"Die Unbeugsamen" erzählt die Geschichte der Frauen in der Bonner Republik, die sich ihre Beteiligung in den demokratischen Entscheidungsprozessen gegen viele Männer behaupten mussten (Foto: Majestic) "Die Unbeugsamen" erzählt die Geschichte der Frauen in der Bonner Republik, die sich ihre Beteiligung in den demokratischen Entscheidungsprozessen gegen viele Männer behaupten mussten (Foto: Majestic)
Kino-Tipp

"Die Unbeugsamen"

"Politik ist eine viel zu ernste Sache, als dass man sie allein den Männern überlassen könnte", lautet ein bekanntes Zitat der ehemaligen Bundesministerin Käte Strobel, die von 1966 bis 1972 im Amt war. Welche Erfahrungen haben Frauen damals in ihrem Ämtern machen müssen und welchen Anfeindungen mussten sie sich gegenüberstellen?

DIE UNBEUGSAMEN Trailer German Deutsch (2021)

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Die Dokumentation "Die Unbeugsamen" erzählt die Geschichte von Frauen in der Bonner Republik, die sich im Rahmen demokratischer Entscheidungsprozesse gegen viele Männer durchsetzen mussten. Im Film werden verschiedene ehemalige Politikerinnen interviewt, die von ihren Erinnerungen berichten. Der Dokumentarfilm besteht zum Teil auch aus Archiv-Ausschnitten. Regie führte der Journalist Torsten Körner.

Szenenbilder aus "Die Unbeugsamen"


Die interviewpartnerinnen für den Dokumentarfilm sind Politikerinnen wie Herta Däubler-Gmelin (SPD), Marie-Elisabeth Klee (CDU), Ursula Männle (CSU), Christa Nickels (Die Grünen), Ingrid Matthäus-Maier (FDP/SPD), Renate Schmidt (SPD) und Rita Süssmuth (CDU). Zudem werden auch die beiden Journalistinnen Sabine Gräfin von Nayhauß-Cormons und Renate Faerber-Husemann interviewt.
 


Die Frauen berichten auf unbeschönigte Weise ihre Erlebnisse mit sexuellen Übergriffen, Anfeindungen durch Männer und wie schwer es war, sich als Frau in der Politik einen Namen zu machen. Es geht vor allem um Machtmissbrauch und den Kampf darum, als Politikerin endlich ernstgenommen zu werden.
 


"Die Unbeugsamen" besteht aus mehreren Kapiteln, in denen Politikerinnen in den 60er und 70er Jahren mit veralteten Rollenbildern brechen, sich auf politischer Ebene zusammentuen und sich das Selbstbestimmungsrecht der Frau erkämpfen. Es geht um Gleichberechtigung, um Strafe bei Vergewaltigung in der Ehe und um den Sexismus im Parlament.
 


Die Politikerinnen im interview sprechen offen und ehrlich, sind dabei authentisch und nehmen kein Blatt vor den Mund. Die Damen erzählen von ihrer Zeit als "Rebellinnen" und wie hart es war, sich als Frau politisches Gör zu verschaffen. Im Film geht es vor allem darum, wie die Frauen auch parteiübergreifend eine Strategie finden mussten, sich gegen die Männer zu behaupten.
 


Nicht nur auf politischer Ebene werden die Auswirkungen der Bewegung deutlich: Carola von Braun aus der FDP erzählt ehrlich und mitreißend, wie es für sie war, als sogar ihre Ehe daran zerbrach, dass sie als Politikerin Karriere machte.
 


Wie geht die Gesellschaft mit Themen wie Sexismus und sexuellen Übergriffen um? Die Dokumentation veranschaulicht, wie tabuisiert diese Themen zur damaligen Zeit waren, als es bei den Grünen 1983 zum ersten Skandal durch Klaus Hecker kam, dem vorgeworfen wurde, mehreren Frauen an die Brust gefasst zu haben. Anhand von Archivausschnitten der WDR-Sendung "Aktuelle Stunde" wird deutlich, wie wenig man davon hielt, darüber offen zu diskutieren.
 


Gerade deshalb ist "Die Unbeugsamen" ein dokumentarisches Meisterwerk, da es Szenenbilder zeigt, die auch heute nicht an Aktualität eingebüßt haben. Mit der Präsidentsschaftswahl in den USA, in denen ein offensichtlich frauenfeindlicher Politiker ins weiße Haus gewählt wurde, löste eine Debatte darüber aus, was die ganze Zeit bereits ein Problem war, nur, dass darüber nun offener diskutiert wird.
 


Es ist eine chronologische Reise der Politikerinnen und ihr Kampf um ein Recht darauf, gehört zu werden, der sich bis in die Gegenwart zeigt. Im Verlauf der Kapitel wird immer deutlicher, wie unvorstellbar es noch in den 60er und 70er Jahren war, eine Frau das Amt der Bundeskanzlerin zu überlassen. Der Film lässt
einschneidende politische Ereignisse - wie etwa die Wahl von Helmut Kohl - Revue passieren und sorgt für Gänsehaut beim Zuschauer, beim Voraugenführen der damaligen Umstände.
 


"Die Unbeugsamen" ist ein historisches Dokument, dass die Geschichte vieler Frauen erzählt, die einen harten Kampf austragen mussten, damit die Politik, wie wir sie heute kennen, werden konnte, wie sie ist. Und eben dieser harte Kampf darf nicht in Vergessenheit geraten.
 


Originaltitel: "Die Unbeugasamen"; Dokumentation; DE 2020; Regie und Drehbuch: Torsten Körner; Darsteller: Herta Däubler-Gmelin, Marie-Elisabeth Klee, Ursula Männle, Christa Nickels, Ingrid Matthäus-Maier, Renate Schmidt, Rita Süssmuth; Laufzeit: 99 Minuten; FSK: ab 6 Jahren; Kinostart: 26. August 2021; Verleih: Majestic

[Tabea-Jane Mählitz]

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