Franz Walter (Lars Eidinger) will nicht mehr für das Ministerium für Staatssicherheit arbeiten (Foto: Alamodefilm) Franz Walter (Lars Eidinger) will nicht mehr für das Ministerium für Staatssicherheit arbeiten (Foto: Alamodefilm)
Polit-Drama

"Nahschuss"

Am 12. August hält "Nahschuss" Einzug in die deutschen Kinos. Das Polit-Drama erzählt die traurige Geschichte des jungen Franz Walter (Lars Eidinger), der, geblendet von falschen Versprechungen, ein Jobangebot annimmt, welches ihn zum Teil des Ministeriums für Staatssicherheit (MFS) macht. Das Drama gewährt dem Zuschauer einen eindringlichen Blick auf die Todesstrafe in der DDR. Regie führte Franziska Stünkel.

NAHSCHUSS | Trailer deutsch | Ab 12.8. im Kino!

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Zur Handlung

Berlin in den 1970er-Jahren: Franz Walter promoviert an der Humboldt-Universität, als er das Angebot erhält, für den Auslandsnachrichtendienst der DDR zu arbeiten. Er nimmt das Angebot an, denn ihm werden viele Vorteile geboten, die die neue Arbeit mit sich bringen soll. Gemeinsam mit seiner Verlobten Corina (Luisa Heyer) zieht er in eine traumhafte Wohnung und genießt zunächst sein neues Leben. Der ambitionierte Franz findet in seinem Chef Dirk (Devid Striesow) schnell einen Freund, mit dem er auch privat viel Zeit verbringt. Seine alten Freundschaften vernachlässigt er zunehmend.
 


Gemeinsam mit Dirk darf Franz von Westdeutschland in die BRD reisen, um Informationen für die DDR zu sammeln. Schnell merkt er jedoch bei der Ausübung seiner neuen Tätigkeit, dass er mit vielen Vorgehensweisen des Ministeriums für Staatssicherheit nicht einverstanden ist. Sein Frust gegenüber der Arbeit schlägt sich auch in seiner Ehe nieder. Er entschließt sich dazu, auszusteigen, muss jedoch schmerzlich feststellen, dass das nicht so leicht ist, wie er dachte.

Szenenbilder aus "Nahschuss"


Die Hintergründe des Systems des MFS werden in "Nahschuss" schonungslos beleuchtet. Die Kehrseite der zunächst so attraktiv scheinenden Arbeit macht der Film durch viele emotional aufgeladene Szenenbilder deutlich: Sie reichen vom Entgleiten seiner Ehefrau bis hin zu seinen Gewissensbissen, die Franz in eine Alkoholsucht treiben. Der seelische und körperliche Verfall des Protagonisten wird gezielt dargestellt und mitfühlend in Szene gesetzt.
 


Der Filmemacherin Franziska Stünkel gelingt es, den Fall des Dr. Werner Teske, an den der Film angelehnt ist, mit Bravour auf die Leinwand zu übertragen. Der Filmtitel ist in seiner Aussagekraft nicht zu übertreffen, wenn es um die letzte ausgeführte Todesstrafe der DDR und dem damit verbundenen Prozess geht. Der Film handelt von Gerechtigkeit, Liebe, Ethik und Moral und vor allem von der Stasi-Zeit und davon, wie schwer oder gar unmöglich es war, dem System zu entkommen, wenn man einmal in seine Fallstricke verwickelt war, sowie welche Konsequenzen es mit sich bringt, wenn man es doch versucht.
 


Eidingers Darstellung des Protagonisten wirkt authentisch und mitreißend. Jede Emotion, die er ausgedrückt, hinterlässt beim Zuschauen Gänsehaut. Die Gefühle lassen das Publikum auch nach dem Film nicht los. Die Figur der Corina gewährt einen Einblick, wie sich die Arbeit des MFS auf die Beziehungen der Menschen auswirkte und welche Opfer man brachte, wenn man sich dafür entschied, Teil dieses Systems zu werden. Der Film bringt ein Stück deutsche Geschichte in die Kinos, welches viel zu wenig öffentlich diskutiert und über das noch heute oft geschwiegen wird.

Originaltitel: "Nahschuss"; Politdrama; DE 2021; Regie: Franziska Stünkel; Drehbuch: Franziska Stünkel; Darsteller: Lars Eidinger, Moritz Jahn, Luise Heyer, Peter Benedict, Devid Striesow, Hendrik Heutmann; Laufzeit: 116 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; Kinostart: 12. August 2021; Verleih: Alamode Film

[Tabea-Jane Mählitz]

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