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Kino-Tipp

"Let's Make Money"

published: 30.10.2008

"Let′s Make Money" läuft seit dem 30. Oktober in den Kinos  (Plakat: Delphi) "Let′s Make Money" läuft seit dem 30. Oktober in den Kinos (Plakat: Delphi)

Seien wir ehrlich: Es passiert selten genug, dass man im Kinosessel ein echtes Aha-Erlebnis hat. Dass man fundamental Neues erfährt. Dass man vermeintlich Altbekanntes auf einmal mit anderen Augen sieht. Und dass man erschüttert erkennt, dass all diese plötzlich sichtbaren Zusammenhänge die großen Problemen der Welt erklären. Oder genauer: hervorrufen.

Baumwollarbeiter in Burkina Faso, Afrika, verdienen im Jahr weniger als 50 Euro (Foto: Delphi)Baumwollarbeiter in Burkina Faso, Afrika, verdienen im Jahr weniger als 50 Euro (Foto: Delphi)

Diese rare Wirkung hat die Dokumentation "Let‘s Make Money" von Erwin Wagenhofer. Wie bereits mit "We Feed the World – Essen Global" demaskiert der Filmemacher Auswüchse der Globalisierung. Nun hat er sich der Finanzwelt zugewandt und enthüllt dem Kinopublikum das ungeschminkte Gesicht eines brutalen Kapitalismus. Da mutet es mehr als ironisch an, dass ausgerechnet die große Finanzkrise jetzt ein werbewirksames Umfeld für Wagenhofers Aufklärungsfilm geschaffen hat.

Er begleitet Banker, Investoren und Ökonomen mit der Kamera, wenn Sie ihre Geschäfte in Singapur, London, Chenna (dem alten Madras), Washington D.C. oder Florida abwickeln. Der Zuschauer erlebt ohne Kommentare aus dem Off, was die Immobilienblase in Spanien an steingewordenen Unsinnigkeiten in Golfplatznähe hinterlassen hat. Er spaziert mit Jerseys Finanzminister von Bankfiliale zu Bankfiliale der Insel und lässt sich das Prinzip der Steueroase erklären. Und er ist dabei, wenn sich in Afrika Baumwollpflücker für weniger als 50 Euro im Jahr tagein tagaus in der gleißenden Sonne krumm machen.

Senator Terry le Sueur, Stellvertretender Ministerpräsident und Finanzminister von Jersey, preist die Steuervorzüge seiner Insel (Foto: Delphi)Senator Terry le Sueur, Stellvertretender Ministerpräsident und Finanzminister von Jersey, preist die Steuervorzüge seiner Insel (Foto: Delphi)

Ohne auch nur in Ansätzen zu einem Börsenlexikon zu verkommen, bringt "Let‘s Make Money" Licht ins Dunkel von Internationalem Währungsfonds, Weltbank, Emerging Markets und Hedge Fonds. Der Zuschauer lernt schaudernd die Prinzipien der seit Jahrzehnten herrschenden Investmentwirtschaft des Neokapitalismus kennen, die gar keine Wertschöpfung anstrebt und denen die sozialen und ökologischen Konsequenzen egal sind. Was zählt, ist der kurzfristige Profit. Koste er die Welt, was er wolle.

Gerhard Schwarz, Leiter der Wirtschaftsredaktion der Neuen Zürcher Zeitung und Präsident der Friedrich August von Hayek Gesellschaft, befindet sich auf dem Weg in ein Schweizer Luxushotel zu einem Treffen mit Wirtschaftswissenschaftlern der Mont Pelerin Society, als Wagenhofer ihn interviewt. Er erklärt die Durchsetzung dieses Denkens in der Politik der USA und Großbritanniens unter Ronald Reagan und Margaret Thatcher in den 80er Jahren.

Der Ökonom John Perkins arbeitete während dieser Zeit für den Geheimdienst und die amerikanische Regierung – als "Wirtschaftskiller", wie er sagt. Mit Methoden, die denen der Mafia ähnelten, seien Regierungen und ganze Länder von den USA zu weitreichenden wirtschaftlichen Entscheidungen gezwungen worden – mit dem Ergebnis eines Neokolonialismus, der es armen Ländern unmöglich mache, sich aus den finanziellen Sklavenketten zu befreien.

Dieses große Werbeplakat  der Deutsche Bank thront über den Slums von Chenna (Foto: Delphi)Dieses große Werbeplakat der Deutsche Bank thront über den Slums von Chenna (Foto: Delphi)

Feige verdrängt man als Zuschauer so lange wie möglich, dass man selber Komplize des Systems ist, längst durch Bankkonto, Rentenfond oder Lebensversicherung irgendwie Mittäter ist. Hätte man das nur gewusst! Man kommt sich benutzt vor, für dumm verkauft von Politik und Medien, von Wildwest-Spekulanten und verantwortungslosen Finanzjongleuren für ihre Zwecke eingespannt.

Will man die menschenverachtende Situation ändern, muss es ab jetzt heißen: informieren, was mit dem Geld wirklich geschieht, das man den Banken anvertraut. Fragen, fragen, fragen. Wenn einem die Antworten nicht gefallen, was – wie man jetzt weiß – wahrscheinlich ist, gibt man seine sauer gesparten Kröten eben woanders hin. Politisch korrekte Finanzanlagen gibt es nämlich auch. Und dass das nächste neue T-Shirt aus fair gehandelter Baumwolle genäht sein wird, das ist mal sicher.

"Let's Make Money"; Ö 2008; Regie: Erwin Wagenhofer; Drehbuch: Erwin Wagenhofer; Kamera: Erwin Wagenhofer; Schnitt: Paul M. Sedlacek; Musik: Helmut Neugebauer; Ton: Lisa Ganser; Produzent: Helmut Grasser; Herstellungsleitung: Katharina Bogensberger; Länge: 110 Min.; FSK: ab 6; Verleih: Delphi; Kinostart: 30. Oktober 2008

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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