Kino-Tipp

"Exil"

published: 18.08.2020

Xhafer (Mišel Maticevic) sieht überall Anzeichen für Rassismus (Foto: AlamodeFilm) Xhafer (Mišel Maticevic) sieht überall Anzeichen für Rassismus (Foto: AlamodeFilm)

Manchmal kommt es uns so vor, als wäre die ganze Welt gegen uns. Als hätte sich alles gegen uns verschworen. Und es fällt uns schwer, unseren Platz zu finden. Diese Erfahrung macht auch Xhafer (Mišel Maticevic) im Drama "Exil", das am 20. August in den Kinos startet. Wird ihm tatsächlich Unrecht getan oder bildet er sich alles nur ein?

EXIL I Offizieller Trailer deutsch I Ab 20.08. im Kino


Xhafer ist ein 45-jähriger, im Kosovo geborener und nun in Deutschland lebender Pharma-Ingenieur, der mit der gebürtigen Deutschen Nora (Sandra Hüller) verheiratet ist und drei Kinder hat. Der Film zeigt uns seinen Alltag, der sich zum Schlechten wendet, nachdem er eine tote Ratte an seinem Gartentor findet. Für ihn ist klar: Die Geste ist rassistisch motiviert. Er beginnt, hinter all seinen Problemen Rassismus zu sehen und stößt mit seinem paranoiden Verhalten nach und nach Familie und Freunde von sich. Ist seine Sorge berechtigt? Oder ist er vielleicht selbst an seiner Situation schuld?
 

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Es ist eine düstere Reise in den Kopf eines Mannes, der sich von der Welt um ihn herum ungerecht behandelt fühlt. Dabei gelingt es Regisseur Visar Morina und seinem Team, dass sich der Zuschauer in diesen Mann hineinversetzen kann. Insbesondere Licht und Schatten werden geschickt genutzt: Xhafers Gesicht ist mal kaum sichtbar, mal der Fokus der gesamten Aufmerksamkeit. Man erlebt seinen Alltag dabei aus seiner Sicht, die Kamera folgt ihm eng und man fühlt sich mit ihm gerade auf der Arbeit genauso eingeengt, wie er es tut. Das alles wirkt ungeschönt. Unangenehme Pausen erlebt der Zuschauer mit, er hört ihn schlucken, er sieht ihn schwitzen. Es erinnert stark an das Unwohlsein, das der Film "Joker" von Todd Phillips dem Zuschauer bescherte.
 

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Wie schon bei "Joker" steht und fällt das Ganze mit dem Hauptdarsteller. Mišel Maticevic hat die anspruchsvolle Aufgabe, dem durchschnittlichen Kinobesucher einen Mann in einer Situation begreiflich zu machen, in der er wahrscheinlich nie sein wird und die er somit wohl auch nie vollends verstehen wird. Dies gelingt Maticevic allerdings sehr gut. Er erschafft eine gefühlte Realität eines Mannes im Wahn, den wir nur schwer verstehen. Seine Frau Nora ist hier in gewisser Weise in derselben Situation wie der Zuschauer. Nur die punktuell eingesetzte Musik reißt den Zuschauer zum Teil aus dieser Realität heraus. Sie ist aber nur ein weiterer Indikator dafür, dass Xhafer eine tickende Zeitbombe zu sein scheint. Der Film wirkt sehr roh, was seine größte Stärke ist.
 

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January 1, 1970

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"Exil" ist ein ambitioniertes Projekt, das ernste Themen wie Rassismus und Mobbing auf eine unkonventionelle Art und Weise thematisiert. Es ist gewagt: Die Idee, dass jemand sich Rassismus vielleicht nur einbildet, kann einem schnell aufstoßen, wenn die Umsetzung nicht stimmt. Und man könnte Gefahr laufen zu schließen, dass Rassismus in der Realität vielleicht auch nicht der Ursprung von Schikanierung sein könnte, selbst, wenn dem so ist. Das weiß Regisseur Morina selbst am besten: Seine persönlichen Erfahrungen mit Alltagsrassismus flossen in diesen Film ein. Er zeigt, wie Rassismus und Paranoia miteinander einhergehen und sich gegenseitig befeuern.
 

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Dennoch muss dem Film vorgeworfen werden, dass er im Kern zwar eine Geschichte über Rassismus ist, aber Gefahr läuft, diesen zu relativieren. Abgesehen davon macht "Exil" dem Kinobesucher die Folgen der eigenen Handlungen klar und führt vor Augen, wie wichtig es ist, sich mit seinem Umfeld auseinanderzusetzen. Gegenseitiges Verständnis und das Bewusstsein für sein eigenes Handeln sind die wahren Themen, mit denen sich dieser Film befasst. "Exil" ist kein Feel-good-Film. Er ist eine fordernde Erfahrung, die den Zuschauer durchaus mit einem unwohlen Gefühl zurücklassen kann. Gerade deshalb ist er den Kinobesuch auf jeden Fall wert.

Originaltitel: "Exil"; Drama; D,Bel,RKS 2020; Regie: Visar Morina; Drehbuch: Visar Morina; Darsteller: Mišel Maticevic, Sandra Hüller, Rainer Bock, Thomas Mraz, Flonja Kodheli; Laufzeit: 121 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; Kinostart: 20. August 2020; Verleih: Alamode Film

Der Autor: Jakob Baumgardt

Der Autor: Jakob Baumgardt

Als gebürtiger Hamburger ist Jakob manchmal etwas kurz angebunden. Er brennt schnell für ein Thema, wenn es um Sport oder Musik geht. Jakob probiert sich gerne kreativ aus und in seiner Freizeit geht ihm nichts über entspannte Abende und laute Boxen. In seinem Studium lernt er neben Journalismus und PR auch die negativen Seiten der Medien kennen. Er kann sich durchaus vorstellen, später einmal auszuwandern.

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