Im Kino

"The Cove - Die Bucht"

published: 22.10.2009

"The Cove - Die Bucht"  (Verleih Drei Freunde) "The Cove - Die Bucht" (Verleih Drei Freunde)

In den 60er Jahren trainierte Ric O'Barry Delfine für die TV-Serie "Flipper". Er brachte ihnen bei, gegen Belohnung Befehle auszuführen und sich so in Abhängigkeit vom Menschen zu begeben. Seit fast 40 Jahren allerdings macht der ehemalige Coach das genaue Gegenteil – er versucht, in Gefangenschaft gehaltenen Delfinen ihre künstlichen Verhaltensmuster abzugewöhnen und setzt sich für ihre Freilassung ein. "Der Wendepunkt kam", erinnert sich der heute 68-Jährige, "als einer der Flipper-Delfine am 22. September 1970 im Miami Seaquarium in meinen Armen starb". Seitdem kämpft Ric O'Barry auf der anderen Seite – so auch im Doku-Thriller "The Cove – Die Bucht", der nun in den Kinos läuft.

Stacheldracht und Mafia als Gegner

Die Dokumentation über die grausamen Delfin-Schlachtrituale in der Bucht der japanischen Stadt Taiji sorgt weltweit für Empörung angesichts der Brutalität und Gewissenlosigkeit, mit der japanische Fischer gegen die intelligenten Meeressäuger zu Werke gehen. Und all denjenigen, die das wohlbehütete Geheimnis lüften wollen, rücken die lokalen Machthaber zu Leibe: "Bevor wir mit dem Dreh begannen, war ich schon mehrere Male vor Ort gewesen", so O'Barry, "doch ich wusste nie, wie ich die skandalösen Ereignisse würde enthüllen können". Der Film zeigt, wie rigoros die Bucht abgeriegelt wird – Stacheldrahtzäune und Sicherheitspersonal schützen die Delfinschlachter vor unliebsamem Besuch.

Ric OBarry macht sich seit fast 40 Jahren für die Freilassung gefangener Delfine stark (Foto: Public Address)Ric OBarry macht sich seit fast 40 Jahren für die Freilassung gefangener Delfine stark (Foto: Public Address)

Gemeinsam mit National Geographic-Fotograf Louis Psihoyos, der bei "The Cove – Die Bucht" Regie führt, wagte O'Barry dennoch die Konfrontation mit den kriminellen Fischern. Doch nicht nur die wurden für O'Barry und sein Team zur ernsthaften Bedrohung: "Die größte Schwierigkeit war, nicht gefangen oder umgebracht zu werden", berichtet der Delfinkämpfer. Fünf Zimmer habe seine Crew im Hotel gemietet – fünf weitere Zimmer seien von Polizisten zur Überwachung besetzt gewesen. Auch von der im Fischfanggeschäft sehr aktiven japanischen Mafia, der Yakuza, seien die Filmemacher permanent bespitzelt worden. "Wir wurden regelrecht umzingelt!", so O'Barry sichtlich empört. Nicht zuletzt wegen komplizierter Filmtechniken wie getarnten Kameras, geheimen Unterwasserdrehs und anderen Drahtseilakten habe die Produktion gut fünf Millionen Dollar verschlungen.

Der internationale Druck wächst

Der schon öfter gefallene Vergleich mit "Ocean's Eleven" wird dem aufwühlenden Ökothriller kaum gerecht. Zwar hat Regisseur Psihoyos bewusst Action- und Spionage-Elemente in seinen Film eingebaut, doch geht es hier nicht um einen Kasinoraub. Die Bilder sind mitunter explizit und nichts für schwache Nerven, doch nur so könne Aufmerksamkeit erlangt werden, meint O'Barry. "'Gaiatsu', das heißt 'Druck von Außen', ist seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs das einzige Mittel, in Japan etwas zu verändern", weiß der Aktivist. Der Film habe schon einige Hebel in Bewegung gesetzt. So habe sich die Küstenstadt Taiji dem öffentlichen Protest vorläufig gebeugt und zumindest in diesem Jahr keine rituellen Delfinschlachtungen mehr zugelassen. Auf seiner Homepage verzeichnet O'Barry rege Beteiligung am Kampf gegen den "Delfin-Genozid", wie er selbst die Geschehnisse in Japan nennt. Der Tierschützer hofft auf einen nachhaltigen Effekt der Dokumentation. "Es besteht die Chance, dass dieser Film für den Oscar nominiert wird", meint der Delfinfreund, der auch für die Schließung des Delfinariums im Hamburger Tierpark Hagenbeck sorgte, "und dann wird sich Taiji vor dem Tsunami des internationalen Drucks nicht mehr wehren können".

[Michaela Sommer]

Links

www.savejapandolphins.org
Homepage zum Film

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