicht okay. Man hat viele Chancen verpasst, das vorhandene Potenzial wirklich aufzubauen. Ich habe das Gefühl, die Ostdeutschen wurden nur als Konsumenten missbraucht. Das hat mir nicht gefallen. Was mir auch nicht gefällt, ist, dass keine gescheite Steuerreform zustande kommt. In einer Folge vom ‚Kanzleramt’ gibt es bei uns eine Steuerreform und ich hoffe, die Politiker nehmen sich daran ein Beispiel!”

Sie haben einst den Lehrer Dr. Specht gespielt und haben auch selber Kinder. Verfolgen Sie die Bildungspolitik?
“Die interessiert mich null. Ich bin nur froh, dass meine Kinder das Abitur hingekriegt haben. Die waren auf der Waldorfschule und da ist es ein besonderes Thema, die Schule mit dem Abitur abzuschließen - besonders in Bayern, weil diese Schulform dort so abgelehnt wird.”

Warum haben Sie Ihre Kinder auf die Waldorfschule geschickt?
“Weil ich das normale Schulsystem als zu rigide empfinde. Ich sehe es jetzt wieder bei den Kindern meines Schwagers: Die Tochter kommt mit zehn, elf Jahren aufs Gymnasium und muss von heute auf morgen jeden Tag vier Stunden lernen und wird teilweise rüde behandelt. Das gefällt mir gar nicht. Das normale Schulsystem ist sehr hart. Ich selber bin zwei Mal sitzen geblieben und empfand das als unmenschlich. Deshalb habe ich nach einer Alternative Ausschau gehalten und das war die Waldorfschule.”

Gibt es einen Politiker oder eine Politikerin, die Sie bewundern?
“Renate Schmidt steht mir sehr nahe. Die mag ich sehr. Aber sonst? Damals Helmut Schmidt, ja, und Willy Brandt, die lieben wir alle. Ich mag Schröder sehr. Ich finde Schily auch nicht schlecht, der ist ein spannender Mann.”

Wie sieht Ihre persönliche Beziehung zu Renate Schmidt aus?
“Ich würde nicht sagen, dass wir befreundet sind, aber ich kenne sie ganz gut. Wir laden uns manchmal gegenseitig ein, wenn ich in Nürnberg oder in Berlin bin. Und dann tauschen wir uns aus. Sie interessiert sich meistens für die menschlichen Phänomene und mich interessiert, wo sie gerade steht. Sie hat sich in den letzten Jahren zurückgehalten und legt jetzt los.”

Was schätzen Sie an ihr?
“Ich mag ihre Bodenständigkeit, ihre Biographie. Sie war ja allein erziehende Mutter - ich glaube, sie hat drei Kinder. Sie hat lange für den Unterhalt ihrer Kinder gearbeitet und ist dann in die Politik hineingewachsen. Sie hat etwas Direktes, Menschliches, Normales und sie redet, wie ihr das Herz gewachsen ist, und ist dabei blitzgescheit.”

Können Sie sich selbst vorstellen, Politiker zu werden?
“Nein, auf keinen Fall! Politik ist überhaupt nicht mein Ding. Ich kann mich für eine gewisse Zeit in sie hineindenken - das macht mir Spaß. Aber eigentlich interessieren mich die Hintergründe mehr. Wie die Menschen mit Macht und Druck umgehen. Selber diesen mörderischen Alltag aushalten - das könnte ich gar nicht.”

Spielen Sie eigentlich noch Schlagzeug?
“Nein.”

Robert Atzorn (Foto: Public Address)Robert Atzorn (Foto: Public Address)

Wann haben Sie damit aufgehört?
“Als mir die Schauspielerei so wichtig erschien, dass ich mir keine Zeit mehr dafür genommen habe. Das letzte Mal habe ich, glaube ich, in ‚Oh Gott, Herr Pfarrer’ getrommelt. Da habe ich das Schlazeug noch einmal herausgeholt.”

Was hat Ihnen das damals gegeben?
“Viel, weil es ein sehr männliches Instrument ist. Es hat sehr viel mit Rhythmus zu tun und ich habe es geliebt. Meine schönste Zeit war, als ich in einer Band gespielt habe. Bei einem Wettbewerb in Hamburg haben wir mal den dritten Platz belegt, im Starclub. Ich bin früher oft im Starclub gewesen, bei all den Bands aus England. Die Beatles sind mir leider entgangen. Aber das war für mich eine sehr schöne Zeit, um meine Lebensgier auszuleben.”

War das Schlagzeugspielen auch ein Ventil, Druck abzulassen?
“Absolut! Ich war ein sehr schüchterner Mensch und so konnte ich mich endlich bemerkbar machen.”

Wie machen Sie das heute?
“Heute brauche ich das ja nicht mehr, weil ich total ausgeglichen bin. Ich bin mit einer Frau verheiratet, die Tänzerin und Schauspielerin war und jetzt Yoga-Lehrerin jetzt. Jetzt mache ich Yoga.”

… und Yoga kann das Schlagzeugspielen...
“...leicht ersetzen. Es ist sogar noch spannender. Es bringt mich auch in die Balance. Beim Yoga kann ich meine Kreativität ausleben, ohne ein anderes Ventil. Obwohl Musikmachen eines der schönsten Dinge ist, die es gibt. Aber ich bin technisch auch zu schlecht geworden und habe keine Lust, mich da noch einmal rein zu arbeiten.”

Wie funktioniert Yoga bei Ihnen?

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