"Tatort"-Star Jan Josef Liefers hat bei der Aktion #allesdichtmachen mitgewirkt (Screenshot: YouTube-Channel "allesdichtmachen") "Tatort"-Star Jan Josef Liefers hat bei der Aktion #allesdichtmachen mitgewirkt (Screenshot: YouTube-Channel "allesdichtmachen")
Aktion von Schauspielern

#allesdichtmachen sorgt für Wirbel

"Alles dicht machen, nie wieder aufmachen, Lockdown für immer". Das ist das gemeinsame Motto der Videos, mit denen sich etwa 50 Schauspielerinnen und Schauspieler satirisch zur aktuellen Corona-Politik in Deutschland äußern. Mit dabei sind bekannte "Tatort"-Darsteller wie Jan Josef Liefers, Wotan Wilke Möhring, Meret Becker und Ulrich Tukur. Auch "Babylon Berlin"-Star Volker Bruch, Nadja Uhl, Heike Makatsch und viele andere machen bei der umstrittenen Aktion mit. Die kurzen, ironischen Clips mit dem Hashtag #allesdichtmachen wurden am Donnerstag Abend, 22. April, auf der Website "allesdichtmachen.de", auf dem YouTube-Channel "allesdichtmachen" und den einzelnen Social-Media-Profilen der Mitwirkenden veröffentlicht. Zum Zeitpunkt der Artikelerstellung war die Webseite nicht erreichbar.

Jan Josef Liefers

allesdichtmachen | Datenschutzhinweis


Liefers bedankt sich in seinem Clip mit ironischem Unterton "bei allen Medien unseres Landes, die seit über einem Jahr unermüdlich verantwortungsvoll und mit klarer Haltung dafür sorgen, dass der Alarm genau da bleibt, wo er hingehört, nämlich ganz, ganz oben." Die Hashtags #allesdichtmachen, #niewiederaufmachen und #lockdownfürimmer wurden am Abend binnen kurzer Zeit laut RTL zu den am meisten verwendeten Hashtags bei Twitter in Deutschland.

Wotan Wilke Möhring

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Die Reaktionen fallen äußerst gemischt aus. Deutliche Kritik bekommt die Internetaktion u.a. von Kolleginnen und Kollegen, die sich via Instagram in die einmischten und sich mit Gegenhashtags wie #allesschlichtmachen und #nichtganzdicht klar gegen die Videos stellten. "Was‘ los da? "Make cynicism great again"?", kommentierte etwa Nora Tschirner. Und auch Elyas M'Barek fand unter dem Beitrag von Volker Bruch deutliche Worte: "Come on, das ist doch Blödsinn. Was unterstellst du denn da unserer Regierung? Kann ich null nachvollziehen. Jeder will wieder zur Normalität zurückkehren und das wird auch passieren. Wenn alle dafür sorgen, dass eine weltweite PANDEMIE bekämpft wird. Mit Zynismus ist doch keinem geholfen".
 


Auch der Moderator und Notfallsanitäter Tobias Schlegel äußerte sich auf Twitter ebenfalls deutlich: "Die Schauspieler*innen von #allesdichtmachen können sich ihre Ironie gerne mal tief ins Beatmungsgerät schieben." Und der Satiriker Jan Böhmermann verwies auf die Folge "Station 43 - Sterben" der ARD-Doku-Reihe "Charité intensiv" als das "einzige Video, das man sich ansehen sollte, wenn man Probleme mit Corona-Eindämmungsmaßnahmen" habe.

Es gab allerdings auch unterstützende Worte zur Aktion. Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit nannte das Video bei Twitter "ein Meisterwerk". Applaus kam auch vom früheren Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maaßen, der die Aktion "großartig" findet. Die AfD-Bundestagsabgeordnete Joana Cotar twitterte: "Das ist intelligenter Protest." Sie feiere Jan Josef Liefers.

Volker Bruch

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Dieser Beifall von rechts war manchem #allesdichtmachen-Mitwirkenden dann wohl doch zu viel. Heike Makatsch, eine der Schauspielerinnen, die sich an der Aktion beteiligt hatte, distanzierte sich am Freitagmorgen davon. Auf Instagram schrieb sie: "Ich distanziere mich klar und eindeutig von rechtem Gedankengut und rechten Ideologien. Schon immer. Ohne Frage. Ich erkenne die Gefahr, die von der Corona-Pandemie ausgeht und will niemals das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen schmälern und sie womöglich dadurch verletzen. Soll das geschehen sein, so bitte ich um Verzeihung." Ihr Video zog Makatsch zurück.
 


Auch Jan Josef Liefers sah sich zur Reaktion genötigt. Er kommentierte unter anderem auf Twitter: "Ich setze mich kritisch mit den Entscheidungen meiner Regierung zu SarsCoV2 und Covid 19 auseinander. Besonders wegen der in Kauf genommenen Verluste in Kultur und Kunst und der Veranstaltungsbranche. Auch im jüngsten Video, das ein ironischer Kommentar über Prioritäten von Medien sein sollte. Eine da hinein orakelte, aufkeimende Nähe zu Querdenkern u.ä. weise ich glasklar zurück. Es gibt im aktuellen Spektrum des Bundestages auch keine Partei, der ich ferner stehe, als der AfD."
 

[PA]

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