Kino-Tipp

"Frost/Nixon"

published: 05.02.2009

Auf dem Weg zum Interview genießt Richard Nixon (Frank Langella) den Jubel seiner Anhänger  (Foto: Universal) Auf dem Weg zum Interview genießt Richard Nixon (Frank Langella) den Jubel seiner Anhänger (Foto: Universal)

Kinofilme über Sportler kennt jeder: Der Außenseiter scheitert zunächst, arbeitet dann an sich, um am Schluss dann doch siegreich vom Platz zu gehen. Im Western gibt es statt eines Endspieles das Duell als den finalen Showdown, in dem sich zwei Gegner um Alles oder Nichts gegenüberstehen. "Frost/Nixon" fügt diesen Motiven eine neue Variante hinzu: das Interview als komplexen Zweikampf.

Blockbuster-Regisseur Ron Howard ("Der Da Vinci Code") inszenierte die Begegnungen von Ex-US-Präsident Richard Nixon (Frank Langella) und dem britischen Talkmaster David Frost (Michael Sheen) nach solchen Hollywood-Regeln. Klug von ihm, die Hauptdarsteller der Theaterversion der Geschichte auch für die große Leinwand zu verpflichten.

Sheen, der in "Die Queen" schon Premierminister Tony Blair wunderbar unterhaltsam darstellte, präsentiert den als Promi-Liebling und Late-Night-Quasseler bekannten Frost als leicht oberflächlichen, aber offenen und naiv-liebenswerten TV-Mann mit hochtrabenden Plänen. Langella, der für seine Leistung als Nixon ein aussichtreicher Oscar-Anwärter ist, gibt als Gegengewicht den verschlossenen, rhetorisch brillanten Politiker.

Nixon (Langella, r.) mit seinem engsten Berater (Kevin Bacon, l.) (Foto: Universal)Nixon (Langella, r.) mit seinem engsten Berater (Kevin Bacon, l.) (Foto: Universal)

Weil er seine demokratischen Konkurrenten hatte bespitzeln lassen und aufgrund von Behinderungen der Justiz und anderer Missbräuche von Regierungsvollmachten, musste der Republikaner Nixon 1974 als erstes und bis heute einziges amerikanisches Staatsoberhaupt von seinem Amt zurücktreten. Nur dadurch entging er einem Enthebungsverfahren.

Weite Teile der amerikanischen Öffentlichkeit zeigten sich empört darüber, dass Nixon nie öffentlich Unrechtsbewusstsein gezeigt hatte. Alle Einladungen von harten politischen Journalisten der US-Fernsehanstalten schlug Nixon aus. Das Angebot des als harmlos verschrienen Briten Frost nahm er 1977 jedoch an – wohl nicht zuletzt, da dieser ihm eine enorm hohe Gage geboten hatte.

Für vier Aufzeichnungen à 90 Minuten verabreden sich die beiden Stars. Während im Hintergrund auf beiden Seiten die Berater rotieren, verdichten sich die Zusammentreffen zunehmend zum Charakter-Duell der Protagonisten. Frost, dem im Laufe der Zeit die Geldgeber abspringen und nicht einmal die eigenen Leute zutrauen, gegen den gewieften Machtmenschen Nixon etwas ausrichten zu können, erkennt erst am Ende, worauf es bei dem Gespräch wirklich ankommt – und worum es Nixon wirklich geht.

Nixon (Langella) und David Frost (Michael Sheen, v.l.) treffen sich zum Schlagabtausch (Foto: Universal)Nixon (Langella) und David Frost (Michael Sheen, v.l.) treffen sich zum Schlagabtausch (Foto: Universal)

"Frost/Nixon"; USA 2008; Regie: Ron Howard; Drehbuch: Peter Morgan; Buchvorlage: Peter Morgan; Kamera: Salvatore Totino; Schnitt: Daniel P. Hanley, Mike Hill; Musik: Hans Zimmer; Darsteller: Michael Sheen, Frank Langella, Kevin Bacon, Rebecca Hall, Toby Jones, Matthew Macfadyen, Oliver Platt, Sam Rockwell; Länge: 122 Min.; FSK: ab 6 Jahren; Verleih: Universal; Kinostart: 05. Februar 2009

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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www.frost-nixon-film.de

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