Kino-Tipp

"Joker"

published: 08.10.2019

Joaquin Phoenix spielt in Todd Phillips Film den Einzelgänger Arthur Fleck alias Joker (Foto: Niko Tavernise/2019 Warner Bros. Entertainment Inc.) Joaquin Phoenix spielt in Todd Phillips Film den Einzelgänger Arthur Fleck alias Joker (Foto: Niko Tavernise/2019 Warner Bros. Entertainment Inc.)

Anfang der 1980er Jahre lebt Arthur Fleck (Jaoquin Phoenix) in einem heruntergekommenem Appartment in Gotham City. Der Einzelgänger kümmert sich um seine kranke Mutter Penny (Frances Conroy). Er selbst leidet an einer nicht weiter spezifizierten psychischen Erkrankung, weswegen er diverse Medikamente einnimmt. Arthur verdingt sich als Clown und träumt von einer Karriere als Stand-up-Comedian. "Joker" erzählt die Geschichte seiner Transformation vom missverstandenen Einzelgänger zu jenem Mann, der später einmal Batmans Erzfeind wird.

JOKER - Final Trailer #2 Deutsch HD German


Als ihm die Gespräche mit seiner Sozialarbeiterin und damit auch seine Medikation gestrichen werden, gleitet Arthur Fleck zunehmend ab. Er fühlt sich von der Gesellschaft verletzt, ausgestoßen und missverstanden. Als Fleck eine Gruppe Jugendlicher verfolgt, die ihm das Schild entreißt, mit dem er für den Schlussverkauf eines Ladens werben soll, wird er von den Jugendlichen in einer Gasse brutal zusammengetreten. Im Bus versucht Fleck mit seinen Grimassen, einen Jungen zu amüsieren, doch das wird von dessen Mutter als Belästigung verstanden. Bei all diesen Vorkommnissen, die zeigen, wie übel Fleck mitgespielt wird, kann der Zuschauer nachvollziehen, dass er die Gesellschaft zunehmend als feindselig erlebt. Der Film wird aus seiner Perspektive erzählt, die gezeigte Wahrheit ist subjektiv gefärbt.
 

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Joker street art in Kazakhstan. ???? @repas_workshop. Time lapse ???? by @tenyakov #Joker

— toddphillips1 October 1, 2019

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Fleck sieht sich selbst als jemanden, der es verdient hätte, auf den ganz großen Bühnen zu stehen. Der Moderator einer Fernsehshow, Murray Franklin (Robert De Niro), ist eines seiner Vorbilder. Es ist kein Zufall, dass De Niro diese Rolle spielt. Als Rupert Pupkin hatte er im Film "The King Of Comedy" davon geträumt, in der TV-Show von Jerry Langford (Jerry Lewis) aufzutreten. De Niro ist nun aufgerückt und Joaquin Phoenix schlüpft in die Rolle des Quasi-Pupkin. Es ist nicht die einzige Hommage an Martin Scorsese in der "Joker"-Interpretation von Regisseur Todd Phillips. Der gesamte Look und das Gefühl, das der Zuschauer von Gotham bekommt, ist jenes des New York der 1980er-Jahre aus dem Filmklassiker "Taxi Driver". Die Parallelen zwischen Arthur Fleck und Travis Bickle sind unverkennbar.
 

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"Joker" ist keine klassische Comic-Buch-Verfilmung. Der Film verzichtet auf jegliche Art der visuellen Übertreibung, übt sich stattdessen in möglichst realistischer Darstellung. Obwohl der Film im "Batman"-Universum spielt, gibt es in diesem Film keine Helden. Wenngleich Fleck in der Gesellschaft randständig ist, so ist der Joker in diesem Film keine Randfigur, keine Nebenrolle und nicht bloß Antagonist, wie in vorherigen Interpretationen der Rolle in "Batman"-Filmen. Dieser Film ist nur ihm gewidmet, der Fokus liegt auf seiner Entwicklung beziehungsweise seinem Verfall. Da ist es eine Wohltat, hin und wieder Menschen gezeigt zu bekommen, die eine gewisse Normalität ausstrahlen.

Schon die Trailer verraten, welch immense Bedeutung Hauptdarsteller Joaquin Phoenix für diesen Film haben würde. Phoenix' Darstellung von Arthur Fleck ist preiswürdig. Es ist beindruckend zu sehen, wie er die Schicksals- und Faustschläge erleidet, die er wiederholt einstecken muss, und wie der Joker geboren wird. Für die Rolle nahm der Schauspieler einige Kilogramm ab. Es ist nicht nur sein Gesicht mit der Clownsschminke, das ihn zum Joker macht. Er verkörpert die Figur bis in die Zehenspitzen, wenn er seinen ausgemergelten Körper zusammenrollt, sich so vorbeugt, dass die Schulterblätter aus dem Rücken hervorstechen und seine Arme irgendwie falsch platziert wirken.
 

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Der Film ist eine Charakterstudie und könnte Fans seichter oder auf Action fokussierter Comic-Unterhaltung abschrecken. "Joker" liefert eine Hintergrundgeschichte zum Werdegang von Batmans berühmtesten Widersacher. Inwiefern die gezeigte psychische Erkrankung des Joker dessen Taten begründen und erklären kann, ist fraglich. Ob der Film ein Meisterwerk ist, ein Porträt, das der Figur des berühmten Schurkenclowns eine nie dagewesene Tiefe verleiht, oder ob Todd Phillips Film der Stigmatisierung psychischer Erkrankungen Vorschub leistet und vereinsamten Menschen eine Anleitung zum Ausrasten bietet, wie es manche Kritiken vermuten, muss an dieser Stelle offen bleiben. Jeder kann sich sein eigenes Bild machen: "Joker" läuft ab Donnerstag, 10. Oktober, in den deutschen Kinos.

Originaltitel: "Joker"; USA 2019; Regie: Todd Phillips; Drehbuch: Todd Phillips, Scott Silver; Darsteller: Joaquin Phoenix, Robert De Niro, Zazie Beetz, Frances Conroy, Brett Cullen, Glenn Fleshler, Bill Camp, Shea Whigham, Marc Maron, Douglas Hodge, Josh Pais, Leigh Gill; Laufzeit: 122 Minuten; FSK: ab 16 Jahren; Kinostart: 10. Oktober 2019; Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

[PA]

Links

Offizielle Website zum Film "Joker"

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