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Kino-Tipp

"Hilde"

published: 12.03.2009

Hilde (Heike Makatsch) versucht es in Hollywood  (Foto: Egoli Tossell Film/ MMC Independent) Hilde (Heike Makatsch) versucht es in Hollywood (Foto: Egoli Tossell Film/ MMC Independent)

Der Film endet mit ihrem triumphalen Konzert in der Berliner Philharmonie 1966. Die selbst getexteten Lieder zünden, das ausverkaufte Haus tobt, selbst vormals skeptische Beobachter jubeln Hildegard Knef zu.

"Hilde", der Film über das Leben von Hildegard Knef, läuft seit dem 12. März in den Kinos. Heike Makatsch verkörpert die Schauspielerin und Sängerin (Foto: Egoli Tossell Film/ MMC Independent)"Hilde", der Film über das Leben von Hildegard Knef, läuft seit dem 12. März in den Kinos. Heike Makatsch verkörpert die Schauspielerin und Sängerin (Foto: Egoli Tossell Film/ MMC Independent)

Dass dem Zuschauer die Fortsetzung ihres Lebens erspart bleibt, ist vielleicht gut so. Denn nach diesem denkwürdigen Abend folgt einiges, das den Glanz der erfolgreichen, brillanten Chansonsängerin eintrüben könnte, einiges, das nicht so cool und sexy ist. Besonders seit den späten 70er Jahren beherrscht Negatives die öffentliche Wahrnehmung über "Die Knef", wie sie genannt wird: die zweite Scheidung, Brustkrebs, Schönheitsoperationen, eine Fehde mit der Boulevard-Presse. Am 1. Februar 2002 stirbt die ehemals starke Raucherin an einem Lungenemphysem.

Abenteuerlustig, von sich überzeugt und ehrgeizig erscheint die 17-jährige Hilde, als sie sich 1943 bei der UFA als Schauspielschülerin bewirbt. Sie beeindruckt Else Bongers (Monica Bleibtreu), die das Besetzungsbüro in Potsdam Babelsberg leitet, und wird aufgenommen. Naiv oder opportunistisch? Die junge Frau fängt eine Affäre mit dem verheirateten Nazi und Filmmanager Ewald von Demandowsky (Anian Zollner) an, der ihr die erste Rolle besorgt: in einem Propagandafilm. Nur das nahe Kriegsende vereitelt die Vollendung des Machwerks. In den letzten Kriegstagen kämpft Knef, als Mann verkleidet, an Demandowskys Seite in der Schlacht um Berlin gegen die russischen Soldaten.

Hilde und ihr zweiter Ehemann David Cameron (Dan Stevens) kommen in Berlin Tempelhof an (Foto: Egoli Tossell Film/ MMC Independent)Hilde und ihr zweiter Ehemann David Cameron (Dan Stevens) kommen in Berlin Tempelhof an (Foto: Egoli Tossell Film/ MMC Independent)

Nach dem Sieg der Alliierten freundet sich Hilde in der ausgebombten Hauptstadt mit dem Musiker Ricci Blum (gar nicht mal schlecht: Roger Cicero) an und steht bald als Sängerin auf der Bühne. Die Ehe mit dem US-Filmoffizier Kurt Hirsch (Trystan Pütter) sowie die Fürsprache von Produzentenlegende Erich Pommer (Hanns Zischler) ebnen ihr den Weg ins Kinogeschäft. Mit dem Nachkriegsfilm "Die Mörder sind unter uns" wird sie zum Star, der Versuch, in Amerika Fuß zu fassen, misslingt jedoch. Nach ihrer Rückkehr dreht sie in Deutschland den zum Skandal stilisierten Streifen "Die Sünderin", in dem sie kurz nackt zu sehen ist. Nicht nur beruflich eine schwierige Zeit für die erfolgshungrige Diva. Ihre Ehe bricht auseinander. Wieder in den USA, macht sie als Musical-Sängerin Karriere am Broadway. Doch immer noch hadert sie mit sich, will eigentlich etwas anderes. Schließlich entscheidet sie sich dafür, ein Tonstudio zu mieten und endlich eigene Lieder aufzunehmen.

Im Plattenstudio nimmt sie eigene Chansons auf (Foto: Egoli Tossell Film/ MMC Independent)Im Plattenstudio nimmt sie eigene Chansons auf (Foto: Egoli Tossell Film/ MMC Independent)

Heike Makatsch legt sich als Knef wirklich ins Zeug, erreicht respektable Ähnlichkeiten in Habitus, Gestik und Duktus. Um wirklich überzeugend zu klingen - die Schauspielerin singt auch die Songs im Film - hätte sie jedoch zusätzlich drei Schachteln Zigaretten täglich qualmen müssen.

Kai Wessel verfilmte Knefs Leben nach ihrer Autobiografie "Der geschenkte Gaul". Das stilistisch ungewöhnliche Werk, das Knef ebenso schnoddrig, bissig, lakonisch und treffsicher verfasst hatte wie ihre Chansontexte, erschien 1970. Es erreichte Platz eins der Verkaufslisten und wurde zum international erfolgreichsten Buch eines deutschen Autors nach dem Zweiten Weltkrieg. Wer nach dem Kinobesuch überlegt, sich einen von der echten Hilde gesungenen Longplayer zuzulegen, sollte das Buch gleich mit erwerben. Es ist ein wahrer Klassiker. "Hilde" erreicht diesen Status nicht - dazu hat Wessels 136-Minuten-Film einfach zu viele Längen.

"Hilde"; D 2009; Regie: Kai Wessel; Drehbuch: Maria Heland; Buchvorlage: Fred Breinersdorfer; Kamera: Hagen Bogdanski; Schnitt: Tina Freitag; Darsteller: Heike Makatsch, Dan Stevens, Monica Bleibtreu, Michael Gwisdek, Hanns Zischler, Anian Zollner, Trystan Pütter, Johanna Gastdorf, Sylvester Groth, Roger Cicero; Länge: 136 Min.; Verleih: Warner; Kinostart: 12. März 2009

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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Links

www.hilde-derfilm.de

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